Magine, die Fernseh-App auf einem PC

Lieblings-App: Magine – Fernsehen unterwegs

Das lineare Fernsehen ist tot. Mit diesem lapidaren Satz erklären Digital-Propheten schon seit einiger Zeit Omas Pantoffelkisten für verendet. TV on demand sei angesagt, behaupten sie. Und sie haben sowas von Recht. Wer sich vor die Glotze hockt, weil um eine bestimmte Uhrzeit eine bestimmte Sendung verstrahlt wird, ist definitiv von gestern. Das gilt ganz besonders für Filme und Serien, die bekanntlich an jeder Ecke im Streaming zu haben sind. Aber manchmal will man doch live dabei sein – zum Beispiel beim Fußball. Oder den Nachrichten. Oder irgendeinem anderen Ereignis, das zu schauen nur in Echtzeit Sinn macht. Wie wir Mobile-Junkies es auch sonst gern hätten, soll das hier und jetzt und für umsonst passieren. Nichts leichter als das: Magine, die Fernseh-App, bringt die Glotze auf Smartphone, Tablet und Notebook – immer und (fast) überall.

Magine als Android-App auf dem Smartphone
Magine als Android-App auf dem Smartphone
Ganz neu ist die Idee nicht. Denn seitdem man bewegte Live-Bilder übers Internet ausstrahlen kann, gibt es Tools zum Senden und Progrämmchen zum Empfangen. So um das Jahr 2000 herum verblüffte ich die Kollegen, indem ich während der Arbeit(!) an meinem Büro-PC(!) Live-Bilder vom Endspiel in Wimbledon genoss. Selbst der strenge Chef, der ansonsten recht böse auf privates Tun während der Arbeitszeit reagierte, war tief beeindruckt und verfolgte zusammen mit einem Haufen Kollegen den entscheidenden Satz. Aber eigentlich waren solche Streaming-Angebote bloß die illegitimen Kinder des linearen Fernsehens, weil man sich auch nicht aussuchen konnte, wann man sich die Sache anschauen wollte. Außerdem waren solche Streams immer in Webseiten eingebunden.

Der Magine-Programmführer
Der Magine-Programmführer
Und Bewegtbilder in Echtzeit auf einem Mobilgerät zu genießen, war seinerzeit noch Science Fiction. Dann kamen die Mediatheken der öffentlich-rechtlichen und etwas später der privaten Fernsehversender. Dabei handelt es sich bekanntlich um Landingpages, auf denen bereits verstrahltes TV-Material als Stream zur Verfügung gestellt wird – aus rechtlichen Gründen aber immer bloß bis sieben Tage nach der Echtzeitsendung. Die zweite Wurzel für das eigentliche Thema des Artikels ist das Webradio. Schon so um 2002 herum gab es Anbieter, die Tausende verschiedener Rundfunkprogramme live oder zeitversetzt als Streaming anboten – mit der Erfindung von iPhone und Apps auch auf mobilen Devices.

Gegen 2011, in der Blütezeit der App-Innovationen, kamen dann mobile Fernseh-Apps heraus. Bekannt wurde auf Anhieb Zattoo, das eine gewisse Auswahl deutscher Programme zum Betrachten in der App anbietet. Ich persönlich bin aber vor gut zwei Jahren auf Magine umgestiegen. Hauptgrund: Das extrem breite Angebot an Sendern; die Palette reicht von ARD und ZDF sowie deren Töchter und den dritten Programmen über die großen Privatsender bis hin zu einem Bukett verschiedener Spezialstationen, die man zum Teil noch nicht mal am TV per Schüssel empfangen kann. Außerdem gibt es Magine als App für iOS, Android und auch Windows. Dass man Magine auch per zugehöriger Website auf jedem beliebigen Notebook und Desktop-PC empfangen kann, versteht sich fast von selbst.

Die Merkliste von Magine
Die Merkliste von Magine
Um nun zum Beispiel auf dem Android-Smartphone TV zu glotzen, ist nicht viel zu tun: App runterladen, installieren und öffnen. Dann muss man sich zwingend anmelden. Das geht klassisch per Mailadresse und Passwort oder ganz bequem über das Facebook-Login. Das Angebot kommt in zwei verschiedenen Darreichungsformen. Unter „Mein TV“ findet sich eine – je nach Größe des Displays unterschiedliche Anzahl – Thumbnails der aktuellen Sendungen. Und dann gibt es eine Senderliste mit Zeitstrahl, auf der das gesamte Programm aller Sender angezeigt wird. Um eine laufende Übertragung anzuschauen, reicht es, entweder das zugehörige Vorschaubild oder aber den entsprechenden Eintrag im Programmführer anzuklicken. Das Bild ist zunächst oben rechts und klein, kann aber per Klick bzw. Tap auf Vollbildschirmmaße vergrößert werden. Klickt man eine zukünftige Sendung an, wird diese auf eine Merkliste übernommen. Auf Wunsch bekommt man zum Start eine Benachrichtigung.

Allerdings: Man kann Magine nicht auf beliebig vielen Geräten nutzen. Kostenlos sind zwei Devices erlaubt. Mit einer Zahlung von 5 Euro pro Jahr darf man Magine aber auf bis zu fünf Geräten installieren und nutzen. Übrigens auch auf einer Auswahl an Smart-TVs. Das ist weniger absurd als es klingt. Denn mit der Magine-App auf dem schlauen Fernseher hat man dann Zugriff auf Sender, die der Kasten sonst nicht empfangen kann.

Magine im Vollbildmodus
Magine im Vollbildmodus
Die größte Einschränkung aber ist: Man kann mit Magine nicht im Ausland fernsehen. Da können die Magine-Leute nichts dafür. Das ist eine dieser blöden Folgen unterschiedlicher Senderechte unterschiedlicher Anbieter in unterschiedlichen Ländern – in der Ära des grenzüberschreitenden Internets ein ärgerlicher Anachronismus. Wer sich ein bisschen mit dem Netz auskennt, ahnt den Workaround – zumindest beim Notebook: Man gaukelt dem Webbrowser per Proxy vor, man säße gemütlich im Heimatland, während man tatsächlich irgendwo am Mittelmeer auf einer Ferienterrasse sitzt. Das geht natürlich auch bei Tablets, aber nur, wenn man Magine über den Browser nutzen will.

Mit diesem Trick konnte ich kürzlich im Entspannungsurlaub an der dänischen Nordseeküste gemütlich das Spiel meiner Lieblingsfußballmannschaft live auf Sport1 per Magine verfolgen. Aber meistens dient mir das Nexus-Tablet unterwegs als Glotze, wenn ich im Zug auf Achse bin – dann allerdings nur so lange und so gut das DB-eigene WLan im ICE funktioniert.

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