Ich stehe im nahendem Sturm. Sozusagen Wörtlich. Die dunklen Wolken hängen an diesem Samstagabend Ende Mai schon tief über unseren Hügeln, der Wind pfeift schon hörbar um die Ecken, und ich filme trotzdem eine Anmoderation im Freien – weil das Wetter gerade so schön zum Thema passt. Denn der Sturm, über den wir in dieser besonderen Sendung reden, ist kein meteorologisches Phänomen. Er ist digital. Und er fegt gerade mit beachtlicher Wucht durch das gesamte Internet. Es geht um die Zukunft von Digisaurier und vielen anderen Inhalte-Anbietern im Netz. Guten und schlechten.
Die Frage, die ich an diesem Abend in unserem Digisaurier-Studio gestellt habe – und die mich ehrlich gesagt schon seit Monaten und nun ganz intensiv seit ein paar Wochen beschäftigt – lautet: Wird es Digisaurier in zwölf Monaten noch geben?

Bevor jetzt alle in Panik verfallen: Das ist kein Abschiedsbrief. Auch kein Clickbait. Es ist ein ehrlicher Lagebericht. Und weil wir einmal im Jahr mit euch reden über das, was war, was ist und was kommen soll, war das der richtige Moment, um auch mal hinter die Kulissen zu schauen – und zwar wirklich hinter die Kulissen.

Vom Telefonbuch zum Agenten: Was Google gerade ankündigt
Es war vor anderthalb Jahren, bei einer unserer kleinen Strategie-Sitzungen – wir sind ja ein sehr kleines Team, größtenteils ehrenamtlich – da habe ich etwas gesagt, das meine Kollegen damals ein bisschen ungläubig aufgenommen haben. Ich sagte: „Google wird, da bin ich mir sicher, Inhalte fix und fertig ausspielen wie eine fertige Webseite – mit Text, mit Bild, mit Video, mit allem.“ Und zwar bezogen konkret auf eine einzelne, individuelle Nutzeranfrage. Anders gesagt: Man bekommt seine persönliche Webseite für jedes Thema.
Die Google I/O 2026 hat das jetzt bestätigt und – wenn auch derzeit noch in Demos – vorgeführt. Und das Tempo, mit dem das alles kam, war selbst für Profis erschreckend. Wer sich die Konferenz ansieht, sollte nicht nur auf die Demos achten, sondern auf die Gesichter im Publikum. Das war eine Entwicklerkonferenz, also kein Endanwender-Event, kein Marketing-Spektakel für begeisterungsfähige Erstnutzer – das waren Fachleute. Und in deren Gesichtern konnte man ablesen: Da haben Leute etwas gesehen, das sie tatsächlich beschäftigt. Sie nachdenklich macht und vermutlich den einen oder anderen Programmierer oder Inhalteanbieter sehr nachdenklich nach Hause gehen lässt. Schaut es Euch einfach mal an. Hier der Link zur Youtube Fassung der I/O26. Achtung: Alles in englisch. Aber ich denke gut verständlich.
Alle anderen können hier weiterlesen – da geht es eben vor allem darum, was die Trends (nicht nur von Google) der letzten 12 Monate für Inhalte-Anbieter bedeuten. Und was das für unser Angebot für Euch bei Digisaurier bedeutet. Ich erkläre auch warum ich zum Beispiel denke, dass das Buzzword vieler Inhalte-Anbieter vom „Liquid Content“ nicht die Lösung dieser Herausforderungen ist. Aber: Der Reihe nach.
Was Google auf der I/O26 zeigte, nennt sich offiziell nicht „Webseite“ – die nennen es Dashboard. Das ist natürlich klug, denn „wir bauen jetzt Webseiten“ wäre eine Ansage, die sofort für Proteste gesorgt hätte. Aber de facto: Wer bei Google eine Frage eingibt – am besten in Frageform – kriegt eine zugeschnittene Antwort mit Text, Grafiken, Videos, manchmal sogar interaktiven Elementen. Fertig. Aufbereitet. Für genau diesen Moment, diese Frage, diesen Nutzer. Und ich rede jetzt nicht von der KI-Zusammenfassung die wir alle schon kennen, und die vielen Inhalteanbietern in den letzten Monaten ernsthaft Kopfzerbrechen bereitet hat – einfach weil der Traffic auf deren Seiten massiv eingebrochen ist, weil die KI Zusammenfassung vielen Nutzern schon alles gezeigt und gesagt hast, was die wissen wollten. Und die darum gar nicht mehr auf Links klickten. Das ist sozusagen die kleine Vorstufe gewesen. Was man bei der I/O26 sehen konne war: Eine Anfragen liefert konkret ein komplettes Paket an Information direkt bei Google. Aufbereitet und ergänzt und multimedial.

Das Demo-Beispiel, das ich nicht mehr aus dem Kopf bekomme: Jemand fragt nach schwarzen Löchern. Er kriegt keine Liste mit blauen Links, sondern eine vollständige Erklärung – mit einer Animation, die zeigt, wie ein schwarzes Loch sich verhält. Und diese Animation konnte man sogar beeinflussen. Man kann einstellen, wie groß die umgebenden Planeten sind, wie zwei schwarze Löcher sich gegenseitig beeinflussen. Mit einem Regler.
Ich höre da schon meinen Freund Martin sagen: „Ja, aber die macht doch Fehler, die KI.“ Stimmt. Aber die Fehler werden weniger. Nicht weil das Large Language Model an sich plötzlich fehlerfrei wird – daran zweifle ich auch – sondern weil es ergänzende Technologien gibt, spezialisierte, lokale Ansätze. Martin hat es selbst erwähnt, als wir uns an dem Tag noch vorher unterhalten haben: Wer kann und will, baut sich heute zum Beispiel eine lokale KI mit einem mittelgroßen Rechner und hat damit Zugriff auf eigene Daten in besserer Qualität. Das ist nicht Science-Fiction, das ist heute möglich. Und natürlich wird an anderen KI Grundkonzepten geforscht und gearbeitet, die weg gehen von den großen und immer größer werdenden Universal-Modellen.
Was ich selbst an Ostern gelernt habe
Ich bin ehrlich: Ich bin kein KI-Skeptiker. Ich bin auch kein unkritischer Enthusiast. Ich bin – und das ist das Ehrlichste, was ich sagen kann – hin- und hergerissen zwischen gruselig und großartig.
Ostern dieses Jahres habe ich damit zugebracht, das Digisaurier-Magazin „Zeitreise Apple“ zu gestalten. Ich hatte keine Ahnung von InDesign. Keine. Null. Nada. Nix! Aber ich habe Freunde und Wegbegleitet: Wie die liebe Petra – sie setzt seit Jahrzehnten Bücher und Zeitschriften und weiß, wie das geht. Sie hat mir geholfen und vor allem am Schluss nochmal drüber geguckt, ob ich da wirklich etwas druckfähiges produziert hatte. Aber ich konnte sie ja nicht rund um die Uhr anrufen, erst recht nicht an den Feiertagen. Und ich musste fertig werden, damit aus dieser spontanen Idee des Print-Magazins in limitierter Auflage, handsigniert für die Veranstaltung in Oldenburg auch was wird. Und was habe ich gemacht? Genau: KI und Suchmaschinen mit KI Ergebnissen genutzt.

War immer alles richtig? Nein. KI hat mir zum Beispiel einmal erklärt, wie ich in InDesign eine spezielle Sache mache, die ich gerne nutzen wollte – aber die Erklärung war leider für eine ältere Version. „So ein M… das stimmt doch gar nicht!“, fluchte ich natürlich. Und das nicht nur einmal während der Tage. In diesem Fall, war die Funktion die ich brauchte in der aktuellen Version mittlerweile woanders. Und ja – das kam öfter vor, weil die KI schnell mit der ersten Fundstelle zufrieden war und auf der Basis die Erklärung aufbaute. Das habe ich dann entweder selbst bemerkt und korrigiert. Oder – wenn ich gar nicht dahinterkam – einfach nochmal nachgefragt – bei der KI. Kann man. Und muss man. Menschliche Unterstützung hin, KI-Fehler her: Ohne diese beiden Komponenten – Mensch und KI – hätte ich das Magazin über Ostern schlicht nicht fertig bekommen.

Mein C64 Ultimate und ich machen eine Zeitreise – dank KI
In Sachen C64 Ultimate machte ich eine ähnliche Erfahrung. In dem Fall ging es um ein C64-BASIC-Programm, das Hannes damals als Jugendlicher geschrieben hat – ein Punkt, der über den Bildschirm hüpfte und dabei einen Ball simulierte. Simpel, aber damals Hannes ganzer Stolz. Das wollte ich für Hannes nochmal auf den Screen holen. Das Listing ist natürlich längst weg. Hannes war unterwegs – er konnte es also nicht nochmal schnell schreiben. Abgesehen davon, dass seine Programmierer Zeit ja nun auch schon einige Jahrzehnte zurück liegt.
Ich habe eine KI gebeten, mir das in C64 BASIC V2 nachzubauen. Ich kann nicht programmieren. Ich konnte es noch nie. Aber ich bekam, was ich wollte – inklusive kleiner Nachbesserung, als der Punkt anfangs noch aus dem Bild geschossen ist. Den konnte ich dann in den C64 laden. Dieses alte Programm, wieder zum Leben erweckt.

Roger Wilcox, der uns regelmäßig als Zuschauer begleitet und an dem Abend auch dabei war, schrieb in den Chat: „Ich hatte einen eigenen PC-Spiele-Klon, obwohl ich kaum programmieren kann. Ohne Unterstützung wäre das für mich unmöglich.“ Genau das ist der Punkt. Nicht KI statt Mensch. KI als Werkzeug für Menschen, die eine Idee haben, aber nicht alle Fähigkeiten besitzen, sie alleine umzusetzen.
Aber – werdet ihr jetzt vielleicht denken – dann ist doch alles Okay mit der KI. Ja, schon, aber…
Die KI-Supersuppe und wer darin ertrinkt
Aber jetzt kommt der Teil, der mich tatsächlich beschäftigt. Und zwar nicht als Nostalgie-Romantiker, der sich Sorgen um alte Technologien macht, sondern als jemand, der seit Jahrzehnten mit digitalen Inhalten zu tun hat.
Was passiert, wenn diese Dashboards, diese KI-Agenten, diese Zusammenfassungen immer besser werden? Wer braucht dann noch eine Webseite? Wer klickt dann noch auf ein YouTube-Video? Die Bequemlichkeit die wir alle in uns tragen, wird zum schwarzen Loch in dem die Inhalteanbieter verschwinden könnten. Auch wir – theoretisch.

Ich sehe das jeden Tag selbst. Diese klassischen YouTube-How-To-Videos – ihr kennt das Muster: eineinhalb Minuten Vorrede, Glocke klicken, abonnieren, und dann endlich der eigentliche Tipp, der 30 Sekunden dauert, aber auf acht Minuten gestreckt wird, weil die Werbeminuten es verlangen – die werden in dieser neuen Welt kaum noch eine Chance haben. Wenn mir Google eine interaktive Animation zum Thema serviert, bevor ich auch nur auf „Suchen“ drücke, warum sollte ich dann noch ein aufgeblähtes Video anklicken? Oder zumindest eines von dem ich befürchte, dass es aufgebläht ist. Nicht wegen der Verständlichkeit, sondern wegen der Werbung die bestimmte Videolängen braucht. Und weil ich nicht draufklicke, entdecke ich womöglich auch nicht den einen Typen oder die eine Frau, die das ganz toll macht. Ich komme schlicht gar nicht mehr dahin.
Und dann sind da die Agenten. Was Google dort zeigte, geht noch weiter: Ein KI-Agent, der für euch wochenlang im Hintergrund nach dem besten Angebot für eine Gartenliege sucht. Er meldet sich nicht andauernd. Er meldet sich, wenn er was gefunden hat. Das ist auch kein Science-Fiction. Das ist, was angekündigt wurde. Und zwar für bald. Wie alle diese Lösungen. In Deutschland kann es etwas später werden. Aber in USA werden diese Lösungen laut Google alle direkt oder bis zum Sommer kommen. Im schlimmsten Fall bis zum Ende des Jahres.
Warum das kleine Café vielleicht bald zusperrt: 70% weniger Kunden gehen rein…
Ein Bild das erklärt, wovon ich rede ist vielleicht das: Stellt euch vor, in eurem Lieblingscafé bleiben plötzlich sieben von zehn Gästen weg. Nicht weil das Café schlechter geworden ist. Sondern weil jemand ihnen den Kaffee schon auf der Fußgängerzone in die Hand drückt, bevor sie überhaupt in die Nähe des Ladens kommen. Das eigentliche Stamm-Gast kriegt den Kaffee draußen. Zahlt ihn sogar – aber normaler weise nimmt er noch einen Muffin dazu. Oder kauft was für zuhause. Jetzt plötzlich kommt er gar nicht mehr auf die Idee – er kommt ja gar nicht mehr rein. Das bedeutet: Einbruch vom Traffic um 70 Prozent oder mehr.

Und dann gibt es noch den „Liquid Content“-Trend bei den Verlagen. Die Idee: Inhalte in neutrale Gefäße gießen, damit der Nutzer sie als Text, als Podcast, als Kurzvideo abrufen kann – je nach Wunsch. Ich glaube, das ist zu kurz gesprungen. Das war eine Antwort auf die Google I/O von 2024, aber nicht auf die von 2026. Denn Google kann das schon. Und mit Zugriff auf viel mehr Quellen, auf größere Rechenzentren, auf schnellere KI. Und wenn die Verlage das auch mit KI machen – was sie tun werden, Personal wird ja eher abgebaut – dann hat die KI bei denen dieselben Fehler und Limitierungen wie die von Google. Der Unterschied: Google hat mehr Ressourcen. Also dürfte das Google Ergebnis schnell das bessere sein. Zumindest gefühlt. Und darum ist das einzige was hilft: Ein respektierter und geschätzter Player und Anbieter bei den Nutzern zu sein. Einfach gesagt: Eine Marke.
Das heißt: Wer keinen eigenen Charakter hat, keine Marke, keine Community – der geht in der KI-Supersuppe unter.
Unsere Anomalie: Wachstum gegen den Trend
Jetzt kommt die gute Nachricht. Und ich sage das nicht nur, um euch zu beruhigen, sondern weil es die Zahlen so zeigen und wir darauf auch stolz sind. Aber auch weil wir trotz diesem Trend auf Euch mehr angewiesen sein werden als bisher. Lasst es mich erklären.
Vor einem Jahr habe ich bei einer Strategiebesprechung gesagt: Wenn es gut läuft und wir unsere Artikel und Inhalte auf eine bestimmte Art umsetzen, verlieren wir vielleicht nur 10 % Traffic. Nicht 40% oder mehr wie andere. „Wenn wir damit durchkommen, bin ich eigentlich schon ziemlich zufrieden.“, habe ich damals gesagt. Und auch so gemeint. Es kam anders…

Tatsächlich haben wir über 20 % Traffic gewonnen. Die Webseite ist gewachsen, der Podcast ist gewachsen, YouTube ist gewachsen. Der Mai 2026 war der erfolgreichste Monat seit Bestehen von Digisaurier.de – in unserem Rahmen, in unserer Nische, mit unserem Modell. Unsere Abonnentenzahl auf YouTube nähert sich der 2000. In der Sendung habe ich gescherzt: „Wir sind jetzt bei 1984 – das ist – wer unsere Geschichte kennt, weiß das – als Jahreszahl ungefähr das Jahr in dem wir begonnen haben, Bücher und Artikel zu Computern zu schreiben. Von C64 bis Amiga und später PC.

Warum hat das geklappt? Michael Greth hat es im Chat auf einen Punkt gebracht: „Steigenden Zugriffszahlen trotz all dieser Widrigkeiten – liegt es vielleicht daran, dass ihr im Zeitalter von KI mit eurem Thema und eurer Erfahrung den authentischen Content schlechthin liefern könnt? Und darum den Erfolg habt?“
Ja. Ein Teil davon stimmt. Da hat er recht. Es hat damit zu tun, dass wir keine Zeitlinien-Geschichte über Apple erzählen. Sozusagen von der Garage 1976 bis zu 2007 zum iPhone- chorologisch und sauber nett erzählt. Könnten wir. Aber ehrlich: das kann die KI genau so gut oder vielleicht besser. Wir erzählen lieber Geschichten, die viele nicht kennen. Insider-Storys. Wir erzählen zum Beispiel wie ich Hannes die erste Lisa gezeigt habe, die er noch gar nicht kannte. Und warum er sie nicht mochte ;-) Bei uns berichten echte Zeitzeugen ihre Insidergeschichten. Wie Georg Albrecht – von 1993 bis 2011 Pressechef von Apple in Deutschland. Persönliche Momente aus dieser Zeit, die so nirgendwo stehen.
Oder Michael Kausch, der ehemalige Pressechef von Microsoft Deutschland, der bei uns erzählt, dass Microsoft in Deutschland im ersten angemieteten Lager nicht etwa Software lagerte, sondern erstmal Lederjacken.
Das sind Geschichten, die eine KI nicht einfach zusammenfassen kann, weil sie die KI nicht kennt. Und wenn muss sie die Quelle nennen. Und wem das gefällt, der liest oder hört oder guckt sich diese Geschichten bei uns an. Und deshalb verweist auch eine KI-Zusammenfassung gelegentlich auf uns – weil wir eine Quelle sind, die Insider-Wissen bietet, das anderswo nicht verfügbar ist. Und darum funktioniert zumindest derzeit auch noch der Suchmaschinen-Traffic bei uns. Und darum gewinnen wir immer mehr Leute, die einfach von selbst regelmäßig auf unsere Startseite vom Digisaurier gehen oder den RSS-Feed der Seite nutzen.
Und dann machen wir noch etwas: Wir versuchen mit großem Aufwand viele wichtige Geschichten so anzubieten, wie es derzeit wohl auch gerne als Liquid Content diskutiert wird. Aber schon lange vor dieser Diskussion: Wichtige Geschichten gibt es bei uns als Artikel, also Video oder auch als Podcast. Je nachdem, was für Euch gerade die bessere Form ist. Oder eben als Short oder auf TikTok & Co. Das kostet Zeit, Energie und Ressourcen. Und das brachte mich in der Sendung und auch hier zum letzten Punkt.
Leidenschaft bezahlt keine Server
Jetzt zum Teil, der ein bisschen weniger glänzend klingt, den ich aber genauso ehrlich erzählen will.
Leidenschaft bezahlt keine Server. Das klingt lapidar, aber es ist die komprimierte Wahrheit unserer Situation.
Wir machen Digisaurier größtenteils ehrenamtlich. Das Team, das regelmäßig hilft – Hannes, Michael, Barbara, Dirk, Martin und viele andere, die im Abspann auftauchen – das sind Menschen, die das neben ihren eigentlichen Berufen tun, weil sie es wichtig finden. Ich tue das auch. Und ich bringe seit Jahren privates Geld in das Projekt, weil ich das Gefühl habe, ich schulde dieser Community etwas. Wer damals unsere Bücher gekauft hat, wer die Fernsehsendungen geschaut hat, wer die VHS-Kurse bestellt hat – ja, echte VHS-Kassetten, das ist wahr – der hat mir ermöglicht, das Leben zu führen, das ich heute führe. Das vergisst man nicht.

Aber die Infrastruktur für das, was wir machen, kostet Geld. Newsletter-Tool, Hosting, Speicher, Software-Abos – das summiert sich auf mehrere Zehntausend Euro im Jahr. Unser mobiles Studio, das wir uns aufgebaut haben, damit wir auch zu Zeitzeugen fahren können, die nicht mehr zu uns kommen können: das hat mit rund 11.000 Euro zu Buche geschlagen. Und wenn wir auf Tour sind – ob im Oldenburger Computer Museum, im Futurium Berlin oder anderswo – dann fallen Benzin, Übernachtungen und all das an. Geld, das wir wirklich bezahlen müssen und nicht gegen ehrenamtliche Arbeit „tauschen“ können.
Gleichzeitig schrumpfen die klassischen Werbemodelle. Wer nur auf Klicks angewiesen ist, hat ein Problem. Und KI wird dieses Problem größer machen, nicht kleiner. Und man muss einfach sagen: Auch das Projekt Digisaurier hat ein Geschäftsmodell – wenn auch nicht Werbung. Und auch das kommt unter die Räder, wenn wir nicht entsprechend reagieren können.
Die offene Frage: Kriegen wir in zwölf Monaten die Rechnung noch bezahlt? Die Antwort: Ja – aber derzeit nur aus der Privatkasse. Und das was wir in Zukunft machen wollen, solange es noch geht, das wird so nicht mehr zu stemmen sein.
Der Masterplan: Umbauen statt Aufgeben
Das Motto der diesjährigen re:publica – einer der wichtigsten deutschen Konferenzen zu digitalen Themen, die dieses Jahr so gut besucht war wie selten – war „Never gonna give you Up“. Ich werde jetzt nicht singen. Das wäre das sichere Ende aller verbliebenen Zuschauer. Aber das Motto ist nicht nur ein alter Song und Ohrwurm, es passt in das was da auf uns alle zukommt.
Aufgeben ist nicht unser Plan. Umbauen, erweitern, verändern – das ist es.
Konkret bedeutet das für uns drei Pfeiler:
Pfeiler eins ist der Shop. Barbara baut ihn gerade auf. Demnächst könnt ihr dort Kappen, Shirts, Tassen und zum Beispiel auch das Digisaurier-Magazin kaufen. Sogar Butterkekse – die Sarah hat uns wunderbare gebacken. Das ist kein Gimmick. Das ist ein Weg, echte Wertschöpfung zu schaffen, die nicht von einem Algorithmus abhängt.

Pfeiler zwei ist die Community. Patreon und Steady kommen. Kleine, regelmäßige Beiträge statt großer Abhängigkeit. Lieber viele, die ein paar Euro geben und damit das Projekt am Leben halten, als ein großer Geldgeber oder Sponsor, der uns dann Vorgaben macht. Wer uns inhaltlich etwas sponsern möchte – gerne, wenn er unseren Stil, unsere Inhalte akzeptiert. Wir sind keine Plattform für beliebige Werbebotschaften.
Pfeiler drei ist der direkte Draht. Der Newsletter ist das Wichtigste. Bitte abonniert ihn. Weil es in einer Welt, in der Algorithmen entscheiden, was ihr seht, die sicherste Verbindung zwischen uns und euch ist. Dazu kommen Live-Talks wie unsere regelmässiges Format „Digitaler Monat“, die wir aber ausbauen wollen und müssen. Bis hin zu Formaten, wo ihr euch audiomäßig oder sogar per Video einbringen könnt. So eine Art digitaler Stammtisch. Das sind geplante Dinge.
Und die DigisaurierOnTour Events wollen wir nach dem tollen Erfolg in Oldenburg wohl weiter ausbauen. Oldenburg war schön. Wir haben vier Stunden mit dem Publikum verbracht, am Ende saßen ganz viele noch in der Küche des Oldenburger Computer Museums. Unser Gast Matthias hatte Pizza gesponsert: Zehn Stück, und es war ein bisschen wie früher – wie ein LAN-PartyAbend, nur ohne LAN, aber mit derselben Energie. So etwas wollen wir mehr machen. Manchmal mit einem kleinen Eintritt, weil die Übernachtungskosten sich nicht von Leidenschaft bezahlen lassen. Aber keine Hunderte Euro. Eher die Kaffeekassen-Variante. Trotzdem ist das Geld. Und wie immer: Alles zusammen hilft.

Und dann gibt es noch etwas, das ich euch ankündigen kann: Es kommen Gespräche mit Dr. Achim Becker, mit Digitalforschern aus dem Paderborner Heinz Nixdorf MuseumsForum, und nächsten Monat eine Live-Sendung mit Jürgen zum Thema C64 Ultimate – mit den neuesten Entwicklungen, mit Fragen von euch, mit allem Drum und Dran. Wer meinen C64 Ultimate sehen will – meine Frau hat ihn mir zu unserem 35. Jubiläum geschenkt, weil sie in den Sendungen gesehen hat, wie meine Augen leuchten – der muss da einschalten. Und weiß, wie sehr mich das freut, dass ich das mit Jürgen machen kann.
Was wir euch bitten
Die nächsten zwölf Monate entscheiden wir gemeinsam. Das ist kein leerer Satz. Und er gilt nicht nur für uns beim Projekt Digisaurier. Auch dass bitten wir Euch zu bedenken.
Wenn ihr Inhalteanbieter habt, die euch wichtig sind – ob das der Martin Goldmann mit seinem Apple-Kanal ist, ob das Thorsten Ising mit seinem Social Media Schnack-Podcast ist, ob das Stay Forever im Retrogaming-Bereich ist oder sonst irgendjemand, der gute Arbeit macht – dann denkt daran: Die haben alle dasselbe Problem. Die nächsten Monate werden nicht leicht und vielleicht mit darüber entscheiden ob diese Angebote weiter bestehen bleiben.
Was ihr tun könnt, und zwar sofort, kostenlos und mit großem Effekt: Erzählt von uns. Teilt unsere Inhalte. Empfehlt uns weiter. Abonniert den Newsletter auf digisaurier.de. Abonniert den Podcast. Klickt auf die Glocke bei YouTube. Ihr kennt das alles, ich muss es nicht erklären – aber ihr unterschätzt vielleicht, wie viel das bedeutet.
Und wenn ihr könnt und wollt, unterstützt uns finanziell über den Shop, über Patreon, über Steady, sobald die freigeschaltet sind. Das wird jetzt alles sehr rasch hier passieren.

Ansonsten freuen wir uns auch auf Eure Ideen und Anregungen: Was macht Digisaurier für euch aus? Was darf auf keinen Fall verschwinden? Schreibt es uns. In den Kommentaren, per Nachricht, wie auch immer. Das ist keine Rhetorik. Ich will es wirklich wissen.
Der Sturm draußen ist inzwischen vorbei. Die Sonne ist wieder rausgekommen. Ich hoffe, das ist ein gutes Zeichen. In zwölf Monaten werden wir sehen, ob recht ich hatte – mit der Prognose über KI, über die Dashboards, über die Agenten. Und über uns. Uns alle hier als Gemeinschaft.
Bis dahin: Danke, dass ihr dabei geblieben seid. Auch an einem Samstagabend. Auch eine Stunde zwanzig lang. Und wer will kann hier die ganze Original-Sendung sehen. Der Podcast folgt ebenfalls die nächsten Tage.
Hinweis: Diese Ausgabe des Digitalen Monats entstand im Digisaurier-Studio am 30. Mai 2026. Wer das vollständige Live-Gespräch sehen möchte, findet es auf unserem YouTube-Kanal. Den Newsletter gibt es auf digisaurier.de.
Kennt ihr noch andere Kanäle, Blogs oder Podcasts, die gute digitale Geschichte erzählen? Schreibt sie in die Kommentare – damit wir sie auch nicht vergessen.