Frank Ostrowski und Rolf Hilchner im Düsseldorfer GFA-Firmensitz

Computerhelden (10): Frank Ostrowski – der Schöpfer des legendären GFA-Basic

Frank Ostrowski war ein scheuer Mensch. Er starb, von seinen Fans unvergessen, 2011 mit nur 50 Jahren. Verrückt genug, dass von ihm nur eine Handvoll Fotos existieren, die allesamt aus den Jahren 1985 und 1986 stammen. Darauf ist er so gut wie nie allein zu sehen. Denn sein Sprachrohr war der GFA-Geschäftsführer Rolf Hilchner – bis heute eine schillernde Persönlichkeit in der manchmal schillernden Welt der Digitalisierung. In die Geschichte dieser Digitalisierung wird Frank Ostrowski als Schöpfer des GFA-Basic eingehen, einer zu seiner Zeit hochmodernen Variante der bei Amateuren beliebten Programmiersprache. Modern war nicht nur der Verzicht auf Zeilennummern (bzw. deren rigides Verbot). Dieses Basic bestach zudem durch eine Fülle an Befehlen, die den vollständigen Zugriff auf das GUI des ST und seine Grafik- und Musikfähigkeiten erlaubte. Und das war bereits Franks zweiter Streich.

Gewinner im Programmierwettbewerb

Frank Ostrowski: Turbo-Basic als "Listing des Monats"
Frank Ostrowski: Turbo-Basic als „Listing des Monats“
Nur Digisaurier erinnern sich noch an das Zeitalter der Listings. In den Computerzeitschriften der wilden 80er fand man seitenlang Programmcode, den man sorgfältig abtippen musste, um die zugehörige Anwendung ans Laufen zu kriegen. JEDES Magazin hatte so etwas, auch die auf Homecomputer spezialisierte Zeitschrift Happy Computer aus dem Verlag Markt&Technik. Denen hatte ein gewisser Frank Ostrowski das Listing für einen voll funktionsfähigen Basic-Interpreter für den damals sehr beliebten Atari 800XL/130XE geschickt. Natürlich waren die Redakteure begeistert, kürten die Einsendung zum „Listing des Monats“ und belohnten das Ganze mit 2000 DM.

Für Frank war das in erster Linie eine Genugtuung. Denn nach dem Abitur und der Bundeswehrzeit war er arbeitslos und fand keinen Ausbildungsplatz zum Programmierer. Dabei waren anno 1985 fähige Codierer durchaus gesucht. Es mag an seinem stillen Wesen gelegen haben, dass er bei all seinen Bewerbungen nicht weiter auffiel. Dabei war er mit seinem aufgerüsteten Atari 400XL bereits seit 1981 aktiv und hatte nicht nur dieses Turbo-Basic geschrieben, sondern eine ganze Reihe Spielchen und sogar einen Compiler für die Programmiersprache Forth. Und möglicherweise wäre dieser begnadete Entwickler nach diesem kleinen Triumph wieder in der Versenkung verschwunden, wäre nicht ein gewisser Rolf Hilchner auf ihn aufmerksam geworden.

Rolf Hilchner: Entdecker, Mentor, Sprachrohr

Rolf Hilchner, Gründer von Ashampoo, ist immer noch für einen Knaller gut
Rolf Hilchner, Gründer von Ashampoo, ist immer noch für einen Knaller gut (Foto: OMR)
Der ist nun in so ziemlich jeder Eigenschaft das krasse Gegenteil von Frank Ostrowski. Mitte der 80er wirkte er in der Düsseldorfer Geschäftsstelle der Kieler Firma Integral Hydraulik, die mit ihm einen Zweig im Bereich der Computerei aufzubauen gedachte. Man kann nicht sagen, dass Hilchner ein einfacher Gesprächspartner war – er redete viel und gern, neigte damals deutlich zur Selbstüberschätzung und nahm gern übel. Dieser Rolf Hilchner aber war auf das Listing des Monats in der Happy Computer vom Dezember 1985 gestoßen und aus dem zugehörigen Artikel von der Lage des Programmierers erfahren.

Flugs lud er Frank Ostrowski nach Düsseldorf ein, und ab Februar 1986 war Frank Angestellter der Firma, die sich inzwischen GFA Systemtechnik umbenannt hatte. Dort hatte man ihm einen Arbeitsplatz mit einem Atari ST und allem Zipp und Zapp eingerichtet. Die Mission lautete: Schreib ein Basic für den ST! Und das tat der gute Frank innerhalb von nicht einmal drei Monaten – Testphase inklusive. Der Interpreter namens GFA-Basic schlug in der Szene der enthusiastischen ST-Fans in Deutschland ein wie eine Bombe. Jeder wollte ihn haben, also verkaufte Rolf Hilchner in seiner Eigenschaft als Abteilungsleiter die Softwarepakete wie warme Semmeln. Und spielte die ganze Klaviatur des Marketings: da übernahm GFA das Sponsoring einer Handballmannschaft, da schrieb Hilchner Preisausschreiben aus und da schaltete er Anzeigen in fast allen Computerzeitschriften – nicht zuletzt, um sich und die GFA die Redaktionen gewogen zu machen.

Geschäft schlägt Genie

Die schönen, wilden und für Frank angenehmen Jahre dauerten nicht lange. Dies weil sein Schicksal zu sehr mit dem des Rolf Hilchner verknüpft war, einem unsteten Menschen voller Ideen, die ständig wechselten. Bis 1989 blieb er bei der GFA und sorgte dafür, dass Frank in Ruhe arbeiten konnte. Denn aus dem GFA-Basic sollte ein Programmierimperium entstehen mit Versionen für den Amiga und MS-DOS, mit Compilern und einem Bukett diverser Anwendungen – die Hilchner dann zu vermarkten hatte. Der aber schied Ende 1989 aus – nicht zuletzt, weil er die Wende nach dem Mauerfall auch für sich als Startpunkt neuer Aktivitäten sah. Zehn Jahre lang sorgte er mit seinem Unternehmen HILCHNER Daten & Medien (nur echt in Großbuchstaben!) für Unruhe am Markt, bevor er 1999 den Shareware-Verteiler Ashampoo gründete.

Frank Ostrowski aber blieb der Firma GFA Systemtechnik treu bis zu deren Ende in Gestalt einer Umfirmierung und kompletten Änderung des Geschäftszwecks. Aus den Augen der Fachjournalisten aber verschwand er schon 1989 – es finden sich keine Fotos oder Interviews mit ihm in den Computer-Gazetten. Vermutlich war ihm das auch recht, denn wenn er eines hasste, dann im Licht der Öffentlichkeit zu stehen.

Comments

comments

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.