Außer Kontrolle: Wie mich ein WLan Problem dick machte…

Kind der Digitalisierung (1 von 1)
Ich habe es damals nicht geahnt – aber ich wurde ein Kind der Digitalisierung… Und möppelig war ich da auch schon…

Ich bin ein Kind der Digitalisierung. Ein wohlgenährtes Kind – um genau zu sein. Einfach gesagt: ich neige zur Moppeligkeit und habe vor einigen Jahren (präzise wie mein elektronischer Trainingskalender weiß am 19.10 im Jahre des Bauches 2002) angefangen dem Thema Übergewicht mit der Hilfe von digitaler Technik im wahrsten Sinne des Wortes zu Leibe zu rücken. Das Radbild ganz oben zeigt es schon: Herzfrequenz-Uhr, GPS bei allen Outdoor-Aktivitäten. Aber auch Sport-Ergometer am Computer angeschlossen, schließlich ein elektronisches Online-Ernährungstagebuch und – eine WLan Waage… Ich war damit wohl einer der ganz frühen Selbstvermesser. Aber erst ein kaputter WLan Extender hat mir klar gemacht: man gewöhnt sich an digitale Werte über sich selbst. Und das ist gar nicht mal schlecht so. Selbst-Vermessung ist kein digitaler Quatsch sondern ein ordentliches Stück Bewußtsein schaffend. Wie die Waage die mich letztes Jahr dick gemacht hat beweist…

Barcelona Fitness Gadgets und Uhren (1 von 1)
Danke an Hannes Rügheimer – mein Mit-Digisaurier schickte mir Bilder der aktuellen Selbstvermesser-Szene aus Barcelona

Anlässlich der MW-Messe in Barcelona wird wieder viel über Gadgets geredet. Uhren die Körper-Infos sammeln und senden. Fitness-Tracker die Schritte zählen. Handys die Puls messen. und unzähliges mehr..  Auch Versicherungen machen schon von sich reden, indem sie Angebote für sozusagen digital “nachweisbares” gesundes Leben machen, die günstiger sind, als für “nicht-vermessene-Ichs” Hmmm… Ob ich das alles gut finde, wenn ich an Datensammelwut und Privatheit denke – weiß ich nicht genau. Wenn ich auch felsenfest davon ausgehe, dass das alles kommen wird. Und wir früher oder später in erheblichen Teilen mit diesem Einblick in unser Leben leben werden. Aber ich kann eines nach geraumer Zeit sagen: für mich selbst, haben diese Körper und Gesundheits-Daten was gebracht. Immerhin habe ich mehr als 10 Jahre Erfahrungen damit gemacht. Als früher Selbstvermesser…

Ich habe den Unterschied gesehen – mit und ohne Daten

Bergschuh (1 von 1)
Klein anfangen sind wir nicht gewöhnt. Aber in Warhheit: ein bißchen spazieren und wandern reicht anfangs schon – sagen die Herzfrequenzdaten

Das ging schon mit der Polar Uhr los. Gaaanz früher in der Schule galt beim Sport: viel hilft viel. Hat bei mir so nicht funktioniert. In meiner ersten großen “Ich mach mal wieder Sport-Aktion” in 2002 und 2003 (insgesamt habe ich da langfristig 10 Kilo zum Teufel gejagt) habe ich festgestellt, dass ich mich ohne Herzfrequenz-Uhr regelmäßig übernehme. Wie früher in der Schule.

Quäl Dich Du Sau? Ne – nicht mit mir und Herzfrequenz Daten. Wirken muss es – nicht wehtun!

Erkenntnis 1 der Selbstvermessung

In zu kurzer Zeit, zu schnell und zu viel – das waren meine ersten Anläufe. Völlig untrainiert musste ich erst wieder ein Gefühl dafür kriegen, wann mein Körper etwas als Sport definiert. Und ganz ehrlich: das begann laut Herzfrequenz schon bei zügigem spazieren gehen. Peinlich, aber wahr… An Wandern, Bergwandern oder gar an Radfahren war da noch gar nicht zu denken. Ich weiß, Sportler lachen darüber. Die sagen: “Das merkt man doch, wann man runter muss vom Gas… Da brauch ich doch keinen Digiquatsch für…” Ne, sorry – aber ich merkte das nicht. Wie gesagt: ich bin ein Kind der Digitalisierung.

Chris_Polarkurve
Seit Jahren messe ich Sport und Körperdaten – hat mir nicht geschadet. Im Gegenteil…

Also: Turnschuhe statt Bergschuhe. Und Gehen statt Laufen waren die ersten Maßnahmen. Die Jahre vorher, in denen ich auch immer mal wieder probierte wie es ist, doch Sport zu betreiben und abzunehmen, endeten einfach nur mit Muskelkater und wenig Lust am zweiten oder gar am dritten Tag noch zu machen, was man am ersten schon nicht vernünftig hinbekommen hat: joggen oder sowas ähnliches… Mit der Herzfrequenz-Uhr-Methode war das deutlich anders. Warnungen wenn ich zu viel machte, Auswerten der Daten nach dem “Sport” schafften Bewusstsein. Ich killte damit die ersten 10 Kilo. Natürlich dann auch irgendwann nicht nur beim gehen, sondern später auch beim laufen und radeln. Weil – wie mir die Uhr und die Werte klar machten- auch meine Kondition immer besser wurde…

Digitaler Ernährungscoach – man muss nur dem Netz sagen was man isst…

Dann habe ich – weil ich einfach es nicht schaffte über bzw. unter ein bestimmte Gewicht zu kommen an den seligen Satz der Einfach-Diätler gedacht, den ich vorher auch schon kannte: man muss halt weniger reinstopfen als man verbraucht… Aber, denkt man so, ich ess doch gar nicht sooo viel…

Friss die Hälfte? Darum geht es nicht. Und auf alles verzichten ist auch nicht entscheidend. Aber das was man isst im Blick zu haben hilft enorm – darum Ernährungstagebuch im Web…

Erkenntnis 2 der Selbstvermessung

Verlauf-des-Abnehmens
Die helle Linie macht klar, was passierte: der Erfolg in Sachen Gewicht kam erst im sechsten Jahr – hätte ich nur früher schon ein Online Ernährungstagebuch genutzt…

Naja – ein digitales Ernährungstagebuch war – wie ich erkennen kann an meinem Wiege-Tagebuch im Sportkalender – Ende 2007 der Weg zum gewünschten Erfolg. Ich konnte praktisch zuschauen, wie die Kilos verschwanden. 20 Kilos lösten sich in nichts auf. Und was habe ich dafür getan? Sport wie immer und jeden Tage über 12 lange Monate alles was ich gegessen und getrunken habe in ein Ernährungstagebuch eingegeben.

Ernaehrungstagebuch-FDDB
Es nervt – aber es hilft und ist heute noch leichter zu führen als am Anfang. Das Ernährungstagebuch online…

Und mit Erschrecken festgestellt, was das Öl im Salat, das bisschen Nutella oder die Prinzenrolle am nachmittag da an Daten – sprich Kalorien – produziert. Vom Wein und Bier ganz zu schweigen. Das System (in meinem Fall FDDB) war schon damals so schlau, dass es viele Produkte kannte. Man musste als nur jedes Gramm abwiegen, den Namen eingaben und dann gucken, wieviel man unter dem blieb, was man am Tag braucht. Um damit dafür zu sorgen, das immer in kleinen Dosen verbrannt wurde was zuviel war. Funktionierte fabelhaft, dauert halt ein bisschen. Aber vorher hatte ich es sechs Jahre probiert. Da kam es auf das eine auch nicht an. Zumal man ja Monat für Monat in dem Jahr die Erfolge sehen konnte. Leider war es damals noch nicht so einfach, dass man nur das Zeug fotografieren musste und schon erkannte das System alles weitere. Da war viel Handarbeit dabei. Aber: auch hier passierte nichts anderes als Selbstvermessung. Und statt radikale Diäten ging es nur darum: ein bisschen weniger von allem.

Kettler Ergometer mit PC (1 von 1)
Indoor Sport: klar nehme ich auch da meine Daten per PC mit und so sehe so, wohin die Leistung so geht.

Ich könnte noch ein paar Beispiele nennen – Ergometer mit Computeranalyse, GPS für radeln und wandern usw. Aber ich denke die Idee ist klar geworden: gebt mir Daten und ich sehe was ich besser machen kann. Und an alle, die das ohne hinkriegen: Super für euch! Aber ich schaff das halt nicht. Ich bin ein Kind der Digitalisierung. Und der beste Beweis war jener Tag im April letzten Jahres.

Der Tag als die Waage nicht mehr online war…

Es wird, nach der bisherigen Schilderung, niemanden wundern: ich weiß genau wann es war. Das letzte Mal funkte meine WLan Waage am 30 April um 6 Uhr 45 morgens… Dann ging der WLan Repeater kaputt über den sie sich mit da draußen verständigte…

Man denkt man hat die Dinge im Blick. Aber man hat es halt nicht. Zumindest ich muss Kurven sehen. Sonst beschummel´ ich mich selbst.

Erkenntnis 3 der Selbstvermessung

Waage-setzt-aus
End of Communication – rund 8 Monate funkte die Waage icht. Und ich nahm zu…

Naja, das Teil tausche ich die Tage mal aus, dachte ich. Ist ja auch nicht so schlimm, dachte ich. Die Waage geht ja trotzdem, dachte ich. Letzteres stimmte. Sie ging. Ich bin auch brav immer drauf wie früher auch.  Und das ging so – bis in den Januar 2015. Am 18. Januar durfte die Waage erstmals wieder ins Netz. Monate später… Warum? Na – erstmal kam ich eine zeit lang nicht dazu den Repeater zu ersetzen. Dann musste die Waage auf den Neuen eingestellt werden und ich hatte vergessen wie das nochmal ging und fand die Anleitung nicht… Und so vergingen mehr als 8 Monate, in denen ich zwar guckte (morgens, im Bad auf dem Display – wie man das so macht), aber mich nicht digital vermaß…  Also: die Daten nicht aufzeichnete. Mehr als 6 Kilo später wurde ich sozusagen digital wieder wach. Die kamen einfach so schleichend, denn das “morgens drauf gucken” hatte man – was die genauen Werte betraf – doch zwei Tage später schon wieder vergessen. Und es gibt beim Gewicht ja solche und solche Tage – und man nahm natürlich nur die “solchen” zur Kenntnis – also die mit den geringen Ergebnissen der Waage. Passt schon – so grob, dachte ich. Aber weit gefehlt, wie die Grafik zeigt…

Nein – ich muss nicht alles Online stellen und schon gar nicht für alle möglichen Leute oder auf Facebook. Aber für mich selbst ist die digitale Selbstvermessung eine gute Sache.

Erkenntnis 4 der Selbstvermessung

Ohne Selbstvermessung und ohne Werte war ich – auch nach mehr als 10 Jahren, rasend schnell aus dem Rhythmus. Ja – das kann man doof finden. Man kann das auch auf Papier machen. Aber wenn es hilft ist es für mich eine perfekte Lösung. Und darum denke ich: Werte über sich selbst zu haben, kann sehr motivierend sein. Das ist kein digitaler Blödsinn, weil man ja alles digital machen kann. Das kann Leuten wie mir helfen. Das hat Leuten wir mir geholfen.

Leuten, die wie ich ein Kind der Digitalisierung sind. Ein wohlgenährtes Kind der Digitalisierung – falls ich das noch nicht erwähnt hatte.

 

Comments

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4 Gedanken zu „Außer Kontrolle: Wie mich ein WLan Problem dick machte…“

  1. Ich gab da ein völlig analoges Schlankheitsmittel. Es heißt Clooney und ist ein Sloughi (marokkanischer Windhund). Kam im September 2013 als Welpe zu uns und hat mich nachhaltige 8 Kilo gekostet – durch das tägliche Dog-Walking.
    Im Ernst: Gewichts- und Ernäherungskontrolle mache ich ebenfalls seit 12 Jahren; bisher aber nur in Form von Excel-Tabellen und Word-Berichten. Fühle mich durch den Beitrag, motiviert, mir nun auch Sensoren an den Körper zu schnallen. Zielgröße: 99,9 ;–))

    1. Das mit dem Hund ist eine gute Sache. Bin ich voll dafür. Aber zum vermessen der Erfolge ist das digitale nicht schlecht. Zu Excel & Word-Protokollen: ja, war bei mir am Anfang auch so. Dann kam von Polar die Uhr, wo man den Trainingskalender führt. Da war Excel nur noch für andere Werte gut. Und dann konnte man in der Software immer mehr eintragen. Heute nutze ich Excel nur noch zum auswerten. Aber das Ernährungstagebuch ist eine tolle Sache online – einfach weil ganz viele Produkte schon da sind. Und in unserem Alter (und auch jüngere) tun sich Menschen ja schwer das Kleingedruckte auf den Packungen zum Thema Nährwert überhaupt zu lesen. Man könnte meinen das ist Absicht ;- Und bei Chips-Packungen stehen die Kalorien auch gerne mal auf 25 Gramm bemessen drauf. Statt der üblichen 100. Und man übersieht es. Also: mir hat das FDDB schon was gebracht…

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