So lustig sehen Snapchat-Bilder aus (Foto: zap2it)

Was zur Hölle… und jetzt auch noch Snapchat?

Oh je, so langsam fällt es uns Silver Surfern schwer, die Wichtigkeit der verschiedenen Säue, die durch sozialmediale Dorf getrieben werden, richtig einzuschätzen. An Facebook haben wir uns ja gewöhnt, und die Wortkargen unter uns benutzen auch Twitter. Pinterest ist bisher an uns vorübergegangen, aber an Instagram könnten wir uns gewöhnen. Mit WhatsApp halten Oma und Opa die Familie zusammen. Aber jetzt auch noch Snapchat? Zum Glück sagt die veröffentlichte Meinung, das sei was für die ganz, ganz junge Generation, die ja angeblich gerade Facebook in Scharen verlassen – also haben wir (und übrigens auch viele Social-Media-Experten jenseits der Fünfzig) Snapchat einfach mal links liegen lassen. Auch weil wir es nicht verstehen. Dabei ist es ganz einfach, und deshalb soll der folgende Beitrag auch ein kleines Plädoyer sein, sich die App mal aufs Smartphone zu holen und damit herumzuspielen.

Phillip Steuer erklärt wie man einen Snap macht
Phillip Steuer erklärt wie man einen Snap macht
Was es überhaupt ist? Nun, die Erklärung steckt im Namen, denn der ist eine Mischung aus „Snapshot“ (also: Schnappschuss) und „Chat“ (also: digitales Tratschen). Um es völlig zu simplifizieren: Bei Snapchat tratscht man mit Schnappschüssen. Text ist nur Beiwerk, Foto oder Videoclip stehen im Mittelpunkt. Man knipst irgendetwas, was einem gerade vors Smartphone kommt, gibt maximal eine Zeile Erläuterung dazu, verziert das Bild mit mehr oder weniger blöden Symbölchen oder Selbstgemaltem, verzerrt und verfiltert es, um es dann im Kreise der eigenen Snapchat-Freunde zu publizieren. Nur die anderen Snapchat-User, die einem folgen, können den Schnappschuss sehen – und nach kurzer Zeit verschwindet er.

Ohne Gedächtnis

Snapchat hat in seiner einfachsten Form kein Gedächtnis. Nur wer es wirklich ganz dringend will, kann auf Umwegen den Snap eines Freundes speichern. Macht aber niemand. Statt dessen macht einer aus dem Freundeskreis, den der Ausgangs-Snap irgendwie animiert hat, selbst ein Bildchen und veröffentlicht es. Und so weiter. Lustig, nicht? Einen Digisaurier erinnert das bisweilen sehr an die Steinzeit der Datenfernübertragung, als auch die Mailboxen, über die sich die Pioniere der digitalen Kommunikation sich austauschten, kein Gedächtnis hatten – damals mangels Speicherplatz auf den Servern. Wer einen Thread für die Ewigkeit sichern wollte, musste sich den mühsam aus dem Mailbox-Programm fieseln und über einen Texteditor als Datei auf dem Rechner ablegen.

Die jungen Menschen, die angeblich in Scharen zu Snapchat überlaufen, schätzen – so wollen es uns gewisse Experten weismachen – dieses Vergessen, weil so die Eltern nicht mehr nachlesen und –gucken können, was der/die Sproßin so treibt im bösen Internet. Die Wahrheit ist vermutlich viel pragmatischer: Das Ding dient dem Spaß, und Spaß ist vergänglich. Ernsthaftere Kommunikation findet vorwiegend auf WhatsApp statt.

Storytelling mit Snapchat

Nun ist der Spaß des Vergessens auf Dauer begrenzt, deshalb haben die Snapchat-Leute die Story erfunden. Die bleibt immerhin 24 Stunden erhalten bevor sie im Orkus der digitalen Dunkelheit versinkt. Eine Story ist dabei nichts weiter als eine Kette von Snaps, die zusammengeknüpft wird – immer bezogen auf eine Zeitspanne. Wer ein bisschen von dem drauf hat, was neudeutsch „Storytelling“ heißt, also in der Lage ist, mit Bildern und ganz wenig Text eine Geschichte zu erzählen, kann mit einer Snapchat-Story wirklich beeindruckende Kunstwerke oder Dokumentationen erschaffen.

Das ist der Snapcode von Jimmy Fallon
Das ist der Snapcode von Jimmy Fallon
Und dann gibt es noch den Discover-Kanal, auf dem eine ziemlich große Anzahl ziemlich wichtiger Medien (vor allem natürlich in englischer Sprache) mit einigem Aufwand erzeugte multimediale Stories präsentieren – u.a. Zeitungen vom Kaliber einer New York Times und anderer globaler Leitmedien.
Das größte Problem – wenn man es überhaupt ein Problem nennen will – ist es, Freunde zu finden. Denn innerhalb von Snapchat geht das eigentlich gar nicht; außer auf dem Discover-Kanal. Man muss WISSEN, ob jemand, den man kennt, auch auf Snapchat ist, dann kann man ihn adden. Das geht auch aus dem eigenen Adressbuch im Smartphone, denn jeder User ist über seine Handynummer mit Snapchat verknüpft. Fremde kann man dann adden, wenn sie irgendwie und irgendwo ihren Snapcode publiziert haben. Das ist eine Art QR-Code, den man mit Snapchat selbst scannt, um den Besitzer in die Freundesliste zu kriegen.

Hat man eine hinreichende Anzahl an Freunden, kriegt man ganz ähnlich wie in Twitter oder Facebook eine Timeline mit allen Snaps dieser Personen, in der man durch Wischen blättert; was man nach rechts rausgewischt hat, ist weg. Und zwar für immer. So wird Snapchat zu einem wunderbaren Symbol für die Vergänglichkeit alles Irdischen…

Tipp: Der gute Phillip Steuer hat den ultimativen Snapchat-Guide verzapft und bietet ihn KOSTENLOS als PDF an – da muss man zuschlagen!

[Titelbild: zap2it.com]

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