Verschmutzter Antrieb einer Atari 1050

Atari 800XL, Teil 4: Spiele und der Abschied vom Diskettenlaufwerk

Der 800XL, der Bildschirm, der Kartenleser. Es funktionierte alles. Ich war angekommen auf meiner Reise zurück zum Atari XL. Jetzt konnte ich das Retro-Gefühl in vollen Zügen genießen. Doch vorher gab es noch eine Aufgabe: Ich musste meine restlichen Dateien auf die SD-Karte hinüber retten. Das war nicht so einfach, wie ich mir das vorgestellt hatte.

Einige Disketten hatten Lesefehler – kein Wunder nach fast 30 Jahren. Das Problem war: Beim Kopieren über das Atari-DOS führte schon ein einziger Lesefehler zum Abbruch des Kopiervorgangs. Was aber war dann mit dem Rest der Dateien? Liegen lassen?

Die Lösung lag auf einer meiner alten Disketten: Der Sektor-Kopierer. Ein kleines Programm, das mir schon sehr gute Dienste geleistet hat um – öhm – Sicherungskopien von Sicherungskopien anzulegen. Denn der Kopierschutz bestand damals oft aus absichtlich defekten Sektoren. Dem Sektor-Kopierer war das egal.

Sektor-Kopierprogramm für den Atari XL
Letztes Mittel: Mit dem Sektor-Kopierer versuche ich auch defekte Disketten zu retten.

Viele Disketten habe ich mit dem Sektop-Kopierer auf virtuelle Images kopieren. Angesehen habe ich mir die defekten Files bislang aber noch nicht. Wenn die 30 Jahre rumliegen konnten, halten sie es auch noch ein paar Monate länger aus. Hauptsache, die sind mal kopiert.

Spiele auf dem Atari XL

Ich wollte endlich wieder mit dem Atari XL spielen. Doch wie? Die Spiele wieder von Diskette laden? Oder alle zuerst auf SD-Karte kopieren? Das dauert mir zu lange.

11 Retro-Spiele, die wir nicht mehr missen wollen

Aber es gab eine Lösung: Ein Forenbeitrag brachte mich auf die richtige Spur zu Online-Archiven mit Hunderten Disketten-Images aller Spiele-Genres. Dort habe ich mir ein paar Spiele geholt und auf die SD-Karte gepackt. Und noch besser: es gibt sogar aktuelle Spiele, programmiert in den 2000ern für den 800XL. Zum Beispiel Crownland, das mit Parallax-Scrolling, tollem Sound und toller Grafik zeigt, was man aus einem XL herausholen kann. Allerdings braucht der XL für Crownland eine Speichererweiterung. Gut, dass die in meinem Turbo Freezer XL eingebaut ist.

Ein Jump and Run Spiel auf dem Atari XL
Crownland: Jump and Run auf dem Atari XL

Natürlich stand auch Summer Games auf meiner Liste. Jenes Joystick mordende Rüttelspiel. Meine Handgelenke sind allerdings zu alt, um hier noch vernünftige Zeiten aufzustellen. Außerdem hatte ich ganz vergessen welch ellenlange Ladezeiten das Spiel hatte, zumal man alle Nase lang die Diskette umdrehen musste (das bedeutet, ein anderes Image aktivieren).

Joystick vor einem Bildschirm mit Summer Games
Das Joystick zerrüttende Summer Games war eines meiner Lieblingsspiele.

Mein Favorit ist Kennedy Approach. Eine Fluglotsen-Simulation mit für damalige Zeiten fantastischer Sprachausgabe. Für damalige Zeiten war das Spiel ausgesprochen barmherzig zu seinen Spielern. Während bei Ballerspielen schon ein einzelnes verirrtes Pixel das Kampfschiff vernichtete, konnte man bei Kennedy Approach auch mal eine Fluglotenschicht so richtig versemmeln und durfte dennoch weiter spielen.

Fluglotsen-Simulation Kennedy Approach
Unterhaltsam: Kennedy Approach auf dem 800XL war eine kurzweilige Fluglotsen-Simulation

Tage der Programmierung

Da war noch etwas anderes neben Texten und Spielen. Genau: Basic. Jene wunderbar einfache Einstiegssprache, die so vielen Menschen den Weg zum Computer geebnet hat. Simpel, mit Zeilennummern: Atari Basic. Doch das bekam bald Konkurrenz von einem Basic-Interpreter, der meiner Lieblingssprache auf dem XL einen gewaltigen Schub gab: Turbo Basic XL.

Startbildschirm Turbo Basic XL
Der Basic Turbo: Mit strukturiertem Code und atemberaubender Geschwindigkeit war Turbo Basic XL mein Programmierfavorit

Veröffentlicht als Listing in der Zeitschrift Happy Computer wanderte Turbo Basic auf bald alle Ataris, so auch auf meinen.

Und was habe ich so programmiert? Alleine nichts besonderes. Aber gemeinsam mit meinem Freund Ingo haben wir einen üppigen Charakter-Generator für das Offline-Rollenspiel Midgard gebaut. Und dazu gleich noch Umwandlungs-Routinen für alle, die ihre Charaktere aus Dungeons & Dragons nach Midgard hinüber retten wollten.

Menübildschirm eines Basic-Programms auf dem Atari 800XL
Das erste große Basic-Projekt: Rollenspiel-Charaktere umwandeln.

An den Midgard-Utilities sind wir viele Nächte gesessen. Ich habe in dieser Zeit viel über strukturiertes Programmieren gelernt – und dass Bier trinken und programmieren nicht zusammen passen. Don’t drink and code!

Seit der XL hier auf meinem Schreibtisch, steht habe ich auch schon wieder ein paar Zeilen programmiert. Und mal sehen, wenn die Zeit reicht, wage ich mich vielleicht auch noch einmal an den 6502-Assembler. Dessen Schlichtheit fasziniert mich. Und Literatur dazu habe ich auch noch.

ATMAS Atari Assembler und Lehrbuch
Der Atari Assembler und das zugehörige Lehrbuch von Peter Finzel.

Defektes Diskettenlaufwerk

Bleibt noch das letzte Problem: Mein Diskettenlaufwerk hat einen Schaden.  Zunächst gab es Probleme beim Formatieren von Disketten. Ich dachte, das läge an defekten Datenträgern. Dann aber hatte ich Stephans Laufwerk hier – und da funktionierte alles. Ergo hat meine Atari 1050 ein Problem.

In der Hoffnung die Ursache zu finden, habe ich das Laufwerk aufgeschraubt – wer mein Händchen für Elektronik kennt, sollte jetzt Angst um das Laufwerk bekommen.

Geöffnetes Diskettenlaufwerk Atari 1050
Aufmacher: Nach dem Öffnen des 1050-Diskettenlaufwerks zeigt sich robuste Technik

Aber keine Angst. Ich habe nur ein wenig geguckt und bin einem Hinweis aus einem Forum nachgegangen. Es könne sein, dass sich am Riemenantrieb Schmutz abgesetzt hat. Und genau da saß er auch: klebriger, schwarzer Dreck.

Verschmutzter Antrieb einer Atari 1050
Nach dem Reinigen des Antriebsrades konnte ich immerhin wieder formatieren.

Als ich den entfernt hatte, funktionierte zumindest das Formatieren von Disketten. Vielleicht Zufall? Aber ich schiebe es mal auf meine verwegene Reparatur. Allerdings gab es beim Kopieren von Disketten – egal ob über DOS oder über den Sektor-Kopierer immer noch Fehler. Da hat die Reparatur also nicht geholfen.  Immerhin habe ich nichts kaputt gemacht. Und ich hatte Gelegenheit, am offenen Gehäuse den Schreib-Lesekopf bei der Arbeit zu filmen.

Die Floppy liegt jetzt im Regal und wartet darauf, dass ich mich mit dem Atari Userclub ABBUC in Verbindung setze. Dort hoffe ich auf einen Spezialisten, der die Floppy reparieren kann. Eigentlich brauche ich das Diskettenlaufwerk ja nicht mehr unbedingt, dank des SD-Kartenlesers, der gleich mehrere Laufwerke emuliert. Aber irgendwie wurmt es mich, wenn nicht alles funktioniert. Ich hoffe, es wird nur ein kurzer Abschied von der Floppy.

Disketten-Emulator für den Atari XL in einem kleinen schwarzen Kästchen.
Ein kleines Kästchen ersetzt die Floppy: SIO2SD emuliert Laufwerke auf einer SD-Karte.

Tröööt!

Die Floppy muss funktionieren. Denn vielleicht will ich meinen Atari XL mal weiter vererben. An meine Tochter. Die ist jetzt schon ganz begeistert von einem kleinen Programm, das „Tröööt“ macht, sobald sie den Joystick-Knopf drückt.

Kleinkind sitzt an einem alten 8-Bit-Computer und drückt einen Joystick-Knopf
Ein simples Basic-Programm macht meiner Tochter Spaß. Denn der Joystick macht „Tröööt“.

Programmiert habe ich das „Trööt“ in Basic. Wie früher. Ob Linchen auch einmal programmieren wird?

Aber jetzt wird es wieder Zeit, ins Hier und Jetzt zu kommen. Die Gegenwart ist spannend – aber die Vergangenheit darf erst einmal hier auf meinem Schreibtisch bleiben.

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