Digitalisier das, Teil 3: CDs verlustfrei rippen

Da liegen sie in Umzugskartons. All meine CDs. 500 mögen es sein, vielleicht 600. Die CDs kommen weg – auf den Dachboden. Habe eh alles auf Festplatte. Wobei es da ein noch ein Problem gibt. Eines, das mich eine Weile beschäftigen wird. Denn alle meine CDs sind zwar gerippt – sprich auf Computer-Festplatte überspielt – allerdings wahlweise als MP3 oder AAC. Das sind Platz sparende Formate. Aber sie gehen auf Kosten der Wiedergabequalität.

Also fasse ich einen Entschluss: Alle CDs noch einmal rippen.

Alles noch einmal von vorne

Als ich damals mit dem Rippen der CDs anfing – es muss so um 1995/1996 herum gewesen sein – hatte ich wenig Platz auf der Festplatte. 2 GByte waren schon viel. Damals war der Speicher so knapp, dass ich die Musikdateien möglichst klein halten wollte. Also habe ich MP3 als Ausgabeformat gewählt.

Nach meinem Umstieg auf den Mac habe ich einen Großteil meiner CDs nochmals gerippt. Diesmal als AAC-Dateien mit einer höheren Datenrate. Aber auch hier gibt es Qualitätsverluste. Gut, meistens stören die mich nicht, ich bin mir nicht einmal sicher, ob wirklich Unterschiede raushöre. Allerdings treibt mich folgender Gedanke: Ich will die Musik in höchst möglicher Qualität archivieren, damit die CDs für lange Zeit auf den Dachboden können. Runterrechnen geht später immer noch.

Also sitze ich vor dem Mac und lasse die Silberscheiben erneut durchlaufen. Diesmal im Apple Lossless Codec. Denn Festplattenplatz ist kein Thema mehr.

Ich starte mit einem Fehler

Ich mache einen Fehler, gleich am Anfang. Warum? Ich bin über 30 Jahre im Geschäft mit Computern und IT und sollte es besser wissen. Aber irgendwie habe ich ein naives Grundvertrauen in Software behalten. Sogar in  iTunes.

Ich denke: „Nimm die Mediathek mit den alten MP3 und AAC-Dateien und rippe die CDs dort noch einmal lossless hinein. iTunes wird das richtige tun und die alten Dateien ersetzen.“ Toller Gedanke. Aber leider Blödsinn. Denn iTunes überspielt zwar bereits vorhandene Musikdateien mit den neuen Versionen – aber nur dann, wenn Name und Album exakt übereinstimmen. Ist das nicht der Fall, erzeugt iTunes Dubletten – sowohl bei Musikstücken wie auch bei Alben. Ein Chaos.

Gaaanz ruhig bleiben: Beim Überschreiben von Songs macht iTunes Fehler. Oft liegt es an unterschiedlichen Schreibweisen.
Gaaanz ruhig bleiben: Beim Überschreiben von Songs macht iTunes Fehler. Oft liegt es an unterschiedlichen Schreibweisen.

Nach einem vergeblichen Versuch, die Musikstücke nachträglich zu sortieren, entscheide ich mich für einen klaren Schnitt. Alte iTunes-Mediathek wegsichern, neue anlegen.

Danach läuft es besser – bis auf seltsame Fragen von iTunes. So soll ich mich beim Live-Album „Tokyo Tapes“ der Scorpions zwischen gleich lautenden CD-Namen entscheiden. Aber gut. Musik ist eben nicht exakt.

Ähm, welche soll ich nun nehmen? Wo bitte ist der Unterschied?
Ähm, welche soll ich nun nehmen? Wo bitte ist der Unterschied?

Ein weiteres Apple-Problem beim Rippen sind die Album-Cover. Die kann ich per Menübefehl aus dem Internet nachladen lassen. Nur ist in diesem Fall das Internet ziemlich leer. Zumindest der Teil, aus dem Apple die Album-Cover holt. Ich bekomme vielleicht für die Hälfte der digitalisierten Alben die Titelbilder. Bei allen anderen heißt es: „Das Albumcover wurde nicht gefunden“.

iTunes findet bei weitem nicht alle Cover.
iTunes findet bei weitem nicht alle Cover.

Wobei: Wenn ich mir so manche Cover in meiner CD-Sammlung ansehe, ist das auch gut. Ich frage mich ob die Designer damals zu viel oder zu wenig geraucht haben…

Nicht immer geschmackssicher, diese Cover alter Rockbands. Aber Hauptsache, der Knochen ist lecker.
Nicht immer geschmackssicher, die Cover alter Rockbands. Aber Hauptsache, der Knochen ist lecker.

Jede CD in die Hand nehmen

Die Reise durch meine CD-Sammlung lohnt sich. Es ist spannend, mal wieder jede einzelne CD in die Hand zu nehmen, die ich gekauft habe. Darunter zum Beispiel auch jene von Level 42. Denn das war die erste CD, die ich einst gerippt habe. Damals noch unter Windows. Und – ich bin mir sicher – sie ist auch die am seltensten gehörte CD in meiner MP3-Sammlung. Denn Level 42 macht mich nervös.

Es geht langsam

Seit dem Start der Aktion ist fast ein Monat vergangen. Noch wartet ein Umzugskarton mit CDs auf mich. An guten Tagen schaffe ich 40, vielleicht 50 CDs, die ich nebenher einlege und einlesen lasse. Wenn ich nicht so viel nebenbei machen kann, reicht es nur für fünf oder zehn Silberscheiben.

Immerhin läuft iTunes automatisch: Ich muss nur warten, bis das Programm eine CD auswirft, dann eine neue einlegen und weiter geht’s. Warum allerdings iTunes bei jedem CD-Wechsel sein Programmfenster in den Vordergrund drängen muss und mich bei der Arbeit stört, erschließt sich mir nicht.


Mit den Ergebnissen bin ich ganz zufrieden – iTunes frisst brav jede CD, ignoriert Macken und seltsame Kopierschutzmechanismen. Und wenn ich dann durch bin, kommen die CDs endlich nach oben auf den Dachboden. Denn im Arbeitszimmer nehmen die doch nur Platz weg. Und ich habe nicht einmal mehr einen CD-Player :)

Comments

comments

2 Gedanken zu „Digitalisier das, Teil 3: CDs verlustfrei rippen“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.