Sicherheitsrisiko Smarthome – Realität oder Panikmache?

„Wieviel Angst muss man eigentlich im Smarthome haben?“, fragen sich die Digisaurier. Oder geht es den Anbietern von Schutzprodukten (etwa McAfee & Co.) nur darum, auch beim Smarthome das Thema Sicherheit zu hypen? Wie real ist die Gefahr tatsächlich oder übertreiben die Hersteller, weil sie etwas verkaufen wollen? Und wie weit ist das ganze Thema überhaupt? Schon schlüsselfertig? Oder ist das Smarthome noch im Rohbau, was seine Technologie betrifft? Mit diesen Fragen beschäftigten sich die beiden Digisaurier Christian Spanik und Hannes Rügheimer hier.

In diesem Video erfahrt Ihr alles, was wir dazu auf unserem Youtube-Kanal besprochen und gezeigt haben.

Eine ganze Halle voller Smarthome! Ja – aber nicht ready to use …

IT-Experte Hannes Rügheimer hat sich zum Beispiel auf der IFA 2017 umgesehen. Eine ganze Halle war dort dem Smarthome gewidmet. Das macht deutlich, dass der Markt größer wird, die Messe das Thema ernst nimmt und auch die Hersteller immer aktiver werden.

Die Smarthome HalleDoch obwohl die Produkte deutlich gereift sind, eine Revolution ist bislang ausgeblieben. Denn es gibt weiter große Herausforderungen. „Die Produkte sind noch nicht schlüsselfertig. Und vor allem die fehlenden Standards sind nach wie vor ein Problem“, sagt Hannes.

Es gibt zwar Integrationsplattformen wie Google oder Alexa, doch damit gibt man die Verantwortung für das eigene Smarthome in Deutschland nach Kalifornien ab. Da stellen sich viele die Frage: Will ich das? Und selbst wenn die Antwort darauf Ja lautet, werden nicht alle Produkte von den Konzepten abgedeckt.

Smarthome und Sicherheit – warum bestimmte Teile gar nicht sicher sein können

Von „My Home is my castle“ kann nicht mehr die Rede sein, konstatiert Christian Spanik, denn mit Smarthome kommt auch das Thema Sicherheit aufs Tablett.  Der Witz ist: Wenn man ganz ehrlich ist, muss man zugeben, dass die einzelnen Smarthome-Geräte eigentlich gar nicht sicher sein können.

„Die Rechenleistung von Aktoren und Sensoren im Smarthome ist zu begrenzt für gute Sicherheitslösungen.“

Hannes Rügheimer, Technik-Journalist

Denn die Rechenleistung in den Sensoren und Aktoren – also den Geräten, die im Haus verbaut sind, um zu messen oder zu schalten – ist dermaßen begrenzt, dass sie in punkto Sicherheit nur recht wenig leisten können. Der einzig sinnvolle Weg derzeit: Sicherheitskonzepte müssen in die Basisstationen und Router integriert werden.

Alle großen Sicherheits-Anbieter (McAfee, Symantec, Kaspersky usw.) sind aber auch aktiv dabei, Kooperationen mit Smarthome-Herstellern einzugehen. So ist zumindest das Konzept „Der Router kontrolliert, was passiert“ umsetzbar.

Gefahr im Smarthome? Ja – aber Panik muss man auch nicht sofort haben

Diskussion über Smarthome & Sicherheit

Doch Hannes Rügheimer relativiert die tatsächliche Gefahr: „Security-Hersteller übertreiben immer ein wenig. Klappern gehört zum Handwerk.“ Aber auf die leichte Schulter nehmen darf man das Thema auch nicht – schließlich gab es schon einige dokumentierte Fälle von Angriffen. Die Bandbreite der Angriffe ist dabei groß: vom Gelegenheits-Hacker, der nur mal gucken will, was so geht, bis zur NSA, die Mikrofone und Kameras anzapft.

Aber klar ist auch: Hacker werden vor allem aktiv, wenn was zu holen ist. Die klare Empfehlung ist also: darauf achten, dass bei dem Produkt, für das man sich entscheidet, auch wirklich über Security nachgedacht wurde. Und es nicht nur draufsteht. Sich informieren und vorher auch diesen Aspekt zu vergleichen, gehört also dazu. Nicht zuletzt, da diese Technik ja oft dann jahrelang im Haus bleibt –und nicht wie ein Handy nach einem Jahr durch etwas Neues ersetzt wird.

Vernetzten die Digisaurier das eigene Haus als Smarthome?

Auf die konkrete Frage von Christian, ob Hannes sein eigenes Haus komplett smart gemacht hat, antwortet der eher verhalten. „Man muss vorher gründlich drüber nachdenken und wirklich auch gucken, was man tatsächlich braucht. Eine vernetzte Heizungslösung oder Lichtsteuerung ist zum Beispiel für uns hier kein großer Gewinn, da wir großteils von zuhause aus arbeiten.“

„Man sollte immer überprüfen, ob man eine Smarthome-Lösung wirklich braucht. Oder sie nur cool findet…“

Digisaurier Ratschlag

Für Hannes war nach der Überprüfung seines eigenen Bedarfs und seiner Anwendungsfälle zu Hause schnell klar: eine umfangreiche Anschaffung lohnt sich für ihn bislang noch nicht.

Smarthome wird dann interessant, wenn man als Nutzer konkret etwas davon hat. So ist die Smarthome-Steuerung etwa ein wichtiges Thema für Haushalte mit eigenen Solaranlagen, die ihren eigenen Strom erzeugen und effizient nutzen wollen, ist Hannes überzeugt. Auch wenn man einen hohen Energieverbrauch hat, gibt’s Sparpotential. Und das eine oder andere ist im Grunde einfach ein Stück Spielerei und Coolnes-Faktor. Aber das kann ja auch nett sein…

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