Rund 30 Jahre später (ich überarbeite diesen Text im Sommer 2026) und hundertausende Youtube und Social-Media Klicks später muss ich sagen: Dieser ZDF Morgenmagazin-Auftritt wird mich überleben. Aber ich steh dazu… Und der Kollege Michael Hölting, damals wollte wirklich wissen, was das Internet ist und ob er sich „Zugang dazu verschaffen sollte…“ Klar, hab ich irgendwie „Ja – solltest Du…“ gesagt. Aber ehrlicherweise auch nur bedingt gewusst warum. Und warum er mich genau das vor der Kamera fragte hat er mir auch erst Jahre später verraten. Aber lest selbst… Die Geschichte hinter diesem Auftritt und meine Überlegung, was passiert wäre, wenn ich damals die Wahrheit was daraus wird gewusst und gesagt hätte…
Ein kleiner Hinweis: Dieser Artikel erschien im Jahr 2014 zum ersten Mal, wurde dann überarbeitet und dann im Sommer 2026 nochmal komplett überarbeitet und ergänzt.
Im Sommer 2017 habe ich dann – aufgrund der Sendung „Wir lieben Fernsehen“ in der natürlich auch dieser Ausschnitt gezeigt wurde – an einem weiteren Artikel geschrieben, wo es darum geht, wie ich überhaupt in diese eigenartige Situation dass ich im ZDF auf diese Frage – noch dazu vor großer Öffentlichkeit – antworten sollte geraten bin. Der Artikel beschreibt, wie ich zum „Experten“ des ZDF MoMa wurde ist weiter unten verlinkt.
Das Video mit Grinse-Garantie
Hier erstmal das Video das den Anlass für diesen Text ist und das – soweit ich das wahrnehme – seit vielen Jahren zu vermutlich Millionen grinsenden Gesichtern führt. Grinsen natürlich nur von denen, die das sehen und nicht selber damals vor der Kamera stehen mussten. Denn mir war erstmal gar nicht zum grinsen zumute ;-) Weder bei dem Auftritt noch als ich denn einige Jahre später erlebte wie das Video immer und immer wieder irgendwo auftauchte. Wie es auf unzähligen Youtube und Social Media Kanälen in verschiedenen Qualitäten auftauchte – und ich als „Experte“ mittendrin. Und jetzt im Sommer 2026 – sozusagen zum 30igsten – auch sogar vom ZDF auf Facebook als digitales Fundstück geteilt wurde. Hier verlinkt ist eine der unzähligen Fundstellen. Und finden kann es jeder, wenn man eingibt „ZDF Internet 1996 Morgenmagazin“ Wahlweise kann man Spanik ergänzen. Aber ihr findet es eigentlich auch so. Der Spaß beginnt schon mit der Frage von Michael: „Christian, was ist eigentlich dieses Internet und lohnt es sich mir Zugang dazu zu verschaffen…“ Wer die Frage heute hört, der muss natürlich lachen. Aber meine Antworten… Naja… seufz…
Computer & Moma – die Geschichten dahinter
Ich habe ja versprochen ein paar Insider-Geschichten zu diesem denkwürdigen Auftritt zu erzählen. Bitteschön.
Erstmal muss man sagen: Michael war der erste Redakteur mit dem ich zusammen beim ZDF-MoMa vor der Kamera stand und wo ich den IT-Erklärer gab. Mehr dazu wie es eigentlich dazu kam, findet sich wie gesagt in dieser Digisaurier-Geschichte, die hier verlinkt ist.
Computer und MoMa – das war damals ein Ritual. Das heisst: Wir trafen uns – nachdem erstmal klar war, dass es eine Computerecke im Wirtschaftsteil des Morgenmagazins geben sollte – einmal im Monat im Studio in Berlin oder auch – später dann – auf Messen oder via Aussenschalte von anderen Orten. Wir wurden dann per Ü-Wagen ins Studio in Berlin geschaltet. Zahlreichte Kollegen wären hier zu nennen, die mit mir die Auftritte machten – eine kleine Auswahl will ich nennen. Anfangs waren es immer nur die „Wirtschaftskollegen“ (wie Michael Hölting, Stephanie Barrett und andere) aber in den Jahren danach auch immer mal wieder die klassischen MoMa Moderatoren wie Maybritt Illner, Bettina Schausten, Peter Frey, Cherno Jobatey und viele andere, die eben durch das Gesamtprogramm führten. Aber zurück zu Michael Hölting und der kleinen Falle die er mir sozusagen stellte mit seiner Frage.
Warum wollte der Kollege das eigentlich wissen?
Los ging alles ganz harmlos. Wir hatten telefonisch eine Vorbesprechung, was wir als nächstes Thema machen wollten im MoMa-Auftritt und in der damaligen Zeit war eigentlich ein Thema das offenbar die Leute bewegte „Dieses Internet…“ Der eine oder andere wollte das alle drin sind, um damit die Möglichkeiten voll auszuschöpfen. Und wieder andere waren sicher, dass „…das wieder weggeht…“
„Ja im Grunde musst Du nur ein paar Beispiele sagen, was man so mit diesem Internet macht und was man da so finden kann. Also EMail, dieses WWW-Ding und so…“ erklärte mir Michael am Telefon. Und genauso bereitete ich das auch vor. Womit ich nicht gerechnet hatte und was mich erstmal kurz aus der Bahn brachte, war die spezielle Formulierung die Michael wählte.
Die wörtliche Frage „Was ist dieses Internet und sollte ich mir Zugang dazu verschaffen“ war nämlich kein Zufall. Sie hatte tatsächlich einen sehr speziellen Hintergrund, der auch erklärt warum der eigentlich rhetorisch sehr gute Kollege Hölting das so eigenartig formulierte… „Zugang dazu verschaffen…“

Verraten hat er mir das aber erst viele Jahre später bei einem Kaffee im ZDF unter den Linden. Die Kollegen von der Morgenmagazin Wirtschaft wollten nämlich so einen Internet-Zugang. Aber der wurde ihnen vom ZDF verwehrt. Und zwar mit der Frage: „Warum braucht ihr dazu überhaupt Zugang und warum sollen wir Geld dafür ausgeben…“ Da war das drollige Wort: Zugang…
Wer genau der Wirtschaftsredaktion damals diese Frage gestellt hat, hat mir Michael nie verraten. Ich vermute mal es kam aus der Verwaltung des Senders. Aber weil er nun mal eine gute Antwort auf diese Frage suchte, beschloss er einfach mir das im On – als während der Livesendung – spontan als Frage mitzugeben.
Seine Gedankengänge waren klar: „Entweder hätten die Kollegen die nein gesagt haben, das gesehen, gut gefunden und doch zugesagt. Oder ich hätte versucht mit Deinen Argumenten den Zugang eben doch für die Redaktion Wirtschaft zu kriegen.“ erzählte er mir grinsend im Cafe.
Was kam raus? Erstmal dieser denkwürdige Auftritt. Tatsächlich aber auch ein halbes Jahr später eine Genehmigung für den Internet-Zugang für die Wirtschaftsredaktion. Ob nun wegen oder trotz meines Auftritts? Wir werden es nie erfahren. Aber so entstand dieser TV-Schnippsel, der bis heute immer und immer wieder auf irgendwelchen Netzwerken gepostet und geteilt wird. Eben mein digitaler Grabstein ;-)
Aber keine Sorge – noch geht es mir ganz gut. Die Notwendigkeit einen Monitor in eine Grabstein einzufügen ist erstmal noch nicht da. Aber geht sicher. Oder eine Brille die das in Virutal-Realtiy über dem Grabsteint erscheinen lässt? Auf einem Retro-Fernseher… Tja man weiß es nicht. Denn Vorhersagen sind schwer. Vor allem wenn sie die Zukunft betreffen ;-) Das wiederum weiß ich selber. Aber lasst uns zum Schluß noch ein Gedankenspiel wagen. Was wäre gewesen, wenn ich gesagt hätte wie es heute (30 Jahre später!) wirklich ist?
Was wäre passiert wenn ich die heutige Realität vorhergesagt hätte…
Klar – hätte ich beschrieben, wie es heute ist, hätten viel weniger Leute was zu lachen gehabt… Aber dazu hätte ich erstmal die Wahrheit, um sie zu sagen, wissen oder auch nur ahnen müssen. Hab ich aber nicht. Aber stellt euch mal ungefähr folgende Antwort vor:
„Das Internet, wird das Weltwissen revolutioneren. Es wird so wichtig sein, dass wir es mithilfe von kleinen Apparaten in unseren Hosentaschen immer dabei haben werden. Es wird die Wende in der Energiepolitik überhaupt erst möglich machen. Es wird die Mobiliät erhöhen und die Verkehrsströme besser leiten… Achja: und kleine Katzen die komische Dinge machen werden toll berühmt werden dadurch…“
hat Christian Spanik,
ZDF Morgenmagazin Computer-Experte 1996 nicht gesagt
Ne – hab ich nicht gesagt! Aber hätte ich es gesagt, auch nur angedeutet: ich wäre nicht nur nie wieder im ZDF-Morgenmagazin aufgetreten. Die hätten mich in einer sehr engen Jacke in ein sehr gepolstertes Zimmer gebracht. Garantiert.
Zu meiner Ehrenrettung sei erwähnt: zu diesem Zeitpunkt war ich zwar bereits einige Jahre lang als Moderator von „Neues… die Computershow“ unterwegs. Aber was da noch kommen sollte, war völlig unvorhersehbar. Und damals mussten die Kollegen im Sender noch mehr dazu gezwungen werden, eine Computersendung zu machen. Alles andere war viiiiel cooler… Erst einige Jahre später waren alle „…drin“ und plötzlich war das Interesse bei den Computersendungen mitzuarbeiten quer durch 3Sat und ZDF deutlich erhöht. Schließlich hatten fast alle einen… Oder zwei… Aber das ist eine andere Geschichte.
Und was ich wohl auch hätte sagen müssen: Und dieses Internet wird auch viel Schaden anrichten, Demokratie in schweres Wasser bringen und dafür sorgen, dass Menschen sich in ganz eigenen Welten abschotten, die sie nur mit Menschen teilen, die genauso denken. Das haben wir damals auch nicht gedacht oder geahnt. Wir dachten dieses Internet wird nicht wieder weg gehen. Aber es wird die Welt besser, freundlicher und demokratischer machen. Hat leider nicht so ganz geklappt. Einer der Gründe warum wir hier auch Digisaurier machen und versuchen aktuelle Techniken und Entwicklungen mit diesem Wissen der Vergangenheit und dem Erleben dieser Zeit machen. Um unseren kleinen Beitrag dazu zu leisten, das ganze zumindest ein wenig wieder zu „reparieren“…
Der digitale Grabstein – das Internet vergisst nicht…
Man kann es drehen und wenden wie man will. Dieser Auftritt im Morgenmagazin, die Kombination aus Frage und Antwort, haben dafür gesorgt, dass ich diese Geschichte nie mehr loswerde. Und – wie schon gesagt – sie wird mich ziemlich sicher als digitaler Grabstein überleben.
Andererseits und ehrlich gesagt: anfangs hat es mich geärgert, als das Ding wieder ausgegraben wurde. Jetzt finde ich: das ist gut so. Wann immer nämlich heute irgendein Kollege im Fernsehen erzählt, dass irgendwas technologisches in Zukunft kommen wird (und ich bin in meiner Digisaurier-Art skeptisch) dann schau ich mir diesen Auftritt an. Und dann wird mir klar: Prognosen bleiben schwierig. Vor allem wenn sie die Zukunft betreffen.
Aber irgendeine Idee wozu was gut ist, müssen wir haben. Was dann draus wird, wird man sehen. Nur weggucken und nicht drüber nachdenken – das sollten wir nicht. Wir sind es, die die Zukunft gestalten. Mit den Werkzeugen die damals Internet und heute KI gestalten. Diese Verantwortung sollten wir nicht vergessen.
Ein paar MoMa Erinnerungen im Video
Und wer schon jetzt ein paar Erinnerungen an meine MoMa Zeit sehen will, dem sei diese schon ältere Digisaurier-Sendung auf Youtube empfohlen: mit vielen Erinnerungen an das MoMa anlässlich des 25igsten Geburtstag, den ich mit den Kollegen in Berlin feiern durfte. Zum dreißigsten Jubiläum in diesem Jahr – also 2026 – dieses denkwürdigen Auftritts bereite ich aber auch eine neue Sondersendung auf dem Digisaurier Youtube Kanal vor. Also am besten abonnieren…

Deine Krawatte war/ist toll; ich habe die Gleiche, wenn ich sie trage, gibt´s immer Menschen, die mich nach der Uhrzeit fragen, mich darauf aufmerksam machen, das ich die falsche Zeit hätte und und und: also ein toller Kommunikationsanbahner….
Oh ja – den Hinweis und die Frage kenne ich auch ;-) Oft wurde ich auch gefragt: ist das mit der Batterie dran nicht schwer, weil alle dachten die Uhr läuft ;-)
> Die Notwendigkeit einen Monitor in eine Grabstein einzufügen ist erstmal noch nicht da. Aber geht sicher. Oder eine Brille die das in Virutal-Realtiy über dem Grabsteint erscheinen lässt?
Einfach einen QR-Code zum YouTube-Video. – Im ernst: Wieso nicht?
Ich fand es übrigens der Zeit und den Umständen entsprechend OK. Statt grinsen zu müssen, bekam ich ein eher wehmütiges „Das waren noch Zeiten …“-Gefühl.
Kann ich verstehen – ich bin um ehrlich zu sein auch immer hin und her gerissen, was das Gefühl für diese Zeit betrifft. Einerseits war sie großartig, andererseits haben wir den Grundstein für manches gelegt, was wir heute bedauern…
Würdest du diese Sachen ungeschehen machen, wenn du es könntest?
Wer wärst du heute, wenn du die Erfahrungen nicht gemacht und daraus gelernt hättest?