Comdex '87: Endlich mal nach Las Vegas...

Comdex ’87: Wie mich die Beastie Boys auf dem Strip überholten

Nein, nein, wir Computerschreiberlinge der Achtzigerjahre waren weder Superhelden, noch Weltreisende. Besonders dann, wenn wir bei Data Becker in Lohn und Brot standen. Reisen zu den großen Messen oder gar Besuchstouren in fernen Ländern waren dem Doc vorbehalten, denn ein bisschen verstand sich Dr. Achim Becker auch als Journalist. Natürlich “mussten” wir zur CeBIT, zur Systems und zur Orgatec (Wer kennt die noch?), aber schon ein Besuch bei einer Computermesse im Vereinigten Königreich galt als Incentive. Wir sehr freute mich deshalb darüber, dass ich im November 1987 eine Dienstreise nach Las Vegas zur legendären Comdex antreten durfte. Wie ich dort Bill Gates mehr oder weniger persönlich kennenlernte, habe ich andernorts ja schon geschildert. Aber auch der Rest der fünf Tage war deutlich skurril – z.B. die Begegnung mit den Beastie Boys.

Comdex '87 - The Largest Show Ever!
Comdex ’87 – The Largest Show Ever!
Die Veranstalter hatten mit dem Slogan geworben “The Largest Show Ever!”, aber wir europäischen Redakteure konnte angesichts der Größe der Halle und der Anzahl der Aussteller nur müde grinsen – wir kannten ja die CeBIT, die damals ungefähr zehnmal so groß war. Gut, viele Veranstaltungen, von denen etliche nicht offiziell waren, sondern arrangierte Events mit Firmenchefs in Hotelsuiten, fanden nicht auf dem putzigen Messegelände statt, sondern sonst wo im Ort. Ja, man munkelte, es gäbe auch Shuttle-Busse, aber in der Realität der typisch US-amerikanischen Desorganisation existierte nur eine Verbindung von der Messe zum Flamingo Hilton. Da es andererseits im Vegas jener Jahre überall riesige Parkflächen zwischen den relevanten Blocks gab, konnte man am besten mit dem Mietwagen herumkutschieren.

Und so sahen die Beastie Boys 1987 aus
Und so sahen die Beastie Boys 1987 aus
Als passionierter Fußgänger konnte ich aber nicht an mich halten, zumindest den Strip und die daran liegenden Casinos und Hotels per pedes zu erforschen. Nun hatte ich sehr unter dem Jetlag zu leiden, was dazu führte, dass ich ausgesprochen nachtaktiv agierte. Nachdem ich innerhalb einer Stunde zum dritten Mal von einer Polizeistreife angehalten worden war, wurde mir klar, dass es keine brillante Idee ist, nachts zu Fuß durch Sin City zu wandern. Aber selbst bei Tageslicht machte man sich verdächtig – mehr als einmal begleitete mich ein Cop-Auto im Schritttempo bei meinen Spaziergängen.

Google-Map: So sieht der Strip heute aus
Google-Map: So sieht der Strip heute aus
Nur im heißen Stück des Las Vegas Boulevard, den sie damals wie heute kurz “Strip” nennen, traf man auf Passanten, die ganz ohne Auto von einem Casino zum nächsten bewegten. Und damals waren es ja noch die klassischen Casinos und Hotels, die man aus den Gangsterfilmen der Sechzigerjahre kannte… Es war sonnig, es war warm, und ich überlegte, in welchem dieser berühmten Casinos ich meinen Burger zum Mittag nehmen sollte, als sich von Süden her ein Geräusch näherte, das sich nach fernem Donner anhörte. Fast alle Leute blieben stehen und blickten in dieselbe Richtung. Der Krach wurde lauter und ließ sich immer mehr als gleichmäßiges Wummern fetter Bässe identifizieren. Und dann kam ein dicker, weißer Van langsam heran, beide Schiebetüren geöffnet, darin wirklich schlimme Lautsprecher boxen und ausgesprochen deftiger Hip-Hop-Musik, quer über die Fronthaube in Rot der Schriftzug “Beastie Boys“. Zunächst dachten alle, es handele sich um ausgeflippte Fans der Formation, aber dann hielt das Gefährt vor dem “Sands” an, drei Burschen kletterten heraus, direkt vor einer Meute wild klickender Fotografen. Es waren die Beastie Boys themselves, die an jenem Tag bei irgendeiner TV-Show zu Gast waren, die von Las Vegas aus versendet wurde.

Und was dieses Erlebnis mit der Geschichte der Computerei im Allgemeinen und der Comdex im Speziellen zu tun hat? Nichts. Aber ich erzähl die Story immer wieder gerne und wollte sie den Freundinnen und Freunden der Digisaurier nicht vorenthalten.

[Titelfoto: Thomas Wolf, www.foto-tw.de / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0]

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