Alexa an Bose, Alexa an Bose, bitte kommen!

Musik gut: Amazon Echo und Google Home an richtigen Lautsprechern

Eine mir persönlich bekannte Dame hat seit frühester Jugend die Angewohnheit, ihre frühmorgendlichen Verrichtungen durch Musik und Gesprochenes aus dem Rundfunk zu begleiten. Zu diesem Zweck tut bei ihr ein Sony-Weltempfänger vom Baujahr 1991 Dienst, der zwar nicht mehr so richtig viele Sender reinkriegt, aber mit 4 AA-Zellen einen ganzen Monat spielt. Sein Sound ist, sagen wir mal: irgendwie nostalgisch und erinnert an Kofferradios der Sechzigerjahre. Sie aber meint, genau das mache den Charme ihres geliebten Rundfunkempfängers aus. Alle Versuche, ihr eine Alexa samt Bluetooth-Box ans Herz zu legen, sind bisher gescheitert. Und dann hörte sie einen Echo Dot, der solo irgendeinen Kulturfunk spielte, weil ich ihm das befohlen hatte…

Der Original-Sony-Küchen-Weltempfänger - ganz analog
Der Original-Sony-Küchen-Weltempfänger – ganz analog
Hey, sagte die Morgenradioliebhaberin, das klingt ja wie mein Sony! Was sie als Kompliment meinte, beschreibt die Realität jenseits aller Schönrederei bestens: Die schlauen Dinger von Amazon und Google hören sich an wie Dosenradios. Musik ist, sofern man sie genießen möchte, eher nicht genießbar; allein schon die Magerkost, die Lokal- und Privatradios meistens absondern, von geliebten Songs und Alben oder berühmten Werken der klassischen Musik ganz zu schweigen. Das gilt uneingeschränkt für die kleinen KI-Dosen, aber die größeren klingen auch nicht soooo viel besser. Auf diesem Mangel setzt offensichtlich das Konzept von Apple beim Homepod auf – sowie auch die auf Alexa, Google-Assistant, Siri und Cortana aufsetzenden Lautsprechersysteme verschiedener Hersteller.

Apple Homepod - demnächst in diesem Theater...
Apple Homepod – demnächst in diesem Theater…
Und das ist ganz schön realitätshaltig, denn Umfragen zeigen, dass Alexa und Assistant bei der Mehrheit der User im Grunde nur sprechende Jukeboxen sind, dass also kaum jemand fragt, wann dieser oder jener Bus fährt, was es so in den Nachrichten gibt und wie das Rezept für Mac’n’Cheese geht, sondern dass alle immer nur Musik und/oder Radio hören wollen, ohne Knöpfe drücken zu müssen. Diejenigen, die einen Amazon Echo oder einen Google Home als Infozentrale, als persönliche/n AssistentIn oder gar für die Smarthome-Steuerung nutzen, stellen offensichtlich eine kleine, radikale Minderheit dar.

So viele Bluetooth-Geräte in der Nähe....
So viele Bluetooth-Geräte in der Nähe….
Aber auch Pioniere und Propheten hören gern mal Musik, und falls sie gern gute Musik richtig gut hören wollen, müssen Alexa und der Assistant die Musik eben auf richtig gute Boxen streamen. Und das geht puppig einfach, sofern es sich um Bluetooth-Boxen handelt, denn sowohl ein Echo, also auch ein Home beherrschen Bluetooth aus dem Eff-eff. Wie bei jeder Bluetooth-Verbindung müssen KI-Dose und Lautsprecher einmal gekoppelt werden, damit in Zukunft die Verbindung automatisch hergestellt wird. In der Praxis mit einer Bose-Soundlink-Box funktioniert das dann so: Ist das Bose-Teil eingeschaltet, verbindet sich (in diesem Fall ist es eine) Alexa damit und leitet alle Tonausgaben auf den Lautsprecher um. Also kommt nicht nur Musik aus der Drahtlos-Box, sondern alle Ansagen, die Alexa so macht – und die komischen Warn- und Sonstwas-Sounds auch.

So weit, so gut. Hat man bei der Anschaffung von kabellosen Lautsprechern etwas tiefer ins Portmonee gegriffen oder gar ein Multi-Room-System angeschafft, funktioniert das genauso. Dann sogar, falls konfiguriert, im Stereosound. Weil aber ein Echo Dot oder ein Home Mini schon für richtig kleines Geld zu haben sind, Apple, Kenwood und Konsorten aber vermutlich mehrere Hundertscheine aufrufen werden, ist es für jeden Musikliebhaber mit Hang zu Sprachsteuerung eine Überlegung wert, sich eine kleine KI-Dose zu kaufen und den Überschuss in ein richtig gutes Bluetooth- und/oder Multi-Room-System zu investieren.

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