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Sensation 1969: Der erste Computer-Mann des Jahres war… eine Frau!

In dem Jahr, als Neil Armstrong den Mond betrat, das ARPANET als Vorläufer des Internets startete und Bill Gates in seiner Schule den ersten Kontakt mit einem Computerterminal hatte, war eine Frau vielen männlichen Kollegen weit voraus: Grace Hopper gewann den „Computer Science Man-of-the-Year Award“, den ersten überhaupt! Ihr wie auch weiteren Frauen hat die IT-Welt viel zu verdanken, und doch kennen heute nur wenige ihre Namen. Ohne Hopper zum Beispiel wären Computer vielleicht viel komplizierter zu bedienen. Deshalb würdigen wir die „Queen of Code“ – zwar nicht mit einem eigenen Doodle wie hier im Titelbild, aber mit einem Beitrag der Reihe “Computerfrauen”.

Computerfrau Grace Hopper (Januar 1984). (C) James S. Davis - U.S. Naval Historical Center Online Library Photograph NH 96919-KN (jpg), gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=55260
Computerfrau Grace Hopper (Januar 1984). (C) James S. Davis – U.S. Naval Historical Center Online Library Photograph NH 96919-KN (jpg), gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=55260

„Wenn es eine gute Idee ist, dann mach es einfach. Es ist viel einfacher, sich nachher zu entschuldigen, als vorher die Genehmigung zu bekommen.“ (Grace Hopper)

Sie hatte viele gute Ideen, und sie hat sie einfach „gemacht“. Nüchtern könnte man feststellen: Grace Hopper (1906–1992) „war eine US-amerikanische Informatikerin und Computerpionierin“, erklärt Wikipedia. Und: „Sie war im letzten Dienstgrad Flottillenadmiral der US-amerikanischen Marinereserve.“ Aber diese Frau war eine Macherin durch und durch, gilt als Entwicklerin des ersten Compilers (wandelt Kommandos in Maschinensprachen-Code um) und als „Großmutter“ der Programmiersprache COBOL – und ihr wird auch der Begriff „Debugging“ zugerechnet, wobei man das, siehe unten, etwas genauer erklären sollte.

„Im Zweifelsfall: tu es!“

Warum gilt Grace Hopper als die „Queen of Code“?

Hoppers Leben ist so faszinierend, dass 2014 zwei Filmemacher eine Crowdfunding-Kampagne starteten, um ein Dokufilm-Projekt über die „Queen of Code“ zu verwirklichen. Das Finanzierungsziel wurde weit übertroffen, der Film „Born with Curiosity“ befindet sich aktuell in der Produktion.

Falls Grace Hopper Sie interessiert, Sie aber nur wenig Zeit haben: Eine Art „Simple-Animation-Erklärfilm“ fasst alles Wissenswerte in nur zwei Minuten zusammen.

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Sie haben doch mehr Zeit? Dann lesen Sie mal, warum man Grace Hopper kennen sollte.

Eine der ersten Computerfrauen – und die erste moderne Programmiererin

Computerfrau Grace Hopper an der Tastatur des Univac, ca. 1960. (C) Unknown (Smithsonian Institution) - Flickr: Grace Hopper and UNIVAC, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=19763543
Computerfrau Grace Hopper an der Tastatur des Univac, ca. 1960. (C) Unknown (Smithsonian Institution) – Flickr: Grace Hopper and UNIVAC, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=19763543

Grace Hopper war von allen Amerikanern der dritte überhaupt, der im Navy-Computerprojekt des Zweiten Weltkriegs an der ersten Großrechenanlage der USA programmierte – dem Mark I. Nach dem Ende des Krieges arbeitete sie auch an den Folgemodellen Mark II und III mit.

Erster kommerzieller Rechner

Schon Ende der 1940er-Jahre dachte Grace Hopper an die vielfältigen Möglichkeiten, derer sich Computer annehmen könnten, war sich aber auch der Voraussetzung bewusst, dass dies nur über anwenderfreundliche Software zu realisieren war. 1951 präsentierte sie als Angestellte einer neuen Computerfirma zusammen mit Kollegen den ersten kommerziellen Computer UNIVAC I, dessen Nutzung wiederum zu wichtigen Entwicklungen in der Informatik führte.

„Vor dem Zweiten Weltkrieg war das Leben einfach, danach gab es [Computer-]Systeme.“

Erster „echter Bug“

Logbuch-Seite des Mark II mit dem ersten dokumentierten Bug (1947). (C) Courtesy of the Naval Surface Warfare Center, Dahlgren, VA., 1988. - U.S. Naval Historical Center Online Library Photograph NH 96566-KN, gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=165211
Logbuch-Seite des Mark II mit dem ersten dokumentierten Bug (1947). (C) Courtesy of the Naval Surface Warfare Center, Dahlgren, VA., 1988. – U.S. Naval Historical Center Online Library Photograph NH 96566-KN, gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=165211

Programmfehler findet man zwar nur in Software, aber der Umstand, dass ein Techniker aus Hoppers Team 1947 während der Arbeiten an Mark II eine tote Motte als Verursacher eines Relais-Ausfalls identifizierte, bringt den Begriff „debugging“ (= Programmfehler beheben) mit Grace Hopper in Verbindung. Der Techniker klebte die Motte in das Logbuch mit dem Kommentar: „Das erste Mal, dass tatsächlich ein Bug gefunden wurde.“ Schon unter Ingenieuren des 19. Jahrhunderts wurde „Bug“ als Synonym für einen Fehler verwendet.

Erster Compiler

1951 entwickelte Grace Hopper ein Übersetzungsprogramm, das vor der Ausführung des eigentlichen Programms gestartet wird und Programmierkommandos in Maschinensprachencode umwandelt. Der erste Compiler war geboren – und damit auch die Basis für zahlreiche Programmiersprachen der nächsten Jahrzehnte.

Erste Programmiersprache mit Wörtern

Weil Computer nach dem Krieg auch in der Wirtschaft verwendet wurden, kam Grace auf die Idee eines Compilers für „Nicht-Mathematiker“ – statt auf mathematische Symbole setzte sie auf normale Wörter wie „compare“, „transfer“, „replace“. Diese Programmiersprache nannte sie FLOW-MATIC.

Grace Hopper ist die Großmutter von COBOL

Hoppers Programmiersprache wiederum war die Basis für die Entwicklung der bis heute meistgenutzten Wirtschafts-Programmiersprache COBOL. 1959 starteten Vertreter aus Wissenschaft und Wirtschaft die Entwicklung einer plattformübergreifenden wirtschaftsorientierten Programmiersprache. Die Arbeitsgruppe, die vom US-Verteidigungsministerium eingesetzt worden war, verband Hoppers FLOW-MATIC und noch zwei andere Sprachen zur „Common Business Oriented Language“, die stark an die natürliche Sprache angelehnt war und immer noch ist. Denn COBOL gilt bis heute als eine der am weitesten verbreiteten Programmiersprachen für kaufmännische Anwendungen.

„Der gefährlichste Satz einer Sprache ist: ‘Das haben wir schon immer so gemacht’.“

Und dann kam 1969…

Zeitlebens mehr als 90 Auszeichnungen, vor allem durch Berufsorganisationen, zehn militärische Ehrungen sowie über 40 Ehrendoktortitel unterstreichen Hoppers Anspruch auf die Charakterisierung als herausragende Persönlichkeit. Selbst ein Kriegsschiff – der Lenkwaffenzerstörer USS Hopper – wurde nach ihr benannt. 1969 erhielt sie von der Data Processing Management Association besagten „Computer Science Man-of-the-Year Award“ und 1991 als erste Frau die „National Medal of Technology“ der USA.

Im sehenswerten Film „Computer Pioneers“ kommt auch Grace Hopper vor. Wir haben Ihnen die Stelle herausgesucht, wo sie über ihre Arbeit spricht.

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Zum Schluss noch ein legendäres Interview: 1984 war Hopper zu Gast in der Late-Night-Show von US-Talkmaster David Letterman, der sie fragte, woher sie damals, in der Zeit des 2. Weltkrieges, schon so viel über Computer wusste. Ihre Antwort sagt viel über die kluge Dame aus.

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„I didn’t. It was the first one.“

„Grace Hopper Celebration of Women in Computing“, das weltweit größte Treffen von Informatikerinnen. (C) ghc.anitaborg.org
„Grace Hopper Celebration of Women in Computing“, das weltweit größte Treffen von Informatikerinnen. (C) ghc.anitaborg.org

Sie war halt eine Macherin, die eigentlich genauso im Gedächtnis bleiben könnte, nein, sollte wie beispielsweise Steve Jobs oder Konrad Zuse. Google hat es anlässlich ihres 107. Geburtstages mit einem Doodle getan – siehe unser Titelbild. Und das weltweit größte Treffen von Informatikerinnen mit gut 5000 Gästen, dieses Jahr am 19. Oktober in Texas, heißt: „Grace Hopper Celebration of Women in Computing“.

Da ist es nur selbstverständlich, dass Grace Hopper zu den Persönlichkeiten zählt, die das Paderborner Heinz Nixdorf Museum gerade auf 700 Quadratmetern porträtiert. Bis zum Sommer zeigte die Ausstellung „Am Anfang war Ada – Frauen in der Computergeschichte“ das Leben und Werk von Pionierinnen, die sich auf besondere Weise um die Entwicklung der Informationstechnik verdient gemacht haben.

Haben Frauen den Computer anwenderfreundlicher gemacht?

Ausstellung „Am Anfang war Ada“ zu den wichtigsten Computerfrauen der Geschichte – im Heinz Nixdorf MuseumsForum in Paderborn, Screenshot der Webseite. (C) hnf.de
Ausstellung „Am Anfang war Ada“ zu den wichtigsten Computerfrauen der Geschichte – im Heinz Nixdorf MuseumsForum in Paderborn, Screenshot der Webseite. (C) hnf.de

Historiker gehen davon aus, dass es Computerfrauen wie Grace Hopper zu verdanken ist, dass Computer anwenderfreundlicher wurden, leichter zu programmieren und zu bedienen – vielleicht weil Frauen „sozialer“ denken, den Menschen im Mittelpunkt behalten?

Nach allem, was „Amazing Grace“, wie sie innerhalb der Marine genannt wurde, in der Informatik und auch für die Gleichberechtigung von Frauen erreicht hatte, blieb ihr die Erfüllung eines Traums nicht vergönnt. Sie starb fast auf den Tag genau acht Jahre vor dem magischen Datum, das sie unbedingt miterleben wollte: den 31. Dezember 1999.

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