Hannes Rügheimer am MWC2018

Neue Smartphones, alte Handys, Drohnen, Brillen und 5G … ein Rückblick auf den MWC 2018

Smarte Brillen und Drohnen und was die mit Handys zu tun haben. 5G und warum es vielleicht schneller kommt als man denkt. Sowie: Der neue Star von Samsung und weitere Highlights des Mobile World Congress 2018. Technik-Experte Hannes Rügheimer war in Barcelona und hat sich für uns auf der Welt-größten Handy-Messe umgesehen. Hier seine Eindrücke vom MWC 2018 im Rückblick.

Hinweis: Statt den Artikel zu lesen möchtet ihr lieber gleich das ca. einstündige Video mit Hannes Rügheimer und Christian Spanik sehen? Dann geht’s hier zur Livesendung vom MWC2018.

Samsung S9 und S9+ … gute Mischung aus Spielerei und interessanter Technologie

In einem imposanten Ambiente stellte Samsung seine neue Smartphone-Generation vor: Das Samsung S9 und das S9+. Zwei Blenden - Samsung S9 - MWC2018Die große Neuheit ist das Kamera-System. Man hat nun die Möglichkeit, zwischen zwei Blenden-Stufen umzuschalten, nämlich f/1,5 und f/2,4. So werden sowohl Aufnahmen tagsüber in der Sonne bzw. bei hellem Licht als auch Aufnahmen in der Dämmerung am Abend Zwei Kameras - Samsung S9+ - MWC2018optimiert. Im Gegensatz zum S9 sind beim S9+ außerdem zwei Kameras verbaut: Ein Teleobjektiv und ein Weitwinkel-Objektiv. Beide Smartphones sind zudem in der Lage, mehrere hundert Bewegungsphasen pro Sekunde aufzunehmen und die Abläufe in Slow-Motion wiederzugeben.

Avatare, Apps und neue Farben

Gezeigt wurden auch neue Funktionen für Samsungs intelligenten Assistenten „Bixby„, die etwa die Live-Übersetzung von Schildern oder Speisekarten ermöglichen oder die per Bilderkennung und Datenbank eine Kalorien-Analyse von Speisen durchführen. Außerdem wurden die Möglichkeiten von personalisierten, bewegten Emojis und Avataren erweitert. personalisierte Avatare - Samsung S9 - MWC2018In Barcelona zeigte sich auch der Trend, dass Handys farbenfroher werden. Lila- und Blautöne sind bei Samsung wie auch anderen Smartphone-Herstellern gerade sehr angesagt. Wer es etwas konservativer möchte, kann sich beim S9 und S9+ aber auch für Silber oder Schwarz entscheiden.

8110 – Nokia setzt wieder auf Nostalgie

Nokia schwimmt auch in diesem Jahr auf der Nostalgiewelle weiter und bringt ein klassisches Handy mit neuer Technik unter der alten Bezeichnung auf den Markt. Wurde 2017 das 3310 neu aufgelegt, Nokia 8110 - MWC2018war 2018 das 8110 dran. Damit versucht HMD Global, die Firma die eigentlich hinter den Nokia-gebrandeten Handys steht, den Erfolg aus dem Vorjahr zu wiederholen. Das Nokia 8110 war seinerzeit schon eines der teureren und edleren Modelle. Jetzt trägt es den kleinen Zusatz 4G und hat LTE-Funk-Anbindung eingebaut. Es bietet die klassischen Messaging-Funktionen wie Telefonieren, E-Mail, einen abgespeckten Webbrowser und natürlich auch das berühmte Snake-Spiel von Nokia.

Entwicklungen im Bereich Smart Glasses

Mit den Smart Glasses von Vuzix wurde anschaulich demonstriert, wie sich Produkte innerhalb eines Jahres weiterentwickeln können. Smart Glasses von Vuzix - MWC2018Auf dem Mobile World Congress 2017, also vor einem Jahr, hatte der Hersteller sein Konzept mit noch sehr raumgreifenden Vor-Serien-Geräten präsentiert. Jetzt sieht die smarte Brille zwar immer noch aus wie eine nicht besonders toll designte Sonnenbrille, damit aber immer noch weniger auffällig als beispielsweisse Google Glass. Geben wir ihnen also noch ein, zwei Jahre, dann sind sie vielleicht soweit, dass man den Brillen nicht auf den ersten Blick ansieht, was in ihnen steckt. Nämlich in diesem Fall die Möglichkeit, Daten und Informationen ins Sichtfeld ihres Trägers einzuspiegeln.

Smart Glasses im Profi-Einsatz

In der Demonstration Smart Glasses von Vuzix - MWC2018waren die Geräte per Kabel mit einem Rechner verbunden. Allerdings, so erklärte man von Seiten Vuzix, war das nur nötig, um die Inhalte der Brille auf dem Rechner abzubilden. Ansonsten funktioniere die gesamte Anbindung per Funk. Zur Demonstration nutzte man den Use-Case der Starbucks-Baristas. Diese könnten per Brille die aktuelle Bestellung des vor ihnen stehenden Kunden sehen. Im Augenblick  Smart Glasses von Vuzix - MWC2018werden die Anwendungsfälle weniger im privaten als eher im professionellen Umfeld gesehen. Etwa im Logistik-Bereich, auf Flughäfen oder möglicherweise tatsächlich in Coffeeshops.

Telekom bringt Internet ins Flugzeug

Auch am Stand der Telekom konnte Hannes Rügheimer Interessantes entdecken: Vor kurzem hat das European Aviation Network, kurz EAN, seinen Betrieb aufgenommen. EAN - Telekom - MWC2018Ein Netzwerk an dem die Deutsche Telekom und der Satellitenbetreiber Inmarsat beteiligt sind. Es geht darum, Verkehrsflugzeuge im Reiseflug mit Internet zu versorgen. Die Funktion stand bisher nur für Interkontinentalflüge zur Verfügung. Jetzt können europäische Airlines ihren Passagieren eine Online-Anbindung auch auf europäischen Strecken anbieten.

300 LTE-Bodenstationen und ein Satellit

Interessant an diesem Netzwerk ist vor allen Dingen, dass es eine Kombination aus LTE-basierten Bodenstationen ist. Der LTE-Mobilfunkstandard wurde allerdings so modifiziert, dass er Flugzeuge in Reiseflughöhe, also bis zu zwölf Kilometer Höhe, erreicht. Der Satellit sorgt für zusätzliche EAN - Telekom - MWC2018Connectivity aus dem All. Mehr als 300 Bodenstationen wurden zu diesem Zweck eingerichtet, und erste Airlines fangen damit an, ihre Flugzeuge für den neuen Dienst auszurüsten. British Airways gehört zu den Pionieren, aber auch die Lufthansa und andere europäische Anbieter befinden sich bereits in Verhandlungen mit dem EAN-Betreiberkonsortium.

Was die Telekom mit Drohnen zu tun hat

Was vor ein paar Jahren die GoPro war, ist heute zunehmend die Drohne: Das Lifestyle-Produkt, mit dem man Videos aufnimmt. Viel bedeutsamer könnte allerdings werden, was sich die Telekom zu diesem Thema überlegt hat: Wie kann man dafür sorgen, dass Drohnen dem anderen Flugverkehr – von kommerziellen Flugzeugen am Flughafen bis hin zu Polizeihubschrauber und Co. –, nicht in die Quere kommen? An ihrem Stand auf dem MWC 2018 zeigte die Deutsche Telekom das Projekt „Drones Connected“. Hier geht es darum, über ein LTE-Funkmodul den Standort oder die Flug-Position von Drohnen bekanntzumachen. So hat die Deutsche Flugsicherung (DFS) die Möglichkeit, diese Drohnen im Langstreckenflug zu beobachten und entsprechende Genehmigungen zu erteilen.

Drones Connected für mehr Sicherheit

Normalerweise gilt die Regel, dass eine Drohne nur in der Sichtweite des Operators benutzt werden darf. Es gibt allerdings kommerzielle Anwendungen, wo dies nicht ohne weiteres möglich ist. Beispielsweise wenn es darum geht, lange Stromtrassen oder Gaspipelines automatisiert zu überprüfen. „Drones Connected“ sorgt in solchen Fällen dafür, dass die Fluglotsen der DFS trotzdem Kollisionen mit Verkehrsflugzeugen, Hubschraubern oder anderen von ihnen überwachten Fluggeräten verhindern können. Und das Ganze ist noch weiter gedacht: Würde sich die Flugbahn der Drohne mit der eines Polizeihubschraubers oder eines Rettungshubschraubers kreuzen, würde die Drohne angewiesen auszuweichen. Etwa in den Sinkflug zu gehen und ca. 20 Meter über Boden zu warten. bis der Luftraum wieder frei ist, um dann mit ihrem Programm weiterzumachen.

MWC 2018 – Auch ein Blick in die Zukunft

Interessant war auch der Besuch bei Qualcomm. Gerade bei wichtigen Chip-Herstellern im Smartphonebereich wie Qualcomm oder Intel kann man meist schon eine Gerätegeneration in die Zukunft blicken. Denn was diese Hersteller auf dem Mobile World Congress präsentieren, ist die Technik, die in ein oder zwei Jahren in den dann aktuellen Geräten stecken wird. Im letzten Jahr ging es vor allen Dingen darum, erste Infrastruktur-Komponenten für 5G zu zeigen – Chips und Systeme die auf der Netz-Seite zum Einsatz kommen. Qualcomm - MWC2018Beim MWC 2018 war nun Interoperability-Testing ein großes Thema – also der Test, wie Komponenten verschiedener Hersteller zusammenspielen.

Interoperability-Testing bei Qualcomm

Qualcomm kündigte außerdem einen Modem-Chip für 5G an, den X-50, und testete in Live-Szenarien wie dieser Chip im Zusammenspiel mit Netz-Equipment von Ericsson, Nokia, Samsung oder Huawei funktioniert. Interessant fand Hannes Rügheimer auch ein Exponat, das demonstrierte, wie sich die Technik innerhalb eines Jahres miniaturisieren ließ: Ein großes Board mit technischen Komponenten wie sie vor einem Jahr noch für 5G nötig waren, wurde einem Smartphone-Prototypen gegenübergestellt. In diesem steckte ein Smartphone-Chip nicht größer als die heutigen, jedoch mit der gesamten 5G-Funktionalität wie auf dem Technik-Board.Qualcomm - MWC2018

Gespräche zu 5G auf dem MWC2018

Auf dem Mobile World Congress konnte Hannes Rügheimer viele interessante Gespräche zum Thema 5G führen:

„Mein Eindruck ist, dass nicht nur alles auf einem guten Weg ist, sondern es möglicherweise sogar alles ein bisschen schneller geht als es bis dato geplant war.”                   Hannes Rügheimer

Bisher wurde das Jahr 2020 als wahrscheinlicher Startpunkt für erste kommerzielle 5G-Installationen genannt. Nun hört man aus der Branche, dass einige Netzbetreiber richtig Gas geben, und 5G möglicherweise schon Ende 2019 einführen wollen.

5G schon 2019 – eine Herausforderung

Allerdings wird die World Radio Conference, in der überhaupt erst festgelegt werden soll, auf welchen Frequenzen 5G funken wird, auch erst Ende 2019 stattfinden. Dennoch preschen einige Länder vor und versteigern bereits jetzt mögliche Frequenzen für 5G. Das könnte jedoch dazu führen, dass einige Pläne nicht aufgehen. Zum Beispiel, dass 5G weltweit auf den gleichen Frequenzen arbeitet. Möglich ist, dass sich ähnlich wie bei 4G unterschiedliche Länder für unterschiedliche Frequenzbereiche entscheiden. Fraglich ist auch, ob 2019 wirklich das startet, was man branchenweit unter 5G versteht – oder ob wir auch in dieser Hinsicht etwas ähnliches erleben werden wie bei LTE, wo erst von 3,5G, 3,7G oder 3,9G gesprochen wurde, bevor das richtige 4G kam. All das bleibt auch im Hinblick auf 5G  abzuwarten. Auf jeden Fall zeigte auch der Mobile World Congress 2018, dass es in Sachen 5G jede Menge Dynamik gibt, und die Entwicklung weiter spannend bleiben wird.

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