Tippen gehört immer noch zum Handwerk (Foto: via Pixabay)

Alle Macht den Tastaturen! – Oder: Der lange Weg von der Schreibmaschine zum virtuellen Keyboard

Seitdem es so etwas wie Computer gibt, stellte sich die Frage: Wie kriege ich da was rein? Es geht um den Input. Es geht um Befehle, Befehlssequenzen, Programme, aber schlicht auch um Zahlen für Berechnungen und Buchstaben für Texte. Schon Konrads Zuse fand die passende Antwort und hängte eine Tastatur an seinen Z3. Heute denkt kaum jemand über dieses wundervolle Eingabegerät nach, das so unverzichtbar geblieben ist, dass jedes Smartphone und jedes Tablet mit einer virtuellen Tastatur ausgestattet ist … obwohl man theoretisch alle Eingaben auch per Stimme oder gar per Geste tätigen könnte; nicht zu vergessen die Handschrift.

Das Tolle und gleichzeitig Verrückte ist, dass sich die Anordnung der Tasten einer Tastatur in den vergangenen gut 150 Jahren nur unwesentlich verändert hat. Ziel der frühen Erfinder war es, die 26 Standardbuchstaben und den 10 Ziffern sowie den notwendigen sieben Satzzeichen so auf Tasten zu verteilen, dass sich rasch fehlerarme Texte eintippen ließen. Die Legende besagt, dass die aktuelle QWERTZ-Anordnung so zustande kam, wie sie ist, um die Tippgeschwindigkeit zu senken. Zuvor hatte man die Tasten alphabetisch sortiert. Der amerikanische Drucker und Zeitungsmann Christopher Latham Sholes ordnete die Lettern so an, dass die am häufigsten vorkommenden Buchstabenkombinationen bei seiner Typenhebelschreibmaschine möglichst weit voneinander entfernt lagen – so lagen auch die Hebel weit auseinander und konnten sich beim flinken Tippen nicht verheddern.

Dasv immer noch berühmte QWERTY-Schema vo 1878 (Foto: via Wikimedia,public domain)
Dasv immer noch berühmte QWERTY-Schema vo 1878 (Foto: via Wikimedia,public domain)

Das galt natürlich nur für die englische Sprache und die QWERTY-Anordnung; mit nur einer Umstellung funktioniert es im Deutschen auch ganz gut, und im französischsprachigen Raum leistet die AZERTY-Belegung gute Dienste. Nun erfordern verschiedene Sprache aber verschiedene zusätzliche Zeichen; das Deutsche sowie die skandinavischen und viele slawische Sprache diverse Umlaute, die romanischen Sprache ihre Akzente und so weiter. Trotz dieser Anforderungen haben sich entsprechende Tastenanordnung schon vor mehr als 100 Jahren weitestgehend standardisiert. Ein Sonderproblem brachte aber das Steuern und Programmieren von Computern mit sich, für das zusätzliche Tasten mit zusätzlichen Funktionen und Zeichen gebraucht wurden.

Erst mit dem Siegeszug der elektromechanischen Tastatur und dem Aussterben der Typenhebelmaschinen wurde die Computertastatur möglich. Eine Zwischenstufe, die auch bei der Entwicklung hin zum persönlichen Computer wichtig war, stellte der Fernschreiber mit seiner international genormten Anordnung da, die auf Umlaute, Akzente und einige Satzzeichen verzichtete, aber international gebräuchliche Symbole – zum Beispiel für Währungen – umfasste. Deren Standardisierung löste anfangs alle Probleme bei der Kodierung von Programmen; die Grundlage war der 1963 vereinbarte American Standard Code for Information Interchange, der berühmte ASCII. Damit gab es eine verbindliche Tabelle, die 128 Zeichen definiert, bestehend aus 33 nicht druckbaren sowie 95 druckbaren Zeichen, beginnend mit dem Leerzeichen.

Eine legendäre Underwood-Typenhebelschreibmaschine von 1900 (Foto: via Wikimedia, siehe Bildnachweis unten)
Eine legendäre Underwood-Typenhebelschreibmaschine von 1900 (Foto: via Wikimedia, siehe Bildnachweis unten)

Von einer Standardisierung der Computertastatur zu sprechen, ist einigermaßen gewagt. Beginnend mit der Tastatur des ersten IBM PC gab es immer wieder Alleingänge, die mehr oder weniger Adepten fanden. Weil der IBM aber jede Menge Standards für persönliche Computer setzte, orientierten sich zunächst vor allem die Hersteller von IBM-Kompatiblen, später aber auch alle anderen Produzenten, einschließlich Apple, übrigens, an der jeweiligen Standardtastatur einer IBM-Generation. Das betraf und betrifft jedoch nur die Anordnung der Tasten für die druckbaren ASCII-Zeichen. Ob, wie und wo es Funktionstasten gibt, modellspezifische Steuertasten und die gängigen Lösch- und Einfügetasten, hängt bis heute sehr vom jeweiligen Hersteller ab.

So sind die Layouts von Notebook- und Laptop-Tastaturen oft eher kreative, als gängige Lösungen. Auch der berühmte, von IBM für den PC eingeführte Ziffernblock findet sich je nach Platz im Gehäuse gar nicht – was aber nicht stört, weil im Standardlayout die Ziffern von 1 bis 0 oberhalb der Buchstabentasten liegen. Die meisten virtuellen Tastaturen für iOS- und Android-Maschinchen ahmen klassische PC-Tastaturen Eins-zu-eins nach. Dafür aber denken sich die Programmierer von Tastenanordnungen anderer Systeme – beispielsweise an Smart-TVs – die ulkigsten Sachen aus. Am häufigsten findet man dort alphabetisch sortierte Belegungen, aber auch in 5-mal-5-Rastern angeordnete Lettern können einem da über den Weg laufen.

Eine Tastatur im Dvorak-Layout (Foto: via Wikimedia, siehe Bildnachweis unten)
Eine Tastatur im Dvorak-Layout (Foto: via Wikimedia, siehe Bildnachweis unten)

Wie physische und virtuelle Tastaturen heutzutage überwiegend aussehen, ist eine Mischung aus den Traditionen der Schreibmaschine, den Anforderungen der Programmierer und den Erfordernissen der Computersteuerung. Das Keyboard in seiner Funktion als Eingabegerät für längere Texte wird schon seit den 80er-Jahren nicht mehr besonders berücksichtigt. Das hat einen gute und einen schlechten Grund. Gut ist die QWERTY-Anordnung für Menschen, die noch das Zehnfinger-Blind-System gelernt haben und beherrschen, also vorwiegend Leute, die ihr Geld mit dem Verfertigen von Texten verdienen. Schlecht an der Entwicklung ist, dass die Steuerungsfunktionen in höherem Maße berücksichtigt wurden. Und dagegen gab es immer mal wieder Widerstand in Form alternativer Layouts – hier vor allem die in den 30er-Jahren entwickelte Dvorak-Tastenbelegung, die flüssiges Tippen fördert, sich aber nie durchsetzen konnte.

Bei der Typenhebelmaschine bewirkt ein Tastendruck, dass sich ein Hebel, der eine Letter – also beispielsweise das große und das kleine A – trägt aus dem Typenhebelkorb in Richtung Farbband und Papierwalze bewegt und dort die gewählte Letter quasi aufs Papier stempelt. Apropos: Der Stempel, der sich aus dem Siegel entwickelte, ist der Urvater aller beweglichen Lettern, der grundlegenden Erfindung des Herrn Gutenberg, der den Buchdruck, aber eben auch die Schreibmaschine ermöglichte. Entscheidend dafür, wie fett das Zeichen aufs Papier kommt, ist die physische Stärke des Tastendrucks. Für die armen Menschen, die beruflich zu tippen hatten, teils acht Stunden pro Tag an sechs Tagen die Woche, war die Erfindung der elektrischen Schreibmaschine ein Segen.

Das Innere einer elektrischen IBM-72-Schreibmaschine (Foto: via Wikimedia - siehe Bildnachweis unten)
Das Innere einer elektrischen IBM-72-Schreibmaschine (Foto: via Wikimedia – siehe Bildnachweis unten)

Obwohl ein gewisser George Blickensderfer schon 1902 eine solche elektrisch betriebene Maschine auf den Markt warf, begann die Massenfertigung solcher Typewriter erst in den 30er-Jahren. Zwischendurch hatte man mit alternativen Hebelsystemen und sogar Pressluft zur Erleichterung der Tipparbeit experimentiert. Die elektrische Schreibmaschine mit Typenhebeln funktioniert so, dass der eigentliche Tastendruck über eine elektrisch betriebene Walze verstärkt wird – noch heute werden Maschinen mit diesem Prinzip gefertigt. Ohne die Historie der Schreibmaschine an dieser Stelle zu sehr auszudehnen: Kugelkopf- und Typenrad- sowie Speicherschreibmaschinen wurden zu den evolutionären Höhepunkten dieser Maschinengattung.

Natürlich ist es kein Zufall, dass ausgerechnet IBM federführend in Sachen PC-Tastaturen wurde. Schließlich hatte das Unternehmen den Markt mit seinen Kugelkopfschreibmaschinen den Markt im Sturm erobert. Und so schwärmen heute noch viele Anwender:innen von den Keyboards an den IBM-Computern, vor allem von der am AT. Die war mechanisch mehr als robust mit einer metallenen Grundplatte, deshalb enorm schwer und mit Tasten ausgestattet, die unkaputtbar erschienen. Und dann das Geräusch! Satt und mechanisch…

Die höchst beliebte IBM-AT-Tastatur (Foto: via Wikimedia, siehe Bildnachweis unten)
Die höchst beliebte IBM-AT-Tastatur (Foto: via Wikimedia, siehe Bildnachweis unten)

An den mechanischen Prinzipien hat sich wenig geändert seitdem. Immer noch beherrschen mechanisch gefederte Tastaturen die Keyboard-Welt. Die lösen ein Grundproblem aller Tasten nämlich ausgesprochen zuverlässig: Wie die Taste nach dem Drücken wieder in ihre Ausgangslage zurückkehrt. Bei der Typenhebelschreibmaschine löst das die Schwerkraft, denn der angeschlagene Hebel fällt allein von der Gravitation getrieben in seine Ausgangslage – oder maximal beschleunigt durch eine Spiralfeder. Die kam über viele Jahre auch in Computertastaturen zum Einsatz, nahm aber viel Platz ein und erhöhte das Gesamtgewicht.

Heute werden die meisten Tasten mit rechteckigen Drahtfedern zurückgeholt, die nach dem Liegestuhlprinzip funktionieren. Bei speziellen Tastaturen, zum Beispiel fakt- oder rollbaren, setzen die Hersteller aber immer noch auf Gummidome. Ein solches halbkugeliges, hohles Stück Gummi wird beim Betätigen der Taste zusammengedrückt und springt nach dem Loslassen wieder zurück in die alte Form. Solchen Tastaturen ist kein sehr langes Leben beschieden, weil der Gummi altert und nach und nach seine Elastizität verliert.

Angeblich ergonomische Tastatur im Halbkreis-Layout (Foto: via Wikimedia, siehe Bildnachweis unten)
Angeblich ergonomische Tastatur im Halbkreis-Layout (Foto: via Wikimedia, siehe Bildnachweis unten)

Auch wenn es ein wenig beachtetes Spielfeld der Computertechnik ist: Auf diesem mechanischen Gebiet haben vor allem bekannte Spezialisten wie Cherry oder Logitech Enormes geleistet und die bekannten Methoden immer weiter verfeinert und verbessert. So sind die aktuelle Tastaturen kaum noch empfindlich gegen eindringende Flüssigkeiten – der durch eine umgekippte Kaffeetaste ausgelöste GAU gehört beinahe schon der Geschichte an. Dafür können Brot- und andere Krümmel auf eine Tastatur auf mittlere Sicht unbrauchbar machen.

Und dann sind da noch die Beschriftungen, die durch Schmutz unlesbar, verblassen oder sonstwie unlesbar werden können. Früher waren dreckige Tasten ein kleines Problem, für das der folgende Life-Hack weltberühmt wurde. Bevor man die Tasten aus dem Keyboard löste, so der Tipp, sollte man ein Foto oder eine Zeichnung anfertigen, damit man beim Zusammenbau wieder jeden Knopf in seine richtige Lücke setzen konnte. Die abgezogenen Tasten sollte man nun einen Waschbeutel tun oder in Socken, deren Öffnung man verknotete, und dann bei 30 Grad mit einem milden Mittel in der Maschine waschen. Heute ist es so, dass nur noch Spezialwerkstätten defekte Tasten auswechseln können.

Sind Innovationen in Sachen Tipperei zu erwarten? Eher nicht. Selbst auf dem Gebiet der virtuellen Tastaturen sind die Möglichkeiten mittlerweile ausgereizt, sowohl die der automatischen Texterkennung samt Autofill-Funktion, als auch bei möglichen Layouts oder alternativen Bedienkonzepten (Wischen etc.). Die Menschen haben sich daran gewöhnt, Text und Zahlen auf dem Smartphone oder Tablet genauso einzugeben wie auf dem guten, alten Computer.

[Bildnachweis – Titelbild: pixabay; AT-Keyborad: Jleedev via Wikimedia unter der Lizenz CC BY-SA 3.0; halbrunde Tastatur: Stefan Kühn via Wikimedia unter der Lizenz CC BY-SA 3.0; Dvorak-Layout: Karl432 via Wikimedia unter der Lizenz CC BY-SA 4.0; elektrische IBM 72: Gename via Wikimedia unter der Lizenz CC BY-SA 3.0]

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