C64 Ultimate: Freak-Kiste oder beste 64er Zeitreise aller Zeiten?

Jürgen hat sein Starlight-Modell ausgepackt. Christian ist skeptisch. Ein Gespräch über LED-Spielereien, Software-Beschaffung und die Frage: Ist das jetzt wirklich der perfekte Retro-Trip – oder doch nur was für Hardcore-Nostalgiker mit zu viel Geld?

Ich weiß nicht genau, wieviel Selbstbeherrschung bei einem absoluten Fanboy und jahrzehntelangem C64 Begleiter und Kenner dazu gehört, sich zurückzuhalten, wenn das lang ersehnte Paket kommt. Das mit dem C64 Ultimate in der Starlight-Edition. Da will man doch sehen, wie es blinkt und leuchtet. Das auspacken zelebrieren und genießen. Tja – hat Jürgen auch gemacht. Aber eben mit Zeiverzögerung. Warum?

Das Paket unter dem Weihnachtsbaum

Drei Tage vor Weihnachten klingelte es bei Jürgen. Der Paketdienst. Endlich. Der C64 Ultimate Starlight Edition war da. Und was macht unser Teilzeit-Digisaurier Jürgen? Er packt ihn NICHT aus. Stattdessen entfernt er nur die weiße Umverpackung und legt die originalverpackte Box unter den Weihnachtsbaum. Für seine Tochter und ihn selbst. Als gemeinsames Projekt.

„Ich habe mich zurückgehalten“, erzählt er mir im Gespräch, und ich höre förmlich, wie schwer ihm das gefallen sein muss. „Es war schwer, ruhig zu bleiben. Aber ich wusste ja schon ein bisschen, was drin sein würde.“ Die YouTube-Schwemme an Unboxing-Videos hatte ihn natürlich nicht kaltgelassen. Weltweit hatten Leute ihre C64 Ultimate ausgepackt und gefilmt. Jürgen hatte natürlich geschaut, wie es den anderen so ging. Aber sein eigenes Gerät blieb zu. Und ich vermute mal: Jedes Unpacking-Video machte es schwerer für ihn, Geduld zu haben.

Unterm Weihnachtsbaum war der Ultimate pünktlich wie geplant. Aber bis zum ersten Einsatz musste er noch etwas warten. Und Jürgen auch…

Dann kam Weihnachten. Und danach? Nichts. Die Zeit fehlte einfach. Die gemeinsame Zeit mit der Tochter vor allem. Denn es sollte ja ein Vater-Tochter-Event werden, das Unpacking. Und klar war immer: Das machen wir nur mit Ruhe und Zeit. Also muss es ein Wochenende sein. Erst Wochen später, Anfang Januar, war es dann wirklich soweit. Das Paket wurde geöffnet. Ich wollte natürlich vor allem eines von Jürgen wissen, als wir unser Interview machten: War das Warten die Sache wert? Also war der Spaß wie gedacht und vor allem – hielt der Ultimate, was die beiden sich davon versprochen hatten?

Warum transparent? Weil er’s noch nicht hatte

Im Video könnt ihr es selber sehen: Das warten hat sich gelohnt. Nocht nur der Starlight leuchtet, sondern auch das Gesicht von Jürgen. Und bei seiner Tochter war es genauso. Apropos Starlight: Warum gerade diese Editon? Das ist ja das Modell mit dem transparenten Gehäuse und der LED-Beleuchtung. Jürgen mochte den sofort. Nicht, weil er unbedingt ein „leuchtendes Spielzeug“ wollte. Sondern weil er eine verpasste Chance nachholen wollte.

„Ich habe schon diverse normale Brotkasten-C64er“, erklärt er mir. Also die in der klassischen C64 Farbe. „Und vor ein, zwei Jahren gab es ja diese Kampagne, wo neue Brotkasten-Gehäuse in verschiedenen Farben hergestellt wurden.“ Er hatte damals verschiedene Farben gekauft. Gelb, Orange, alle möglichen. Aber dann kam als Nachbestellungs-Option noch ein komplett durchsichtiges Gehäuse. „Super schön komplett durchsichtig“, schwärmt er noch heute. Aber er hatte damals NICHT zugeschlagen. Zu viele Gehäuse hatte er schon. Wozu noch eins? Dachte er…

Das hat ihn offenbar bis heute nicht losgelassen, dass er keinen transparenten hat. Als Commodore dann die Starlight Edition ankündigte, war klar: Diesmal gibt es kein Nein. Diesmal holt er sich das transparente Gehäuse. Auch wenn es nicht ganz so glasklar ist wie damals, sondern leicht milchig. „Das ist in dem Fall aber besser so. Denn das leicht milchige ist der Beleuchtung geschuldet“, erklärt Jürgen. „Damit sich das Licht schön verteilt.“

Der Ulitmate Starlight ist milchig transparent – damit entstehen diese Lichteffekte wenn man will

Ich frage ihn: „Also im Grunde eine Trotzreaktion? Weil du’s damals nicht gekauft hast?“ Er lacht. „Kann man so sagen.“ Manchmal sind die ehrlichsten Kaufentscheidungen die einfachsten.

Die LED-Tastatur: Nur Bling-Bling oder echtes Potenzial?

Aber die Beleuchtung hat Jürgen noch aus einem anderen Grund getriggert. Nicht nur, weil’s hübsch aussieht. Sondern weil er glaubt, dass da noch was kommt.

„Es ist davon auszugehen“, sagt er mit dieser Gewissheit, die nur jemand haben kann, der die Szene seit Jahrzehnten kennt, „dass da bei dem Blingboard 64 was zu erwarten ist.“ Blingboard? Die mechanische Tastatur mit ihren vielen RGB‑LEDs wird in der Szene liebevoll „Blingboard 64“ genannt – ein Spitzname, der ziemlich gut trifft, was da im Ultimate leuchtet und blinkt, auch wenn Commodore sie offiziell natürlich einfach als moderne C64‑Tastatur führt.

Jürgen ist sicher: Bei dem „Blingboard“ ist einiges von der Demoszene zu erwarten.

Das Blingboard ist also die mechanische Tastatur, die im Ultimate verbaut ist. Und die verbauten LEDs hier kann man programmieren – also per Software steuern.

„Ich glaube darum ganz sicher“, Jürgen wird jetzt richtig enthusiastisch, „dass die Demoszene da irgendwann Releases bringen wird. Demos, bei denen man auch über die Tastatur Effekte sehen wird. Vielleicht Texte die erscheinen auf der Tastatur oder sonst etwas verrücktes und tolles.“

Ich stelle mir kurz vor, wie bei einer Demo nicht nur der Bildschirm „explodiert“, sondern auch die Tastatur. Laufschriften über die Tasten. Farbspiele synchron zur Musik. Die Demoszene wird das ausreizen. Hundertprozentig. Jürgen nickt. „Was es wird, das weiß man jetzt noch nicht genau. Aber es wird kommen. So sicher wie das 8,1 hinter dem Load…“

Plötzlich ist die LED-Beleuchtung kein Gimmick mehr. Sondern ein Feature, auf das die Community noch wartet. Auch wenn es der eine oder andere vielleicht noch gar nicht ahnt.

Der große Moment: Auspacken

Als Jürgen dann endlich den Karton öffnet, ist er überrascht. Positiv überrascht. Die Verpackung ist hochwertig. Kein billiges China-Zeug, sondern solide Konstruktion. Der Ultimate selbst liegt gut geschützt drin. Drumherum: Kabel, Netzteil, USB-Stick, Handbuch.

„Was ist dabei?“, frage ich ihn. Und Jürgen zählt auf: HDMI‑Kabel. USB‑Kabel. Netzteil. Der USB‑Stick mit einer ganzen Sammlung kuratierter Spieleklassiker, Demos und Musik – alles offiziell lizenziert. Der Clou: Der Stick sieht aus wie eine alte C64‑Kassette und heißt „The Very Second“. Eine liebevolle Anspielung auf die legendäre „The Very First“-Kassette aus den Achtzigern. Natürlich gibt es die Bedienungsanleitung – praktisch wie das Original, ergänzt um zusätzliche Kapitel zum Ultimate. Und natürlich der Ultimate selbst. In Jürgens Fall in diesem durchsichtigen Starlight‑Gehäuse.

Alles drin, alles dran? Jürgen findet nicht nur die Verarbeitung des Ultimate prima, sondern auch das eigentlich alles dabei ist, damit man direkt loslegen kann.

„Reicht das?“, will ich wissen. Jürgen überlegt. „Ein VGA-Kabel für alte Monitore ist nicht dabei. Aber HDMI haben die meisten ja sowieso.“ Er macht eine Pause. „Und wenn du wirklich alte Floppys oder Datasetten nutzen willst, brauchst du zusätzliche Hardware. Aber für den normalen Start? Das hier reicht völlig.“

Ich merke: Hier sprechen zwei verschiedene Welten. Die Welt der Puristen, die ihre alten 5,25-Zoll-Disketten einsetzen wollen. Und die Welt derer, die einfach nur wieder Maniac Mansion zocken wollen. Der Ultimate bedient erstmal die zweite Gruppe. Und das ist völlig okay.

Anschließen: Wirklich Plug & Play?

Jetzt kommt der Test. Wie kompliziert ist es wirklich, das Ding zum Laufen zu bringen? Muss man Handbücher studieren? Konfigurieren? Basteln?

Jürgen lacht. „HDMI-Kabel rein, Strom rein, USB-Stick rein, fertig.“ Wirklich? Wirklich. „Der Ultimate bootet von alleine, du siehst das Commodore-Menü, und kannst direkt loslegen.“

Ich bin ehrlich: Ich hatte anderes erwartet. Doch irgendwelche Jumper setzen. Doch eine Firmware flashen. Letztlich – an die alten C64 Zeiten denkend – ein bisschen Frickelei. Aber nein. Das Ding funktioniert einfach.

„Ist das nicht… langweilig?“, frage ich – zugegeben etwas provokant. Jürgen schüttelt den Kopf. „Nein. Es ist befreiend. Ich hatte genug Frickelei in den 80ern und 90ern. Und auch mit meinen anderen Geräten, die ich selber hergerichtet habe. Heute und vor allem mit dem Starlight will ich einfach spielen und ohne Stress wieder in diese Zeit eintauchen. Darfür ist er perfekt!“ Jürgen strahlt.

Ein klarer Punkt für den Ultimate. Selbst Nicht-Techniker könnten das hinbekommen. Und da ist sie wieder, denke ich. Genau die Zielgruppe, die Commodore hier abholen will. Irgendwie so Leute wie… hmmmm… wie ich?

Der beigelegte USB-Stick: 100+ Programme– reicht das?

Auf dem mitgelieferten USB-Stick sind über 100 Programme. Das klingt erstmal nach viel. Sehr viel sogar. Aber ich will’s schon genauer wissen. Man ist ja geprägt von den CD-ROMS aus der späteren Computerzeit – die, die den Computerzeitschriften beilagen. Die, die mit „600 GB Spielen, Anwendungen und Tools“ auf dem Heftcover angekündigt wurden. Die, die sich dann größtenteils als Ladenhüter was die Programme betrat oder als reine Demoversionen entpuppten. (Wer die Zeit nie erlebt hat, weiß nicht, wovon in spreche… Es war schlimm…)

Dieses erfundene Zeitschriften-Cover der 90iger, soll euch ein Gefühl dafür geben, wie damals CD-ROMs unters Volk gebracht wurden. 600MB Speicher voll mit… Irgendwas. (Symbol-Abbildung KI)

Ein kurzer Ausflug, der Euch vielleicht erklärt, warum ich anfangs bei dem Stick den Commodore beilegt eher etwas skeptisch war: Solche CDs – wie oben auf dem symbolhaften Bild einer erfundenen PC-Zeitschrift der 90iger – lagen in den Computerjahren Mitte bis Ende 1990 vielen Zeitschriften bei. Angepriesen so, wie Ihr es hier seht. Die Wahrheit: Es war nicht nur toll, was man da bekam.. Ab 2002 verschwanden diese CD-ROM Beigaben, weil Breitband Internet sie überflüssig machte. Kein Verlust. Und darum sind Menschen meiner Generation eher vorsichtig, wenn es heißt: Wir haben da einen USB Stick mit toller Software drauf für Dich…

„Alos ganz ehrlich Jürgen: Was ist da wirklich drauf? Kram den damals schon keiner wollte?“, bohre ich nach. Und denke an die CD-ROMs der späteren Computerjahre. Jürgen zuckt mit den Schultern. „Nein, gar nicht. Es ist eine spannende und gute Mischung. Das ist wirklich kuratiertes Zeug. Nicht irgendwas zusammengesammeltes.“

„Und reicht das?“, frage ich weiter. „Oder brauche ich mehr, damit ich wirklich die Zeitreise machen kann?“

Jürgen ist so, wie ich ihn kennengelernt habe in diesen Talks: Ehrlich. „Das kommt darauf an. Wenn du gezielt bestimmte Spiele suchst – Summer Games, Winter Games, die großen Epyx-Titel – dann sind die vielleicht nicht dabei. Copyright-Probleme eben. Aber für den Einstieg? Absolut ausreichend. Du kannst Wochen damit verbringen.“

Ich hake nach: „Aber was ist, wenn ich MEINE Lieblingsspiele will?“ Jürgen nickt. „Dann musst du sie dir woanders besorgen. Und da wird’s etwas komplexer.“

Software beschaffen: Wo ist die Grenze?

Hier wird das Gespräch – ich gebe es zu – für den Neuling etwas kompliziert. Denn die Frage, wo man legal Software für den C64 herbekommt, ist… nuanciert. Jürgen seufzt, als ich das Thema anspreche.

„Es gibt den CommoServe“, erklärt er. Das ist ein Online-Dienst von Commodore selbst. Man kann mit dem Ultimate direkt darauf zugreifen – per LAN oder WLAN. Denn das hat der Ultimate natürlich eingebaut. Allein der Gedanke, mit dem 64er auf das Netz zuzugreifen ist schon ein wenig verrückt, oder? Ganz ehrlich: der gute alte Brotkasten wusste ja noch nicht mal, das sowas wie das Internet mal existieren würde. Und wir Nutzer auch nicht. Egal – jetzt geht es. Und dort – also bei CommoServe – kann man nach Spielen, Demos und Tools suchen und sie direkt herunterladen. „Das ist definitiv die sicherste und legalste Variante“, sagt Jürgen. „Derzeit kostenfrei. Ob das jemals etwas kosten wird, weiß man noch nicht. Aber jetzt ist es auf jeden Fall erstmal kostenlos.“

Der Downloadbereich bei Commodore bietet für registrierte User auch allerhand Software für den 64er. Derzeit noch kostenlos (Stand März 2026)

„Und das reicht dann?“, wiederhole ich meine Frage. Jürgen zögert. „Für viele Sachen ja. Aber einige der ganz großen Hits fehlen teilweise noch. Wie gesagt: Copyright-Probleme.“

Und damit kommen wir in die Grauzone. Es gibt Archive-Projekte im Netz. Webseiten, die seit Jahren C64-Software sammeln. Oft Spiele, deren Hersteller längst pleite sind. Verwaiste Software. Niemand verdient mehr Geld damit. Aber rechtlich? Unklar.

„Ich bin kein Rechtsanwalt“, sagt Jürgen vorsichtig, „aber in all den Jahren, die ich die Szene verfolge, habe ich noch nie erlebt, dass irgendeine Firma deswegen geklagt hat. Emulatoren gibt es seit Jahrzehnten. Die Software wird überall geteilt. Und bisher hat sich niemand beschwert.“

Ich verstehe: Wo kein Kläger, da kein Richter. Aber mit dem neuen Ultimate könnte sich das ändern. Wenn plötzlich wieder mehr Leute C64-Software nutzen, könnten Rechteinhaber aufmerksam werden. Oder auch nicht. Wir werden sehen.

Jürgens Rat: „Halte dich an den CommoServe. Und wenn du mehr willst, sei dir bewusst, dass du dich in einer rechtlichen Grauzone bewegst. Auch wenn bisher noch keiner dafür belangt worden ist.“

Alte Medien: Die romantische Idee vs. die Realität

Und dann kommt meine persönliche Lieblingsfrage. Die Frage, die mich seit Jahren umtreibt: „Kann ich meine alten Disketten noch nutzen? Oder meine Datasette?“

Jürgen lächelt. Das ist das Lächeln von jemandem, der weiß, dass die Antwort komplexer wird.

„Theoretisch ja“, sagt er. „Praktisch: Es ist aufwendig.“ Um alte Floppies zu nutzen, braucht man ein echtes 1541-Laufwerk. Oder ein modernes Nachfolgemodell. Das muss man am Ultimate anschließen. Geht. Funktioniert. Aber es ist im Zweifelsfall nicht einfach Plug & Play.

Hannes, Christian und das C64 Buch - am Stand vom Vogel-Verlag
Hannes, Christian und das C64 Buch – am Stand vom Vogel-Verlag – wir mussten damals die Daten noch per Datasette und dann später via 1541 Floppy Disk in den Computer laden. Online? Gab es noch nicht…

„Und die Datasette?“, frage ich – auch wenn ich in Wahrheit froh bin, dass es das alte Ding mit seinen ewigen Ladezeiten nicht mehr braucht. Jürgen schüttelt den Kopf. „Schon. Aber brauchst dann ein echtes Tape-Laufwerk. Und die Kassetten sind oft nach 40 Jahren hin. Magnetbänder altern nicht gut.“

Ich bin sicher, bei dem einen oder anderen löst sich jetzt die Nostalgie-Illusion auf. Diese romantische Vorstellung, die alten Spiele-Kassetten von 1987 einfach einzulegen und loszulegen – sie stirbt einen leisen Tod. Ist das schlimm?

Jürgen denkt wohl das gleiche und ergänzt etwas sanfter: „Aber weißt du was? Die Spiele, die auf deinen alten Kassetten waren, findest du als Image-Datei im Netz. In besserer Qualität. Ohne Ladezeiten und Lade-Ärger. Und ohne das Risiko, dass die Kassette beim dritten Laden reißt oder Bandsalat produziert.“

Bandsalat – fast verdrängt das Wort. Aber das gab es schon bei Musikkassetten. Besonders im Auto. Aber wer den Zusammenhang zwischen Audiocasette und Bleistift nicht kennt, wird sich das nicht vorstellen können. Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden…

„Du meinst, du kannst das Feeling haben beim Ultimate ohne den Ärger?“, frage ich erstaunt.

„Genau. Das kannst du simulieren“, sagt Jürgen mit einem Grinsen. „Es gibt sogar Sound-Effekte im Ultimate-Menü. Du kannst dir das Datasetten-Geräusch abspielen lassen, wenn du willst.“ Ich weiß nicht, ob ich lachen oder weinen soll. Auf was für Ideen die beim neuen Commodore kommen…

Das Menüsystem: Moderne Oberfläche, alte Seele

Kommen wir zu etwas Handfesterem: dem Bedienkonzept. Beim alten 64ger erschien ein blauer Bildschirm der blinkte und man musste einen Befehl eingeben. Wie ist das bei seinem Ur-Ur-Ur-Enkel? Der Ultimate bootet in ein modernes Menü. Graphisch aufgeräumt. Übersichtlich. Man navigiert durch die Optionen.

„Wie intuitiv ist das?“, frage ich. Jürgen überlegt. „Wenn du mit Menüs umgehen kannst – und wer kann das heute nicht – dann ist es einfach. Du siehst deine Spiele, deine Programme, kannst die Einstellungen ändern. Alles schön visualisiert.“

Ich denke an die alten Zeiten zurück. An kryptische Kommandozeilen. An „LOAD „$“,8″ und „LIST“. An das stundenlange Suchen in Magazin-Listings nach dem einen vergessenen POKE-Befehl. Das hier? Das ist Luxus.

„Und das Speichern?“, frage ich weiter. „Wie funktioniert das?“ Jürgen erklärt es mir: Einfach Spiel starten. Du kannst ein Pause-Menü aufrufen, den Speicherstand sichern. Auf dem USB-Stick. Jederzeit abrufbar. Save States, wie man sie von Emulatoren kennt. Das kennen Original-Anwender eher nicht…

Das „moderne“ Menü des C64 Ultimate

„Das hätten wir 1987 gebraucht“, sage ich. Jürgen nickt. „Manche Spiele waren brutal schwer. Ein falscher Sprung in und du fängst von vorne an. Stunden verloren.“ Heute? Quicksave, Quickload. Die Zukunft ist gnädiger als die Vergangenheit. Auch das lerne ich bei unserem Streifzug durch den C64 Ultimate.

Die Frage aller Fragen: Für wen ist das Ding eigentlich wirklich das Ding?

Wir kommen zum Kern. Für wen ist das was? Für wen nicht? Mehrere Hundert Euro, je nach Modell. Das ist nicht nichts. Das ist eine Investition. Also: Für wen lohnt sich der C64 Ultimate wirklich?

Jürgen wird nachdenklich. „Für Leute wie mich manchmal und Dich eigentlich immer“, sagt er schließlich. „Leute damals dabei waren. Die den C64 als Kind oder Jugendlicher hatten. Die diese Zeit noch einmal spüren wollen, aber keine Lust mehr auf Bastelei haben. Oder die Bastler, die trotzdem manchmal einfach nur das Gerät am Fernseher anstecken wollen und nutzen. Alleine. Mit Freunden. Oder wie ich mit der Familie. Ohne Angst zu haben einen alten Original Rechner zu verlieren, weil das Netzteil Mist baut…“

Ich verstehe: Es ist nicht nur für komplette Neulinge. Es ist nicht nur für Gaming-Puristen. Es ist für Nostalgiker denen das Geld wert ist. Für Leute, die bereit sind, für Erinnerungen zu zahlen.

„Aber“, Jürgen hebt den Finger, „es ist auch für Leute, die die Szene neu entdecken wollen. Die vielleicht von Freunden gehört haben, wie cool der C64 war. Die es nie selbst hatten, aber neugierig sind. Das habe ich genauso mehrfach erlebt.“

Und dann wird Jürgen sehr realistisch: „Wer nur spielen will, für den reicht ein Emulator. Kostenlos, auf jedem PC. Aber wer das Gefühl will? Das Gehäuse anfassen. Die Tastatur klacken hören. Mit Freunden am echten Gerät sitzen? Der braucht den Ultimate.“

Ich frage zurück: „Also Freak-Kiste oder Zeitreise?“ Jürgen lacht. „Beides. Es ist eine Freak-Kiste für Zeitreisende. Und eine Zeitmaschine für Freaks.“

Fazit: Verdammt nah dran

Nach unserem Gespräch bin ich… überrascht. Ich hatte erwartet, dass Jürgen das Ding bedingungslos liebt. Als Ultimate-Fan der ersten Stunde. Stattdessen höre ich differenzierte Kritik. Lob für das, was funktioniert. Ehrliche Aussagen über das, was wirklich davon zu erwarten ist.

Der C64 Ultimate ist verdammt nah dran an der perfekten Retro-Zeitreise. Er ist einfach zu bedienen. Er sieht gut aus. Er funktioniert ohne Bastelei. Die Community ist riesig. Die Zukunft (Demoszene-Support, LED-Programmierung, weiterer Content) sieht vielversprechend aus.

Aber er ist nicht perfekt für alle. Die Software-Beschaffung bleibt eine Grauzone. Alte Medien zu nutzen ist kompliziert. Und der Preis ist dennoch hoch für ein normales Budget. Und doch wieder in Ordnung für alle die das nochmal einfach erleben wollen. Einfach im wahrsten Sinne des Wortes.

Würde ich ihn kaufen? Ich weiß es ehrlich gesagt noch nicht. Ich bin auch Pragmatiker. Vielleicht zu sehr jemand, der denkt: „Ein Emulator tut’s doch auch.“ Aber wird das so bleiben? Wir Jürgen es schaffen mich in den folgenden Gesprächen doch zu überzeugen?

Und Jürgen? Der isteh schon glücklich. Und das sehe ich ihm an, auch wenn wir nur reden. Für ihn ist der Ultimate mehr als ein Spielzeug. Er ist ein Stück Heimat. Ein Brückenschlag zwischen 1987 und 2026. Zwischen dem Jungen, der damals vor dem Brotkasten saß, und dem Erwachsenen, der heute seine Tochter an dieselbe Magie heranführen will.

Und wisst ihr was? Vielleicht ist das die beste Antwort auf die Frage: Freak-Kiste oder Zeitreise? Vielleicht ist es einfach beides. Und vielleicht ist genau das okay.

Kennt Ihr schon Folge 1, dieser Serie?

In der nächsten Folge werden wir darüber sprechen, warum der Ultimate kein Emulator ist – sondern in gewisser Weise echter als das Original. Oder wie Jürgen es formuliert: „Er singt nicht nur wie Elvis. Er IST Elvis.“ Was er damit meint? Das verraten wir beim nächsten Mal.

Und jetzt ihr: Wer von euch hat sich einen Ultimate geholt? Oder überlegt noch? Seid ihr Team Freak-Kiste oder Team Zeitreise? Schreibt’s in die Kommentare – wir sind gespannt auf eure Geschichten!

Wer mehr über die Entstehungsgeschichte des C64 Ultimate erfahren will, sollte sich unser erstes Video dazu ansehen oder Teil 1 unserer Serie lesen….

Hier könnt ihr das Video zum Artikel anschauen – und wir freuen uns über ein Abo auf unserem Youtube Kanal.

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