Frisch wie eh und je - Titel der aktuellen c't 20/2022 (Foto: Digisaurier)

Gibt es die c’t eigentlich noch? – eine Hommage

Vor mir liegt die Ausgabe 20/2022 der vielleicht einflussreichsten deutschsprachigen Computerzeitschrift aller Zeiten. Als wir 1983 aus dem Katalog des Hauses Data Becker die DATA WELT machten, schauten wir mit maximalem Respekt zu genau zwei Publikationen auf: zur CHIP und eben zur c’t. Schauen wir auf die heutige Landschaft der Printmagazine zu digitalen Themen, sind es genau diese beiden Titel, die überlebt haben. Während die CHIP zu einem Allzweckblatt für allerlei Tests und Themen degeneriert ist, ist die c’t geblieben, was sie immer war: das Magazin für Computertechnik.

Im Jahr 2013 feierte die Zeitschrift ihren 30. Geburtstag, seit diesem Tag steht im Foyer des Heise-Verlags ein Turm aus den 587 bis dahin erschienen Ausgaben. Jetzt stehen wir ein Jahr vor dem 40. Jubiläum, und die c’t macht immer weiter und weiter. Dass ein Blatt, dessen Lektüre einiges an computertechnischen Grundwissen erfordert, auch heute noch auf eine verbreitete Auflage von über 190.000 kommt, ist ein Wunder. Dass sich ein Fachmagazin, das sich nie an irgendwelche Trends gehängt hat, bis heute überlebt hat, ist eine Leistung.

Der Turm der Ausgaben zum 30. Geburtstag (Foto via Wikimedia - siehe unten)
Der Turm der Ausgaben zum 30. Geburtstag (Foto via Wikimedia – siehe unten)

Zugegeben: Anfangs waren wir Computerschreiberlinge mit den Inhalten der c’t oft überfordert. Es hieß: Das können doch nur Systemadministratoren und Programmierer verstehen. Wir waren über den Erfolg der Zeitschrift überrascht. Und dieser Erfolg war gigantisch. Und zwar nicht nur in Bezug auf die Auflage und vor allem die Zahl der Abonnenten. Nein, die c’t war auch für den Verlag eine Goldgrube. Denn das Ding galt beinahe allen Anbieter von professioneller Hard- und Software als DIE Plattform für Anzeigenwerbung.

Legendär sind die Vergleichstests - ohne Testsieger (Foto: Digisaurier)
Legendär sind die Vergleichstests – ohne Testsieger (Foto: Digisaurier)

Deshalb wurde das Heft immer dicker; den Rekord hält die Ausgabe vom April 1997 mit sage und schreibe 614 Seiten! Wenn man überlegt, dass nicht selten die Hälfte der Seiten von Anzeigen belegt waren (und die waren nicht wirklich preisgünstig), kann man sich ungefähr ausrechnen, welche Umsätze im Heise-Verlag generiert wurden. Das alles ohne jede Anbiederung an die Werbekunden. Im Gegenteil: Die c’t war und ist immer unabhängig und zudem kritisch und meinungsstark. Das hat immer am hohen fachlichen und journalistischen Niveau der Redakteur:innen und Autor:innen gelegen und an der von Beginn an sorgfältigen Qualitätssicherung.

Die c't-Redaktion kann auch lustig - Weihnachtsgeschenktipps 2016 (Foto: heise/c't)
Die c’t-Redaktion kann auch lustig – Weihnachtsgeschenktipps 2016 (Foto: heise/c’t)

Standen in den ersten zehn Jahren vor allem Hardwarethemen jenseits der üblichen Vergleichstests populärer Devices und grundlegende Programmierthemen im Vordergrund, gelang es der c’t, sehr früh alle relevanten Online-Themen abzudecken. Als andere noch CompuServe für geschlagene Sahne hielten, waren die c’t-Leute schon einen Schritt weiter. Und Skandale haben sie aufgedeckt wie keine andere Computerzeitschrift.

Und heute? Okay, ich persönlich lese praktisch keine Druckerzeugnisse mehr, aber ab und an gönne ich mir die jeweils aktuelle Ausgabe der c’t für 5,90 Euro (Stand: September 2022). Alle 14 Tage gibt es das Magazin im Zeitschriftenhandel, und jedes Mal, wenn ich ein Heft kaufe, brauche ich mindestens zwei Wochen alles, was mich darin interessiert, zu lesen … und zu verstehen. Gab es Zeiten, in denen eine gewisse Linux-Arroganz die c’t beherrschte, deckt die aktuelle Redaktion nun alles ab, was für Menschen, die aktiv im Digitalen leben, von Belang ist.

Klar, es gibt auch immer noch Bastelanleitungen (Foto: Digisaurier)
Klar, es gibt auch immer noch Bastelanleitungen (Foto: Digisaurier)

Dazu zählt beispielsweise die Smarthome-Technik in Theorie und Praxis, aber auch Relevantes rund um Social Media sowie der gesamte Bereich der Smartphones. Für Fans von Einplatinencomputern wie dem Raspi ist die c’t Pflichtlektüre. Ja, selbst die guten, alten Selbstbauanleitungen für dieses und jenes finden sich immer noch in der c’t. Damit schlägt das Magazin den großen Bogen zu seinen Anfängen. Denn entstanden ist es aus der legendären Bastlerpostille elrad, die Anfang der Siebziger rauskam. Und die berief sich seinerzeit in vieler Hinsicht auf die noch viel legendärere Zeitschrift hobby, der Bibel für Bastler aller Arten, besonders für Radiobastler und Funkamateure, und die waren bekanntlich die aktiven Propheten der elektronischen Welt.

In diesem Sinne geht der Appell raus an alle Menschen, die das Wahre rund ums Digitale suchen: Kauft euch mal wieder eine c’t!

[Bildquellen – Turm der c’t-Ausgaben: Florian Schäffer via Wikimedia unter der Lizenz CC BY-SA 4.0]

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