Bluesky-Home: Schlicht, übersichtlich und ziemlich wie Twitter (Screenshot)

Was zur Hölle … Ist Bluesky wirklich die bessere Twitter-Alternative?

Keine Frage, der designierte Weltherrscher Elon Musk ist gerade dabei, Twitter final zu zerstören. Ja, eigentlich hat er es schon mit der Umbenennung in X hingerichtet. Trotzdem nutzen immer noch viele Medien, Institutionen und Prominente diesen Mikroblogging-Dienst, dem inzwischen dank Abbau der Content-Kontrollen jegliche Glaubwürdigkeit abhandengekommen ist. Händeringend suchen Menschen mit Anstand, die sich gern im kleinen Format informieren und auch diskutieren, nach Alternativen. Erster Kontrahent war Mastodon, aber das ehrgeizige Konzept macht es den Leuten einfach sehr schwer, am Dienst teilzunehmen. Vor rund einem Jahr hat Jack Dorsey, der Twitter-Mitgründer, die Entwicklung eines Mikroblogging-Dienstes namens Bluesky gestartet – und der sieht aus wie ein Twitter-Klone.

Noch befindet sich Bluesky in der sogenannten „Beta-Phase“, was nichts anderes heißt, als dass die Entwickler unentwegt daran herumschrauben; bisweilen gab es mehrere Updates innerhalb von 24 Stunden. Aber nach gut sechs Wochen, die ich nun ein Konto in diesem Dienst habe, kann ich sagen: Er läuft schon sehr rund. Und wer zuvor Twitter-Maniac war, wird sich in Bluesky sofort zuhause fühlen.

Bluesky-Post samt Bild und Link (Screenshot)
Bluesky-Post samt Bild und Link (Screenshot)

Allerdings bedeutet der Beta-Status auch, dass sich nicht einfach jeder anmelden kann. Um sich ein Konto zulegen zu können, braucht man einen Invitation-Code, muss also jemanden finden, der bereits auf Bluesky aktiv ist und über einen (oder mehrere) solchen Einladungs-Token verfügt. Den bekommt man allerdings auch erst nach einer Weile und wenn man selbst eine gewisse Anzahl an – ja, was? – Posts angesetzt hat. Denn leider durfte Dorsey die Posts nicht einfach mit dem schönen und bekannten Wort „Tweets“ benennen.

Ansonsten ist fast alles wie gehabt. Aktuell liegt die Benutzeroberfläche nur in englischer Sprache vor, aber das stört nicht weiter. Posts, die einem gefallen oder die man interessant findet, kann man liken und teilen sowie beantworten, also kommentieren. In einem Post sind Bilder und Videos, aber auch Links erlaubt. Womit wir beim allergrößten Manko von Bluesky sind: Es gibt keine Hashtag-Funktion, Posts lassen sich leider nicht mit den beliebten Schlagwörtern versehen.

Bluesky: Liken, Teilen, Kommentieren - geht alles (Screenshot)
Bluesky: Liken, Teilen, Kommentieren – geht alles (Screenshot)

Stattdessen setzt das Entwicklerteam auf sogenannte Feeds und versieht den zugehörigen Menüeintrag ein bisschen verschämt mit dem berühmten Lattenzaun „#“. Die Idee ist, den Strom der hereinkommenden Posts zu filtern – eben nicht nach Hashtags, sondern indem man einem existierenden Feed folgt. Ein existierendes Beispiel ist der Feed „Science“, der aus den Beiträgen aller möglichen wissenschaftlichen Institutionen besteht. Nun können aber nicht Hinz und Kunz einfach neue Feeds aufsetzen, jedenfalls nicht aktuell. Dafür gibt es einen Feed-Generator. Mit dem können Menschen, die ein bisschen programmieren können, eigene Feeds generieren können. Das ist (noch) sehr umständlich und hat im ersten Jahr von Bluesky dazu geführt, dass es nur ein paar Hände voll Feeds gibt, die man abonnieren kann.

Bluesky: Feeds statt Hashtags - nicht so schön (Screenshot)
Bluesky: Feeds statt Hashtags – nicht so schön (Screenshot)

Laut Bluesky gab es Ende September rund eine Million Accounts, der Zuwachs vollzieht sich langsam, aber stetig. Die wichtigsten Medien (Print, Online, TV) deutscher Sprache sind bereits vertreten, dazu nur wenige politische Parteien und (Stand: 6. November 2023) erst vier Bundesministerien und -behörden. Aus den USA stammen Konten von diversen Sport-Franchises und auch einigen Promis; in Deutschland war Jan Böhmermann einer der ersten Bluesky-Mitmacher, genau wie das Twitter-Ungeheuer El Hotzo. Altgediente Twitter-User:innen, die Musk und seinem Tun kritisch gegenüberstehen, würden sich wünschen, dass immer mehr Personen und Institutionen, die etwas zu sagen haben, sich von X verabschieden und zu Bluesky wechseln würden oder sich zumindest einen Bluesky-Account beschaffen und diesen bespielen würden.

Bluesky-Feeds anlegen nur per Generator (Screenshot)
Bluesky-Feeds anlegen nur per Generator (Screenshot)

Fazit

Auf den ersten Blick und nach den ersten Wochen Aufenthalt dort sieht es aus, als könnte Bluesky tatsächlich DIE ernsthafte Alternative zum Musk’schen X (ehemals Twitter) werden. Auch die Tatsache, dass neue Mitglieder nur per Invitation-Code mitmachen können, ergibt in der aktuellen Phase Sinn. Hashtags werden schmerzlich vermisst, aber die können ja vielleicht doch noch kommen. Wer also eine Bluesky-Einladung angeboten bekommt, sollte unbedingt zugreifen und den neuen Mikroblogging-Dienst testen.

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