WMF Vitalis Aroma - der Dampftopf mit der App (Foto: WMF)

Was zur Hölle… wird jetzt auch noch das Kochen digital?

Ja, ja, wir können es schon nicht mehr hören: Die Digitalisierung wird alle Lebensbereiche verändern. Und während der Autor dieser Zeilen die Zwiebeln würfelt und den Speck im Topf auslässt, fragt er sich: Auch beim Kochen? Klare Antwort: Ja. Da muss der Verfasser nur seinen Geräteschrank öffnen, um festzustellen, dass Digitales schon lange da ist. Im konkreten Fall ein digitales Bratenthermometer, das seine Messung per Bluetooth an die Basisstation (und wahlweise an eine App) weitergibt, sowie eine volldigitale Küchenwaage, die sich Rezepte merken kann. Hört sich banal an, ist aber schon Digitalisierung.

Der Thermomix-Effekt

Der legendäre Vorwerk Thermomix TM31 mit seinem digitalen Bedienpult (Foto: Wikimedia)
Der legendäre Vorwerk Thermomix TM31 mit seinem digitalen Bedienpult (Foto: Wikimedia)
Wobei den meisten Familien- und Hobbyköchen der legendäre Thermomix zur Zeit als der Inbegriff der Digitalisierung erscheint. Denn der hat Rezepte als Datensätze gespeichert und führt den Kochoperateur schrittweise durch das Anfertigen eines Gerichtes. Im Vergleich zu anderen Lebensbereiche – zum Beispiel das Autofahren – ist dieser Grad an Digitalisierung läppisch. Es stellt sich allerdings die Frage, was denn im Alltag von Otto Normalverbraucher überhaupt als digitalisiert gelten darf. Die Interpretationen sind unterschiedlich, der kleinste gemeinsame Nenner ist die Vernetzung der Dinge, das sogenannte „Internet der Dinge“ oder „Internet of things“ (IoT). Also fällt der Thermomix trotz seiner Rezept-Chips eigentlich raus. Wäre da nicht seit Kurzem der sogenannte Cook-Key.

Der Cook-Key zum Thermomix TM5 (Foto: Vorwerk)
Der Cook-Key zum Thermomix TM5 (Foto: Vorwerk)
Dabei handelt es sich um einen speziellen Internet-Stick für die Geräte der Baureihe TM5, über den die Kochmaschine per Wlan mit dem Web verbunden wird. Nun möchte ja niemand mit dem Thermomix durch die Gegend surfen – er hätte ja auch weder eine dafür brauchbare Tastatur, noch ein passendes Display. Also verbindet der Cook-Key den Apparat mit dem Server des Herstellers Vorwerk und bietet so den Zugriff auf die Rezeptdatenbank mit dem leicht blöden Namen Cookido. Die kann die Thermomix-Freundin bzw. der Fan für 30 Euro im Jahr abonnieren. Jedes Rezept verfügt über das Guided Cooking, das auch in den geschriebenen und auf Chips gespeicherten Rezepten vorhanden ist. Jeder einzelne Kochschritt wird darin präzise beschrieben – auch, wann der nächste Schritt einzuleiten ist. Das ist dann schon so etwas wie IoT; sehr alltagspraktisch, aber noch einen Hauch altmodisch … weil keine App im Spiel ist.

Kochen mit der App

Der ziemlich unscheinbare WMF Cook Assist (Foto: WMF)
Der ziemlich unscheinbare WMF Cook Assist (Foto: WMF)
Das ist bei dem hier abgebildeten, ziemlich unscheinbaren Teil schon anders. Der WMF Cook Assist wird als Zubehör zum Dampfgarer Vitalis Aroma angeboten, die Idee dazu hatte übrigens Fernsehkoch Johann Lafer. Der schlug vor, ein optionales Innenraum-Thermometer für den Bräter anzubieten. Das inspirierte die WMF-Leute dazu, das Ding mit Bluetooth auszustatten, damit der Cook Assist seine Werte an eine App auf dem Smartphone übertragen kann. Auch das wäre banal, wenn die App nicht als zentrales Element für ein Gericht fungierte. Die Köchin bzw. der Koch wählt sein Rezept, gibt alle Zutaten ein, und die App berechnet die Garzeiten, die dann über das Bluetooth-Ding kontrolliert werden. So langsam wird’s also digital mit dem Kochen.

Auch Fissler bietet digitales Kochen mit dem  vitacontrol-digital-System (Foto: Fissler)
Auch Fissler bietet digitales Kochen mit dem vitacontrol-digital-System (Foto: Fissler)
Natürlich hat auch der Hersteller Fissler, bekannt für sein qualitativ hochwertiges Kochgeschirr, schon Digitales im Angebot. Hier heißt das System vitacontrol digital. Auch hier handelt es sich um einen Dampfkochtopf, der mit dem Smartphone oder Tablet verbunden wird, auf dem die zugehörige Fissler Cooking App läuft. Man sucht sich ein Rezept heraus, und wird dann ebenfalls Schritt für Schritt durch den Kochprozess geleitet – gelungene Gerichte garantiert.

Das digitale Kochen der Zukunft

Der Interactive Cooktop von Bauknecht (Foto: Bauknecht)
Der Interactive Cooktop von Bauknecht (Foto: Bauknecht)
Ob der Interactive Cooktop von Bauknecht in dieser Hinsicht ein Fortschritt ist, lässt sich diskutieren. Jedenfalls haben die Entwickler dieser großen Marke jede Menge Digitales in ein Ceran-Kochfeld integriert – sogar ein kleines Farb-Display findet sich im Bedienbereich. Im Prinzip handelt es sich um eine Art flachen Thermomix, der Rezepte aus dem Netz holen kann, mit dem die Zutaten abgewogen und die Garzeiten kontrolliert werden können. Zudem soll der Interactive Cooktop mit dem Kühlschrank vernetzt sein und so Vorräte kontrollieren und notwendige Einkäufe auslösen kann.

So stellt sich Bauknecht das digitale Kochen der Zukunft vor:

Muss das sein?

Eine Dame, die von sich selbst meint, sie könne nicht kochen, meinte kürzlich: „So kann man den Leuten die Angst vorm Kochen nehmen.“ Da ist etwas dran. Denn Umfragen zeigen, dass die meisten Menschen, die ungern kochen, vor allem Angst davor haben, dass ihre Gerichte nicht gelingen. Darauf setzen ja auch die vielen, vielen Kochkolumnen in den Medien, die oft ein „So gelingt…“ in den Überschriften zu ihren Rezeptvorschlägen haben. Wer aber an Topf und Löffel einigermaßen sicher ist, der braucht das alles nicht. Besonders dann, wenn vorwiegend erprobte Mahlzeiten zubereitet werden. Digitales, angeleitetes Kochen hat aber einen wesentlichen Vorteil: Auch unsichere Köche werden so öfter oder ausschließlich mit frischen Zutaten kochen und auf Convenience-Produkte und den Pizzaboten verzichten. Das ist dann sicher ein Fortschritt.

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