Simcity - die vielleicht berühmteste Simulation auf dem PC

Vom Flusi bis zu FIFA 18: Computersimulationen, die wir nie vergessen werden

Vor gut 25 Jahren besuchte ich einen Freund. Nach dem Abendessen führte er mich in seinen Hobbykeller. Ich beinahe erschrocken, denn dort hatte er sich ein Abteil aus Rigips-Platten gezimmert – seine persönliche Flugzeugkanzel. Über drei große Monitore hatte man einen Blick auf die Welt wie ein Pilot. Davor gab es einen Steuerknüppel, aus den Lautsprechern kam ein sanftes Brummen. Außerdem hatte er einen Bildschirm so in der Arbeitsplatte versenkt, dass dessen Inhalt wirkte wie eine Instrumententafel. „Das,“ begann er, „ist mein persönlicher Leitstand.“ Er sei schon immer in die Fliegerei vernarrt gewesen, aber zu einem Pilotenschein habe es nie gereicht. Da war die Ankunft des Microsoft Flugsimulators für ihn eine wahre Offenbarung.

Der legendäre MS Flugsimulator, hier in der Version 5
Der legendäre MS Flugsimulator, hier in der Version 5
Wohlgemerkt: Mit dem Computer hatte Hans es nicht so. Zwar stand oben im Arbeitszimmer noch ein Laptop, aber den, so sagte er, benutzte er praktisch nur für die Textverarbeitung. Das simulierte Fliegen sei sein einziges großes Hobby. Dafür gebe er ziemlich viel Geld aus – nicht nur für die Hardware, sondern auch für die vielen, vielen Erweiterungen, die es für das Ding, das Fans liebevoll „Flusi“ nennen, angeboten wurden. „Seit ein paar Jahren,“ so Hans weiter, „fliege ich in Echtzeit.“ Nun hatte sich mir der besondere Reiz der Flugsimulatoren nie so recht erschlossen – vielleicht war mir das Ganze auch einfach zu anspruchsvoll.

M.U.L.E. - die Mutter aller Wirtschaftssimulationen
M.U.L.E. – die Mutter aller Wirtschaftssimulationen
Dafür verbrachte ich über die Jahren viel, viel Lebenszeit mit SimCity, dieser verrückten Städtebausimulation. Zusammen mit meinem Sohn errichte ich zwischen 1990 und 1998 eine Metropole, die am Ende das „Spiel“ an seine Grenzen brachte. Wir legten nicht nur eine City an, sondern nach und nach gleich vier davon, jede nach anderen Prinzipien. Und irgendwann wuchsen sie zusammen zu einer Megapolis, über die wir dann zuletzt die Kontrolle verloren. Dass Simulationen etwas sind, bei dem Computer quasi von Hause aus die geeigneten Werkzeuge sind, wussten schon in den Siebzigerjahren die damaligen Nerds, die zum Beispiel M.U.L.E. auf einem Atari 800 spielten, eine rein icon- und textbasierte Wirtschaftssimulation – der viele mit unterschiedlicher Komplexität folgen sollten.

Hanse, die Simulation, hier in der dritten Generation
Hanse, die Simulation, hier in der dritten Generation
Bereits 1986 brachte Ariolasoft mit Hanse eine solche Simulation heraus, die nicht nur durch ihre perfekten Algorithmen überzeugte, sondern durch ein leicht zu erlernendes User-Interface und eine für damalige Verhältnisse beeindruckende Grafik. Aus den Erfahrungen mit M.U.L.E. und Hanse entwickelten sich rasch Standards für solche Wirtschafts- und Entwicklungssimulationen, die sich in ungezählten Programmen bis heute fortgepflanzt haben.

Railroad Tycoon 3 - immer noch die optimale Eisenbahnsimulation
Railroad Tycoon 3 – immer noch die optimale Eisenbahnsimulation
Eine Sonderform der Wirtschaftssimulation entstand 1990 mit Railroad Tycoon, einer Simulation der Erschließung Amerikas durch die Eisenbahn. Heute werden tatsächlich alle denkbaren Verkehrssysteme in allen denkbaren Kombinationen als Simulationsspiele angeboten. Wer immer schon mal Straßenbahn-, U-Bahn-, Omnibus-, Bagger-, Stapler- oder Rennfahrer sein wollte, findet heute die passende Anwendung. Gerade diese Dinger erfreuen sich aktuell einiger Beliebtheit, weil sie vergleichsweise klein sind und auch als App auf dem Smartphone gut funktionieren.

NHL - eine dieser verblüffenden Sportsimulationen
NHL – eine dieser verblüffenden Sportsimulationen
Ein ganz eigenes Genre innerhalb der Simulationsspiele bilden die Sportsimulationen, die vor über 30 Jahren ganz klein angefangen haben – nämlich als Sonderform der Wirtschaftssimulationen. Da gab es Managerspiele für diverse Mannschaftssportarten, bei denen der Spieler „seine“ Mannschaft durch geschicktes Zusammenstellen des Teams zur Meisterschaft bringen sollte. Der Sport selbst wurde damals aber noch nicht simuliert, das kam später. Wobei die ersten Sportsimulationen, die tatsächlich das physische Geschehen der jeweiligen Sportart abbildeten, sich mit Golf befassten. Rasch gefolgt von Billardsimulationen…

The Golf Club: Beeindruckend, aber nicht wirklich wie auf dem Rasen
The Golf Club: Beeindruckend, aber nicht wirklich wie auf dem Rasen
Die Idee war (und ist – dazu gleich mehr), die real beschreibbaren Parameter eines Schlags zu analysieren und dann in Algorithmen zu fassen. Das ist beim Poolbillard sogar noch einfacher, weil sich die Kugeln nach klar beschreibbaren physikalischen Regeln bewegen. Golf ist da komplexer, aber noch lange nicht so komplex wie die Simulation von Mannschaftssportarten wie Fußball, bei dem das Verhalten von 22 Spielern zu berechnen ist. Wer sich die aktuellen Versionen von Fifa oder Pro Evolution Soccer anschaut, wird gar nicht erfassen können, wie komplex es ist, die Abläufe eines Fußballspiels zu simulieren.

Fragt sich letztlich, ob an bei solchen Computersimulationen noch von „Spielen“ reden kann. Mein Freund Hans wäre sicher empört gewesen, hätte ich gesagt, er „spiele“ Flugsimulator. Ihm war jeder Flug im heimischen Hobbykeller ein beinahe so intensives Erlebnis wie eine reale Reise auf einem Pilotensitz.

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