Mein digitaler Grabstein…

Fast 20 Jahre später und rund 70.000 Youtube Klicks (alleine für diesen Upload) später muss ich sagen: Dieser ZDF Morgenmagazin-Auftritt wird mich überleben. Aber ich steh dazu… Und der Kollege Michael Hölting, damals wollte wirklich wissen, was das Internet ist und ob er sich „Zugang dazu verschaffen sollte…“ Klar, hab ich irgendwie ja gesagt. Aber auch nur bedingt gewußt warum. Aber seht selbst… Übrigens: der Text geht nach dem Video noch ein bißchen weiter. Denn ich habe mal überlegt, was passiert wäre, wenn ich damals die Wahrheit gesagt hätte…

UPDATE: 27.08.2017: ich schreibe gerade aufgrund der Sendung „Wir lieben Fernsehen“ an einem weiteren Artikel, der diese Woche hier erscheint, wo es darum geht, wie ich überhaupt in diese eigenartige Situation dass ich im ZDF auf diese Frage – noch dazu vor großer Öffentlichkeit – antworten sollte geraten bin. Den Artikel dazu wie ich zum „Experten“ des ZDF MoMa wurde lest ihr hier:

Und wer schon jetzt ein paar Erinnerungen an meine MoMa Zeit sehen will, dem sei diese Digisaurier-Sendung auf Youtube empfohlen: mit vielen Erinnerungen an das MoMa anlässlich des 25igsten Geburtstag, den ich mit den Kollegen in Berlin feiern durfte:

Super – ihr habt nun nach all den Einschüben aus aktuellem Anlass den eigentlichen Text gefunden. Also nochmal die entscheidende Frage:

Was wäre passiert wenn ich die Wahrheit gesagt hätte…

Erstmal hätte ich die Wahrheit, um sie zu sagen, wissen oder auch nur ahnen müssen. Hab ich aber nicht. Aber stellt euch mal ungefähr folgende Antwort vor:

„Das Internet, wird das Weltwissen revolutioneren. Es wird so wichtig sein, dass wir es mithilfe von kleinen Apparaten in unseren Hosentaschen immer dabei haben werden. Es wird die Wende in der Energiepolitik überhaupt erst möglich machen. Es wird die Mobiliät erhöhen und die Verkehrsströme besser leiten… Achja: und kleine Katzen die komische Dinge machen werden toll berühmt werden dadurch…“

Christian Spanik,
ZDF Morgenmagazin Computer-Experte 1996

Hab ich nicht gesagt! Aber hätte ich es gesagt, auch nur angedeutet: ich wäre nicht nur nie wieder im ZDF-Morgenmagazin aufgetreten. Die hätten mich in einer sehr engen Jacke in ein sehr gepolstertes Zimmer gebracht. Garantiert.

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Premiere vor der Kamera: die allerersten Dreharbeiten für „Neues… die Computershow“

Zu meiner Ehrenrettung sei erwähnt: zu diesem Zeitpunkt war ich zwar bereits vier Jahre lang als Moderator von „Neues… die Computershow“ unterwegs. Aber was da noch kommen sollte, war völlig unvorhersehbar. Und damals mussten die Kollegen im Sender noch mehr dazu gezwungen werden, eine Computersendung zu machen. Alles andere war viiiiel cooler… Erst einige Jahre später waren alle „…drin“ und plötzlich war das Interesse bei den Computersendungen mitzuarbeiten quer durch 3Sat und ZDF deutlich erhöht. Schließlich hatten fast alle einen… Oder zwei…

Der digitale Grabstein – das Internet vergisst nicht…

Man kann es drehen und wenden wie man will. Dieser Auftritt im Morgenmagazin, die Kombination aus Frage und Antwort, haben dafür gesorgt, dass ich diese Geschichte nie mehr loswerde. Und – wie schon gesagt – sie wird mich ziemlich sicher als digitaler Grabstein überleben. Andererseits: anfangs hat es mich geärgert, als das Ding wieder ausgegraben wurde. Jetzt finde ich: das ist gut so. Wann immer nämlich heute irgendein Kollege im Fernsehen erzählt, dass irgendwas technlogisches in Zukunft kommen wird (und ich bin in meiner Digisaurier-Art skeptisch) dann schau ich mir diesen Auftritt an. Und dann wird mir klar: Prognosen sind schwierig. Vor allem wenn sie die Zukunft betreffen. Aber irgendeine Idee wozu was gut ist, müssen wir haben. Was dann draus wird, wird man sehen. Nur weggucken und nicht drüber nachdenken – das sollten wir nicht.

Warum wollte der Kollege das eigentlich wissen?

Die wörtliche Frage „Was ist dieses Internet und sollte ich mir Zugang dazu verschaffen“ hatte übrigens einen Hintergrund, der auch erklärt warum der eigentlich rethorisch gute Kollege Hölting das so eigenartig formulierte… „Zugang dazu verschaffen…“

Verraten hat er mir das aber erst viele Jahre später bei einem Kaffee. Die Kollegen von der Morgenmagazin Wirtschaft wollten so einen Internet-Zugang. Aber der wurde ihnen vom ZDF verwehrt mit der Frage: Warum sollen wir Geld dafür ausgeben und warum braucht ihr das überhaupt…

Wer diese Frage gestellt hatte, hat mir Michael nie verraten. Ich vermute mal es kam aus der Verwaltung des Senders. Aber weil er eine gute Antwort auf diese Frage suchte, beschloss er einfach mir das im On als Frage mitzugeben.

„Entweder hätten die Kollegen die nein gesagt haben, das gesehen und zugesagt. Oder ich hätte versucht mit Deinen Argumenten den Zugang eben doch für die Redaktion Wirtschaft zu kriegen.“ erzählte er mir grinsend im Cafe.

Was kam raus? Tatsächlich ein halbes Jahr später eine Genehmigung für den Internet-Zugang für die Wirtschaftsredaktion. Ob nun wegen oder trotz meines Auftritts? Wir werden es nie erfahren. Aber so entstand dieser TV-Auftritt, der bis heute immer und immer wieder auf irgendwelchen Netzwerken gepostet und geteilt wird.

Eben mein digitaler Grabstein ;-) Aber keine Sorge – noch geht es mir ganz gut. Die Notwendigkeit einen Monitor in eine Grabstein einzufügen ist erstmal noch nicht da. Aber geht sicher. Oder eine Brille die das in Virutal-Realtiy über dem Grabsteint erscheinen lässt? Auf einem Retro-Fernseher… Tja man weiß es nicht. Denn Vorhersagen sind schwer. Vor allem wenn sie die Zukunft betreffen ;-)

Lust auf weiterlesen? Wie wäre es damit:

Wer bin ich und wenn ja wie viele – und kennt Google uns alle?

3 Gedanken zu „Mein digitaler Grabstein…“

  1. Deine Krawatte war/ist toll; ich habe die Gleiche, wenn ich sie trage, gibt´s immer Menschen, die mich nach der Uhrzeit fragen, mich darauf aufmerksam machen, das ich die falsche Zeit hätte und und und: also ein toller Kommunikationsanbahner….

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