Die Mutter aller Floppys - ein 8"-Diskettenlaufwerk (Foto: siehe Bildnachweis unten)

Als es noch Disketten gab, die Floppys hießen…

Sprechen Sie mir nach: Fünf-Ein-Viertel-Zoll-Diskette. Na, wann haben Sie dieses Wort zum letzten Mal in einem ganz normalen Gespräch verwendet? Es dürfte mindestens 30, wenn nicht 35 Jahre her sein, denn die Floppydisk war Mitte der Achtzigerjahre schon so gut wie tot – die modernen Rechner wie der Atari ST und der Commodore Amiga mit ihren 3,5″-Laufwerken hatten ihr das Grab geschaufelt. Verrückt genug, dass die weiche Magnetscheibe in der schwarzen Pappe nun schon um ein Vielfaches länger in der Walhalla der Homecomputerei weilt als sie im realen Einsatz war. Denn die 5,25″-Diskette beherrschte nicht einmal zehn Jahre lang die Welt der Datenträger.

Zumal sie in den Zeiten der 64er und der Sinclair-Computerchen schon die Luxusvariante darstellten. Denn Diskettenlaufwerke sind mechanisch kompliziert, aufwändig in der Herstellung und deswegen teuer. So waren Ende der Siebzigerjahre Kompaktkassetten, also Kassetten, die für die Aufzeichnung von Musik gedacht waren, noch vielfach Datenträger der Wahl. Ja, bei den ersten Sinclair-Rechnern dienten noch simple Kassettenrekorder als Abspielgerät – da bot Commodore bereits die legendäre Datasette an.

Größenvergleich: Von der 8"- bis zur 3"-Diskette (Foto: siehe Bildnachweis unten)
Größenvergleich: Von der 8″- bis zur 3″-Diskette (Foto: siehe Bildnachweis unten)

In Vorbereitung auf diesen Artikel ging ich in den Kramkisten meiner digitalen Vergangenheit auf die Suche. Jahrelang hing eine gerahmte 8″-Diskette hinter Glas über meinem Schreibtisch; dieses Objekt ist irgendwann einfach verlorengegangen. Auch einen dieser damals unvermeidlichen Diskettenkästen hatte ich archiviert – verschwunden. Wer erinnert sich nicht an diese computerbeigen Wannen mit Plexiglasdeckel, natürlich mit einem Schloss zum Abschließen. Das Aufbewahrungssystem aus stapelbaren, gut 25 Zentimeter langen Schubladen für 3,5″-Disketten war nicht mehr auffindbar. Dafür aber immerhin ein originalverpacktes Microsoft Office von ca. 1995 mit sage und schreibe 32 Disketten!

Robuste Mechanik - ein klassisches 5,25"-Laufwerk (Foto: siehe Bildnachweis unten)
Robuste Mechanik – ein klassisches 5,25″-Laufwerk (Foto: siehe Bildnachweis unten)

Die Urmutter der magnetischen Datenträger ist die 1969/70 von IBM eingeführte Acht-Zoll-Diskette. Es heißt immer, Alan Shugart habe sie „erfunden“, tatsächlich aber war der gute Alan lediglich der Leiter des entsprechenden Entwickler-Teams. Der Auftrag bestand darin etwas zu entwickeln, mit dem man die schweren, unhandlichen Magnetplattenstapel durch leichtere, transportablere Datenträger ersetzen könnte. Die wesentliche Erfindung der IBMler bestand darin, das Prinzip der magnetischen Datenspeicherung auf mit Eisenoxid (oder ähnliches magnetisierbares Material) beschichtete Folien zu übertragen, eine alltagstaugliche Hülle zu entwerfen und die Mechanik für das zugehörige Laufwerk zu gestalten.

Tatsächlich ließen sich die ersten 8″-Disketten nicht mit den Laufwerken beschreiben; sie dienten zunächst nur dazu, die IBM-Systemsoftware leichter zu verteilen. Schreibfähige Laufwerke entwickelten Shugart und seine Kollegen erst nachdem er zu Memorex gewechselt war. Übrigens: Das erste Diskettenlaufwerk für System/370-Maschinen, das Daten nicht nur lesen, sondern auch schreiben (und löschen) konnte, kostete 1972 mehr als 12.000 DM. In Relation zu den Kosten eines IBM-Systems ein Klacks, aber immerhin ungefähr so teuer wie drei VW Käfer…

Disketten-"Erfinder" Alan Shugart (Screenshot computerhistory.com)
Disketten-„Erfinder“ Alan Shugart (Screenshot computerhistory.com)

Was Alan getrieben hat, a) eine eigene Firma zu gründen, b) ein neues Floppy-Format zu entwickeln und c) Laufwerke für den Massenmarkt zu designen, ist nicht überliefert. Dies bereits 1973 zu tun, war jedenfalls ausgesprochen mutig und prophetisch, denn einen Massenmarkt gab es ja noch gar nicht. Mr. Shugart stieß sich deshalb auch nicht an den Umsätzen seiner gleichnamigen Firma gesund, sondern später an den Einnahmen aus den Lizenzen seiner Patente. Ihm zu Ehren wurde der De-facto-Standard für die Schnittstellen von Laufwerken zu Computern einfach „Shugart“ getauft.

Tatsächlich entschieden sich alle Hersteller von Minicomputern (z.B. DEC) und die ersten Macher von persönlichen Computern für die Fünf-Ein-Viertel-Zoll-Diskette als Datenträger. Die schwarzen Quadrate mit der runden Folie im Inneren, die einen Durchmesser von 130 Millimetern aufwies, ließen sich preiswert und massenhaft herstellen und verfügten über eine für damalige Verhältnisse ausreichende Kapazität. Funfact: Dass die Maße bei Disketten immer in Zoll angegeben werden, ist ein Zugeständnis an die Amis, die sich mit metrischen Werten nicht so gut auskennen; tatsächlich sind die Durchmesser immer in Millimeterwerten ohne Nachkommastellen darstellbar.

Auch schon ein Museumsstück: 3,5"-USB-Laufwerk (Foto: siehe Bildnachweis untent)
Auch schon ein Museumsstück: 3,5″-USB-Laufwerk (Foto: siehe Bildnachweis untent)

Der Hunger nach mehr Speicher auf den Scheiben wuchs stetig. Nachdem die ersten Floppys nur auf einer Seite magnetisierbar waren und die Laufwerke auch nur Schreib-Leseköpfe für diese eine Seite besaßen, kam die „double sided“ Disk (DS) schon 1975 auf den Markt. Aus anfangs nur rund 100 Kilobyte wurden so zunächst 180 KB. Später nannte man dieses Format DSSD, wobei „SD“ für „single density“ stand. Bereits 1978 kamen dann DSDD mit doppelter Datendichte (DD), 1984 waren schließlich DSHD mit 1.200 KB Standard. Die Datendichte war zunächst begrenzt durch die Herstellungsprozesse beim Beschichten der Folie, später durch die mechanischen Beschränkungen der Schreib-/Leseköpfe. Mit „high density“ war dann aber auch das Prinzip der großen, weichen Scheibe in der biegsamen Hülle ausgereizt.

Denn die unvermeidliche physische Beanspruchung führte in der Regel zu mikroskopisch kleinen Beschädigungen, die wiederum potenziell Datenverlust nach sich zogen. Ähnlich wie bei der Festplatte hatten die Erfinder aber softwareseitig für Redundanzen gesorgt, sodass ein Staubkorn nicht gleich eine ganze Datei killte. Außerdem waren Floppys dramatisch empfindlich gegen magnetische Kräfte von außen. Solch ein Ding einen Tag neben dem Fernseher vergessen zu haben, konnte schon die Löschung der Daten bedeuten. Es galt also, ein robusteres Format zu erfinden. Und das tat die Firma Sony, die 1981 eine Diskette mit festem Plastikgehäuse vorstellte, das exakt 90 Millimeter breit ist – was umgerechnet etwa dreieinhalb Zoll entsprach. Als magnetischer Datenträger fungierte nicht mehr eine Folie, sondern eine dünne Metallscheibe.

Der legendäre Diskettenlocher zum Verdoppeln der Kapazität (Foto: siehe Bildnachweis unten)
Der legendäre Diskettenlocher zum Verdoppeln der Kapazität (Foto: siehe Bildnachweis unten)

Mechanisch waren 3,5″-Disketten deshalb um ein Vielfaches robuster, gegen Behandlung mit Magneten aber genauso empfindlich wie ihre weichen Vorgänger. Diese Dinger konnten anfangs nur 360 KB (einseitig) speichern, die zugehörigen Laufwerke waren enorm teuer. Aber schon 1984 kam dann die DSDD, also doppelseitige 3,5″-Diskette mit doppelter Datendichte, die eine Kapazität von 720 KB hatte. Der HD-Standard mit 1.440 KB, der 1987 eingeführt wurde, hatte dann – zumindest in der Masse – bis zum Auslaufen der Dreieinhalb-Zoll-Ära in den frühen Nullerjahren Bestand. Und, nein, nicht die CD bzw. CD-ROM machte der Diskette den Garaus, sondern der Preisverfall beim Flashspeicher, der zu immer billigeren USB-Sticks mit immer höherer Kapazität führte.

Es waren also kaum zwanzig Jahre, in denen Disketten die Welt der mobilen Datenspeicherung beherrschten. Besonders spannend waren natürlich die ersten Jahre der Floppy im Homecomputer-Einsatz. Man denke nur an den legendären Diskettenlocher, mit dem man aus einer einseitig genutzten, eine beidseitig beschreibbare Diskette machen konnte, oder an die allgegenwärtigen Löschmagneten, die das Leeren einer Scheibe in Zehntelsekunden erledigten, während derselbe Vorgang per Befehl im Laufwerk etliche Minuten dauern konnte. Man erinnere sich an Frickler, die es schafften, die Kapazität durch Betriebssystemtricks zu erhöhen. Und wir alle haben doch noch die Geräusche im Ohr, die ein Diskettenlaufwerk bei der Arbeit macht.

[In Ermangelung fotografierbarer Dinge im eigenen Besitz stammen alle Fotos in diesem Artikel aus der Wikimedia; hier der Bildnachweis – Titelbild (8″-Laufwerk): Swtpc6800 via Wikimedia in der public domain; Größenvergleich: Walter Koch via Wikimedia unter der Lizenz CC BY-SA 4.0; 5,25″-Laufwerk: MOS6502 via Wikimedia unter der Lizenz CC BY-SA 3.0; USB-Laufwerk: Knife-thrower via Wikimedia unter der Lizenz CC BY-SA 3.0; Diskettenlocher: Standardiussue via Wikimedia in der public domain;]

Ein Gedanke zu „Als es noch Disketten gab, die Floppys hießen…“

  1. Interessanterweise waren und sind (bei mir, natürlich nicht repräsentativ) die schwarzen floppys die haltbarsten, insb die mit geringer Datendichte. C64 Disks funktionieren immer noch problemlos. Ich vermute das liegt an den „riesigen“ stellen, wo magnetisiert ist, dh wenn die Magnetisierung etwas nachgelassen hat und der Kopf etwas verstellt, dann kommt da immer noch eine 1 an.
    Mit 3,5 Zoll Disketten gab es viel mehr Probleme. Aber vielleicht trügt da auch etwas die Erinnerung, denn gerade Ende der 90 er ließ sowohl die Qualität der Disketten als auch der Laufwerke merklich nach. Da waren Disketten schon nach 10x nutzen defekt oder hätten Lesefehler…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.