Die App für IQ7000-Geräte von Siemens

Der vollvernetzte Backofen. Oder: Muss das Internet in die Küche?

Vor vielen Jahren hat Mirosofts Bill Gates mal sein ganzes Eigenheim vernetzten lassen. Ohne Internet, versteht sich. Denn daran glaubte der immer mal wieder reichste Mann der Welt damals nicht. Diese Welt staunte und lachte sich über den Windows-Erfinder kaputt. Heute bieten alle großen Hausgerätehersteller vernetzte Großgeräte an. Und keiner lacht mehr. Warum nicht? Weil die Idee vom Internet der Dinge (IoT = „Internet of things“) schon so weit in die Köpfe von Otto und Marianne Normalverbrauchter gedrungen ist, dass sie es für selbstverständlich halten, wenn der Backofen mit dem Kühlschrank kommunizieren kann. Ganz konkret kann man sich das alles bei der IQ7000-Baureihe von Siemens anschauen. Bei Licht betrachtet und in Reihe analysiert zeigt sich: Es geht vor allem um ein neues Bedienkonzept.

Denn so wie das Smartphone per App zur Fernbedienung für die gesamte Unterhaltungselektronik im Haus werden kann, so wird sie bei IQ7000-Geräten eben zur Fernbedienung für Backofen, Geschirrspüler und Kühlschrank. Wir lernen ja gerade auch, dass ein Großteil er Bedienelemente eines Autos durch eine oder mehrere Apps gesteuert werden können, die auf einem Touchpad am ehemaligen Armaturenbrett hausen. Warum also nicht auch in der Küche?

Die bessere Benutzeroberfläche

Siemens selbst führt als Hauptargument für den vernetzten Backofen ins Feld, dass man den Herd halt von überall aus bedienen und auch nachsehen kann, wie der Braten im Rohr gerade aussieht. Das macht auf den ersten Blick Sinn. Weil das aber auch ein bisschen wenig ist, schenkt man der App Zugang zur kompletten(!) Bedienungsanleitung des Geräts und eine Schnittstelle, über die man bei Störfällen den Service erreichen kann. Das ist toll. Für wahre Hobbyköche eher fragwürdig ist der Nutzen eines integrierten Kochbuchs…

Übrigens: Bei der Spülmaschine sind es genau diese Elemente, die eine App überhaupt sinnvoll erscheinen lassen: Hilfefunktion und Servicekontakt. Und bei diesem Großgerät leistet die Vernetzung zudem eine Überwachung der Funktionen. Da wird mangelndes Salz nicht mehr durch ein unscheinbares Licht an der Maschine gemeldet, sondern als Benachrichtigung auf dem Smartphone. Wer das Spülmaschinensalz regelmäßig bei einer Quelle im Internet bestellt, kann dann gleich online neues anfordern.

Hilfe beim Energiesparen

Auch bei den Waschmaschinen, die zunehmend über Apps gesteuert werden können, zeigen sich die Vorteile des Prinzips: Denn eine App bietet dem Anwender grundsätzlich eine viel bessere Benutzeroberfläche als die klassische Schalterleiste mit ihren Dreh- und Druckknöpfen. Und wenn die Waschmaschine dann auch noch die jeweils aktuelle Füllmenge meldet und die passende Waschmittelmenge empfiehlt, dann macht sich diese Form der Fernsteuerung schnell nützlich.

Das gilt natürlich auch für den Backofen und den Geschirrspüler. Denn die App kann natürlich auch Empfehlungen zu Temperatureinstellungen machen, die sich nach der Menge richten. Das ist nach Expertenmeinung sogar sinnvoller als es entsprechende Automatiken je sein können. Und hat zudem einen pädagogischen Effekt analog zu den Verbrauchsanzeigen im Auto samt Schaltpunktempfehlungen.

Und hier kommt der Kühlschrank ins Spiel, das Elektrogroßgerät, das immer läuft, also immer Strom verbraucht und deshalb das größte Sparpotenzial hat. Alle „intelligenten“ Kühlkombinationen haben Sensoren, um die Inhaltsmengen zu messen. Bekanntlich verbraucht die Kiste am meisten Saft, wenn sie gerade mit vielen noch ungekühlten Lebensmitteln befüllt wurde. Dass dem so ist, stellt das Gerät selbst fest und reguliert die Temperatur selbsttätig. Der Nutzer aber kann per App eingreifen und zum Beispiel auch dann eine niedrigere Leistung wählen, wenn keine Produkte im Kühlschrank sind, die stärker gekühlt werden müssen.

Fazit: Digital gehört in die Küche

Seien wir ehrlich: Ein Kühlschrank, der je nach Bestand selbst Einkaufslisten anfertigt, ist eher ein Gimmick. Ist er aber mit Kameras ausgestattet, auf die man per Smartphone zugreifen kann, sieht das schon anders aus. Denn dann kann Vati im Supermarkt vor dem Milchregal stehend schnell mal nachschauen, ob noch genug von diesem schweineleckeren Kokosmussjoghurt im Haus ist. Und entsprechend einkaufen.

Das alles zeigt, dass die Digitalisierung der Küche durchaus Fortschritte mit sich bringt: bei der Bedienung, beim Service und beim Energiesparen. Noch sind es die Geräte der oberen Preisklassen, die sich über Apps steuern lassen. Aber weil Hersteller durch diese Konzepte sogar Produktionskosten sparen können, weil weniger Bedienlektrik nötig ist, dürften in Kürze auch die Küchengeräte für den Rest von uns vollvernetzt sein. Schön wär’s jedenfalls.

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2 Gedanken zu „Der vollvernetzte Backofen. Oder: Muss das Internet in die Küche?“

    1. Es gibt Filme die zeigen wie man sich die Küche der Zukunft vorgestellt hat. Wenn man das genau betrachtet muss man sagen: die lagen irgendwie schon richtig. Aber mangels der Kenntnisse dessen was kommen würde auch gleichzeitig grandios falsch… ;-)

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