DeepL kann auch klassische Dichtung... (Screenshot)

Der DeepL-Translator: Wenn die KI zum Übersetzer wird

Die Übersetzungen des Google Translators sorgen gern mal für einen Lacher, besonders wenn ein Text aus einer eher exotischen Sprachen ins Deutsche oder Englische übertragen wird. Dabei ist die Technik, die Google genau wie Microsoft anwenden, an sich hochmodern. Die Maschine ist ein KI-System, in der rekurrente neuronale Netze (RNN) wirken. Aber das Kölner Unternehmen DeepL GmbH (früher: Linguee) übertrifft die Branchengiganten bei Weitem, weil es bei seinem Übersetzer auf CNN (Convolutional Neural Networks) setzt.

Diese Variante eignet sich für besonders gut für maschinelles Lernen, erfordert aber deutlich mehr Rechenkapazität als RNNs – vermutlich der Grund, weshalb Google und Microsoft bei ihren Übersetzern den anderen Weg gehen. Tatsächlich sind die Ergebnisse der klassischen Translator-Services besser als ihr Ruf, um aber komplexe Texte, zum Beispiel solche, die für Websites gebraucht werden, auf hohem Niveau in eine andere Sprache zu übertragen, ist in aller Regel viel Nacharbeit durch professionelle Übersetzer nötig.

DeepL schlägt den Google Translator

Ganz anders bei DeepL. In einem Blindtest, bei dem fast 120 Textpassagen aus den unterschiedlichsten Bereichen von DeepL zwischen den europäischen Sprachen Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch hin und her übersetzt wurden, sollten professionelle Übersetzer die Qualität beurteilen. Am Ende stand ein klarer Sieg von DeepL über Google, Microsoft und auch Amazon. Das liegt aber nicht nur an der eingesetzten KI-Technologie, sondern auch an den Trainingsmethoden.

DeepL im Vergleich mit anderen Übersetzern (Screenshot)
DeepL im Vergleich mit anderen Übersetzern (Screenshot)
Testet man den Service zwischen zwei Sprachen, in denen man heimisch ist, wird man immer wieder verblüfft, denn es erscheint oft so, als würde DeepL den vorgelegten Text „verstehen“, also den Sinn und Kontext erfassen und diese Erkenntnis zur Grundlage der Übersetzung machen – so gehen Profis der Dolmetscherbranche vor.
Die übrigens gerade bei Fachtexten vor der Arbeit ein Glossar des jeweiligen Jargons mit den wichtigsten Fachtermini anlegen. Genau das können DeepL-User ebenfalls tun – jedenfalls in der Pro-Version.

Der Vorsprung von DeepL vor Google & Co. wächst

Ausgangspunkt für DeepL, das dem Unternehmen inzwischen den Namen gibt, war die Gründung der Linguee GmbH im Jahr 2008 durch Gereon Frahling und Leonard Fink in Köln. Innerhalb kürzester Zeit bauten sie Wörterbücher für inzwischen 26 Sprachen auf, indem sie buchstäblich Milliarden frei verfügbarer Dokumente analysierten. So kommt es, dass man auf Linguee nicht nur die üblichen Eintragungen eines Wörterbuches findet, sondern teils Dutzende Beispiele für die Anwendung in existierenden, professionellen Übersetzungen.

DeepL kann auch (vereinfachtes) Chinesich (Screenshot)

Der aktuelle, nach Angaben des Unternehmens bald stark wachsende technologische Vorsprung hat seine Ursache sicher in der Qualifikation der Gründer. So ist Gereon Frahling von Hause aus Mathematiker und hält einen Doktortitel in theoretischer Informatik. Schon in der Linguee-Phase wurde das Startup-Unternehmen mit Preise und Ehrungen ausgezeichnet und fand problemlos Investoren.

So lässt sich DeepL nutzen

Der Webservice kann mit Einschränkungen bei der Anzahl der Übersetzungen pro Monat und der jeweiligen Zeichenzahl kostenlos genutzt werden. Für Windows und Mac stehen Apps zum kostenlosen Download bereit, mit denen man direkt aus Anwendungsprogrammen heraus Passagen übersetzen kann. Für rund 6 Euro im Monat gibt es das Starterpaket für maximal fünf Übersetzungen beliebiger Länge im Monat, bis zwanzig Übertragungen dürfen es für 20 Euro sein, und das große Abo für 40 Euro erlaubt hundert Übersetzungen.
Aktuell stehen die folgenden Sprachen zur Verfügung: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch, brasilianisches Portugiesisch, Italienisch, Niederländisch, Polnisch, Russisch, Japanisch und (vereinfachtes) Mandarin. Weil die zum Unternehmen gehörenden Linguee-Wörterbücher inzwischen in 26 Sprachen vorliegen, steht zu erwarten, dass bei DeepL weitere Sprachen folgen werden.

Genau wie die Translator-Services von Google, Microsoft, Facebook und Amazon setzt DeepL auf ein KI-System mit neuronalen Netzen, allerdings mit einer Methodik, die deutlich mehr Computing-Power verlangt. Der Aufwand lohnt sich, denn DeepL-Übersetzungen sind um ein Vielfaches besser als die der Konkurrenz. Für DeepL-Pro-Abonnenten wird Mehrsprachigkeit von Websites buchstäblich zum Kinderspiel.

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