Was zur Hölle… Ist meine Heizung jetzt schlauer als ich?

Erinnern Sie sich an diese RWE-Werbung, die im Herbst und Winter lief? Irgendwelche Menschen stellen komische Symbole auf. Irgendjemand fragt, ob wir alle verrückt seien und eine Dame tippt auf ihrem Smartphone herum.

Thermostatregler RWE Smarthome angebaut

„Na klar,“ werden Sie sagen. „Da ging es doch um…“. Tja, worum ging es da? Ich habe lange nicht registriert, was da beworben wurde. „Registriert“ schreibe ich, weil die Werbung inhaltlich an mir vorbei gegangen ist. Weil ich nicht mit bekommen habe, dass es hier um ein Produkt ging, das ich vielleicht brauchen könnte. Und weil ich mir das Produkt schließlich gekauft habe. Nicht wegen der Werbung, sondern weil mir mein Freund Markus den Tipp gegeben hat, es mit RWE Smarthome zu probieren.

Smart Home? Das ist die Modelleisenbahn der Generation Digisaurier

Was zur Hölle ist also ein Smart Home?

Also, gleich vorweg: Schlau oder intelligent ist da gar nix. Eigentlich müsste es „ Messen, Steuern, Regeln“ heißen. Aber das wäre lange nicht so sexy wie „Smarthome“. Ok, nehmen wir noch den Begriff „vernetzt“ dazu. Also vernetztes Messen, Steuern und Regeln. (Ingenieure und Physiker mögen mir verzeihen, falls ich „Messen, Steuern, Regeln“ hier nicht ganz korrekt verwenden sollte.)

RWE Smarthome SteckdosenschalterIn einem Haus lässt sich eine Menge messen, zum Beispiel die Raumtemperatur, die Luftfeuchtigkeit oder die Zeit. Steuern können wir zum Beispiel Heizkörper aber auch Lampen und Steckdosen. Und Regeln können wir Raumtemperatur, Licht und so weiter.

Das praktische daran ist: Alle Mess- und Steuerungseinheiten sind per Funknetzwerk verbunden. Ich kann über eine Software-Steuerung Ereignisse festlegen und davon abhängig meine Heizung, Steckdosen oder Lampen steuern.

Thermostatregler RWE Smarthome Genau das ist der smarte Teil an der ganzen Sache: ich könnte – sei es nun intelligent oder nicht – abhängig von der Temperatur eine Lampe ein oder ausschalten. Klar, das ist Unsinn. Aber abhängig von der Temperatur einen Heizkörper regeln oder die Jalousien herunter lassen. Das klingt schon sinnvoller. Oder ich prüfe mit Hilfe eines Sensors, ob ein Fenster geöffnet ist und schalte davon abhängig die Heizung ab. Oder ich schalte über einen Bewegungsmelder mehrere Lampen im Haus ein.Oder ich öffne die Jalousien zum Sonnenaufgang. Oder, oder, oder…

Moment mal? Es gibt ein Sensor für den Sonnenaufgang? Nein. Gar nicht notwendig. Die Smarthome-Zentrale weiß, wie spät es ist und kann so abhängig vom Datum die Zeiten für Sonnenauf- und Untergang ermitteln. Und damit sind wir bei einem Problem. Der Internet-Anbindung.

Angebunden ans Internet

Steuereinheit RWE SmarthomeDie Smarthome-Zentrale. Tja, die steht in der Abstellkammer bei all dem anderen Internet-Zeug. Und ja, RWE-Smarthome braucht eine Internet-Anbindung. Nutzen für den Kunden: Via App lässt sich dann die Heizung auch von unterwegs aus steuern. Kostet zwei Jahre lang nichts, dann knapp 15 Euro pro Jahr. Ich schätze, darauf kann ich verzichten – mir genügt, dass sich die Heizung selbst regelt.

So ganz mag sich mir der Sinn der Daueranbindung an das Internet nicht erschließen. Klar, die Fernsteuerung. Prima. Aber ansonsten geht es doch niemanden etwas an, wie ich meine Heizung daheim regele? Ich meine, nicht, dass irgendwann eine fremde Macht meine Heizung tagsüber runterregelt…

Ok, das ist albern. Dennoch bleibt ein leichtes Unwohlsein.

Wozu das Ganze?

Kommen wir zur Lieblingsfrage der Generation „Digisaurier“. Wozu braucht man das überhaupt?

Ich kann das nur für mich beantworten: Als unsere Tochter auf die Welt kam, ging es darum, nachts einen Raum durchgehend warm zu halten. Die jüngeren unter Ihnen werden sich erinnern: Babys sind nachts gerne mal wach und wollen betreut werden. Dafür brauchten wir eben einen warmen Raum.

Unsere bisherige Heizungssteuerung konnte aber nur das ganze Haus regeln. Zeitgesteuert. Heizung an oder aus. Fertig.

Also kam der Gedanke auf, die Haussteuerung durchgehend heizen zu lassen und von Raum zu Raum die Temperatur zu regeln. Zeitgesteuert.

An sich braucht es dafür keine vernetzte Smarthome-Anwendung. Es gibt gute Thermostat-Regler, die jeden Heizkörper per Uhrzeit steuern. Aber da kam noch ein zweites Problem ins Spiel. Das Erdgeschoss unseres kleinen Häuschens besteht aus einem großen Raum mit angeschlossenem Wintergarten. Über die normalen Heizkörper-Thermostate gab es keinen sinnvollen Weg, hier ein angenehm warmes Raumklima zu bekommen. Irgend eine Heizung war immer aus oder bullerte volle Kanne. So hatten wir unterschiedliche Klimazonen im Erdgeschoss. Nicht richtig angenehm.

RaumthermostatAlso wollte ich erreichen, dass sich die Heizkörper untereinander über die Raumtemperatur abstimmen.  Das Mittel der Wahl war ein Raumthermostat, das ich im Raum aufstellte. Und siehe da: Der Raumregler regelte die Heizkörper so, dass wir erstmals eine wirklich ausgeglichene Raumtemperatur im Erdgeschoss hatten. Und genau hier kommt die Vernetzung ins Spiel. Erst wenn sich die Geräte miteinander unterhalten können, funktioniert diese Lösung.

Fazit: Wie Modelleisenbahn

Wir haben RWE Smarthome jetzt seit drei Monaten im Einsatz und sind zufrieden. Ich habe noch einige Ideen, was ich über das System regeln kann. Ich schätze, demnächst ist eine Lichtsteuerung dran, die a) von einem Bewegungssensor und b) von der Zeit gesteuert wird und ab Sonnenuntergang sozusagen scharf geschaltet ist.

Ok, muss das wirklich sein? Naja, ein klein wenig erinnert mich Smart Home an eine Modelleisenbahn. Man kommt auf neue Ideen, will sie umsetzen und merkt gar nicht, wie Euro um Euro aus dem Geldbeutel zum Anbieter wandern.

Nur an der Werbung sollte RWE noch arbeiten. An mir ist die komplett vorbei gegangen.

Ein Gedanke zu „Was zur Hölle… Ist meine Heizung jetzt schlauer als ich?“

  1. Gute Idee mit dem Raumthermometer und man sieht, dass eine Temperaturregulierung auch mit einfachen und günstigen Mitteln möglich ist. Smart Homes faszinieren mich schon, allerdings sind die Investitionskosten für solche smarten Steuerungen einfach ungemein hoch und amortisieren sich soweit ich gelesen habe teilweise erst nach über hundert Jahren, wenn man allein dadurch Energie sparen möchte. Bequemer ist es zwar allemal und bestimmt auch ganz nützlich, wenn man mal vergessen hat, Strom oder Heizung nach dem Verlassen des Hauses abzuschalten, aber ich warte definitiv noch, bis sich die Kosten für solch eine Umrüstung in vertretbarem Rahmen bewegen.

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