Hantieren am Kettendrucker - in einem Rechenzentrum der frühen Jahre

Kleine Weltgeschichte des Computerdruckers (1): Von Typen und Nadeln

Jetzt mal Hand aufs Herz: Wer weiß, was ein Kettendrucker war? Nun kann man den Begriff natürlich nachschlagen, aber eine persönliche Erfahrungen mit Maschinen dieser Art dürften nur Menschen haben, die in den Siebziger- und Achtzigerjahren in irgendeinem größeren Rechenzentrum gewirkt haben. So vorsintflutlich diese Zeilendrucker erscheinen, so unkaputtbar scheinen sie zu sein – noch heute sind nicht wenige IBM-Maschinen dieser Art im alltäglichen Einsatz. Was man von der Mehrheit aller je produzierten Tintenstrahldrucker nicht behaupten kann. Die haben sich blöderweise zu einem umweltverschmutzenden Wegwerfartikel entwickelt.

Aber genau zwischen diesen beiden Polen bewegt sich die Geschichte der Computerdrucker, die schon mit dem ollen Babbage begann. Der hatte sich nämlich 1837 für seine Analytical Engine einen Drucker und sogar einen Plotter ausgedacht. Beide wurden nie gebaut, weil bekanntlich auch die von ihm erfundene Rechenmaschine nie in voll funktionsfähiger Form entstand. Das Problem, das Babbage mit dem Drucker lösen wollte blieb bis zur Erfindung des Computerbildschirms virulent: Wie lassen sich die errechneten Daten optisch so darstellen, das man sie auswerten kann? Nun blieben Computer ja – über die Stationen von Konrad Zuses Z3, die ersten Hollerith-Maschinen und Elektronenhirne sowie die alltagstauglichen Mainframes – immer Maschinen, die man mit Daten fütterte, damit sie Daten erbrüteten, die dann für einen definierten Zweck benutzt werden sollten.

Klassischer Kettendrucker von Control Data - noch heute im Einsatz
Klassischer Kettendrucker von Control Data – noch heute im Einsatz
Der Schritt zu Computern, mit denen man Text und Bilder verarbeiten konnte, kam wesentlich später. Und brachte ab den Siebzigerjahren die Idee vom papierlosen Büro mit sich. Wozu etwas drucken, wenn man es jederzeit auf den Bildschirm holen, lesen und betrachten konnte? Tatsächlich dachte man mit dem Entstehen des Personal Computers beim Ausdrucken vor allem ans Archiv. Also daran, Programmlistings, Zahlen, Daten und Texte zu Papier zu bringen, um sie so zu sichern und aufbewahren zu können.

Der König der 9-Nadeldrucker: Epson FX-100
Der König der 9-Nadeldrucker: Epson FX-100
In der Ära der Großrechner aber spielte die Liste eine entscheidende Rolle – und die musste zur Weiterverarbeitung eben ausgedruckt werden. Da ging es um Masse und Geschwindigkeit – zum Beispiel um die Lohnlisten großer Unternehmen zu erzeugen. Weil aber die Schreibmaschine Mutter aller Computerdrucker ist, dachte man zunächst nur daran, wie man die bekannten Zeichen (Buchstaben, Ziffern, Satz- und Sonderzeichen) möglichst effizient aufs Papier bekommt. Ausgangspunkt war aber nicht die klassische Schreibmaschine, sondern der Fernschreiber, bei dessen Konstruktion das Problem der Umsetzung von Daten (Impulse) in Bewegungen der Typenhebel bereits gelöst wurde.

Lochstreifen einer Telex-Maschine; offiziell Baudot-Tape genannt
Lochstreifen einer Telex-Maschine; offiziell Baudot-Tape genannt
Ja, in den Telex-Netzen, von denen in Deutschland das erste 1938 installiert wurde, gab es bereits so etwas wie Digitalisierung. Beim Eingeben der zu versendenden Nachricht erzeugten die Tastendrücke Muster in einem Lochstreifen – der Text wurde so kodiert. Fütterte man den Fernschreiber mit dem Lochstreifen, verschickte er die durch die Muster vorgegebenen Daten, die am anderen Ende dekodiert wurden, um so das Schreibwerk anzusteuern. Kein Wunder also, dass die Nerds der ersten Personal-Computer-Jahre gern ausrangierte Telex-Maschinen als Drucker für ihre Rechner verwendeten.

9-Nadel-Druckkopf, Star NL 10, Foto: Hinnerk Rümenapf via Wikimedia)
9-Nadel-Druckkopf, Star NL 10, Foto: Hinnerk Rümenapf via Wikimedia)
Nun haben sämtliche Druckwerke, die Typen, die auf Hebeln, Walzen oder Kugelköpfen sitzen, per Farbband zu Zeichen auf Papier machen, den Nachteil, dass nur gedruckt werden kann, was in Form einer solchen Type vorhanden ist. Man kennt das aus alten Filmen, in denen ausgedruckte Fernschreiben zu sehen sind – denn da fehlen die Umlaute und ähnliche, sprachspezifische Sonderzeichen. In den frühen Fünfzigerjahren erfand ein gewisser Fritz Karl Preikschat das Prinzip des Matrixdrucks. Bei dem werden die Zeichen aus einzelnen Punkten zusammengesetzt. Mit seiner 7×5-Matrix ließen sich dann wirklich Umlaute, Währungssymbole und Buchstaben mit Akzenten drucken. Aber, so richtig interessierte sich niemand dafür. Die Patente ruhten in den Schubladen, und erst 1968 brachte der japanische Hersteller OKI den ersten Nadelmatrixdrucker auf den Markt.

OKI Wiredot, der erste serienmäßig hergestellte Nadeldrucker
OKI Wiredot, der erste serienmäßig hergestellte Nadeldrucker
Es mussten jedoch weitere zehn Jahre vergehen bis sich diese Sorte Drucker auf breiter Front durchsetzten. Weil die Umsetzung des Prinzips technisch nicht besonders anspruchsvoll war, bauten nun Dutzende IT-Hardwarehersteller solche Kisten als Zubehör für ihre kleinen Computer. Schnell tat sich das japanische Unternehmen Epson in diesem Bereich durch stetige Weiterentwicklungen aus. Dabei ging es immer darum, die Druckqualität zu verbessern, was dazu führte, dass man im Druckkopf immer mehr Nadeln unterzubringen versuchte. Außerdem wurde die eingebaute Logik immer ausgefeilter, sodass durch mehrfaches Ansteuern des Druckkopfs, jedes Mal ein bisschen versetzt, überlappende Punkte den Eindruck der Matrix verwischten. Und Grafiken konnten die Dinger dann auch bald ausdrucken.

Parallel blieben aber auch Typenraddrucker im Geschäft, die mechanisch direkt von der entsprechenden Schreibmaschine abstammten und so beim Printen von Text ein exzellentes Schriftbild ermöglichten. Dafür konnte jedes Typenrad immer nur eine Schrift in einer Größe drucken, während es bei den fortgeschrittenen Nadeldrucker schon möglich war, ein bisschen mit der Typografie zu spielen. Nicht nur das, sondern auch die Weiterentwicklung des Endlospapiers beschleunigten die Karriere des Matrixdruckers, der dann ein paar Jahre lang den Markt – zumindest im Bereich der persönlichen Computer – beherrschte.

In der zweiten Folge wird es natürlich um den Laser- und den Tintenstrahldrucker gehen, um DTP und Fotodruck und darum, wo der Computerdrucker in seiner Entwicklung heute steht.

[Bildnachweis – Titelbild: Maximilian Dörrbecker via Wikimedia unter der Lizenz CC BY-SA 2.5; Control Data Kettendrucker: via Cray; Lochstreifen: Ricardo Ferreira de Oliveira via Wikimedia unter der Lizenz CC BY-SA 3.0; OKI Wiredot: (c) OKI; ]

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