Tanke günstig: Beispiel für eine brauchbare Benzinpreis-Website (Screenshot)

Was zur Hölle… lohnen sich Tank-Apps wirklich?

Als im März 2022 in Folge des schändlichen Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine die Kraftstoffpreise explodierten, begaben sich natürlich viele Autofahrer auf die Sache nach Tankstellen mit möglichst günstigen Preisen. Rasch luden viele Pkwisti eine (oder mehrere) App herunter, mit denen die billigste Tanke zu finden war. Manche fragen sich auch jetzt noch, wie zuverlässig diese Informationsdienste sind und ob es sich lohnt, sie zu nutzen. Zunächst: Die Datenquelle für ALLE diese Websites und Apps ist die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe des Bundeskartellamts (MTS Kraftstoff). Seit dem 31. August 2013 sind alle Tankstellenbetreiber gesetzlich verpflichtet, ihre Preis für Diesel, Super E5 und Super E10 in Echtzeit an die MTS-Kraftstoff zu melden – Verstöße werden gegebenenfalls mit Bußgeldern geahndet.

Das Bundeskartellamt ist die Quelle für die Echtzeitpreise (Screenshot)
Das Bundeskartellamt ist die Quelle für die Echtzeitpreise (Screenshot)

Im Klartext: Auf die Daten, die auf einer entsprechenden Website oder in einer Preisvergleichs-App angezeigt werden, kann man sich zu 100 Prozent verlassen. Als der Verfasser dieses Artikels bei den Vorarbeiten diverse Tests durchführte, stieß er jedoch auf einen unerwarteten Effekt. Laut des Jahresberichtes 2021 der MTS-Kraftstoff nehmen die Tankstellen aber im Schnitt mindestens 18, manche sogar mehr als 20 Preisänderungen pro Tag vor. Hat man nun eine Tanke mit günstigem Schnitt in – sagen wir einmal – fünf Kilometern Entfernung gefunden, kann es sein, dass diese inzwischen die Preise angehoben hat, während andere Zapfstellen in der Nähe sie gesenkt haben.

Bisschen überladen, aber gut - die ADAC-Spritpreis-App (Screenhot)
Bisschen überladen, aber gut – die ADAC-Spritpreis-App (Screenhot)
Die Tests zeigten aber auch, dass es sich nicht lohnt, eine andere Zapfsäule anzusteuern, denn selbst innerhalb einer Viertelstunde können sich die Preise so verändert haben, dass die ursprünglich ausgewählte doch wieder am günstigsten ist. Überhaupt lohnt sich ein wenig Rechnerei. Angenommen an der Tankstelle A kostet der Liter Diesel gerade 2,029 Euro, an der 10 Kilometer entfernten Tanke B aber nur 1,989 Euro. Die Preisdifferenz pro Liter liegt also bei schlappen 3 Cent. Verbraucht der Schlitten – im Beispiel im Stadtverkehr – nun 7 Liter auf 100 Kilometern, verbraucht er für den Umweg 0,7 Liter Diesel. Die kosten beim Anbieter B rund 1,40 Euro, beim teuren Anbieter A dagegen 1,42 Euro.

TankenTanken! macht es ein bisschen genauer, aber umständlicher (Screenshot)

Um also den billigeren Anbieter anzusteuern, muss der Autofahrer 1,40 wegen des Umwegs mehr für den Sprit ausgeben. Bei 50 getankten Litern Diesel beträgt die Differenz an der Kasse etwa 2 Euro. Das heißt, dass durch die Auswahl der günstigeren Tanke gerade einmal 60 Cent gespart werden. Je größer der Umweg, desto weniger lohnt sich das Anfahren eines günstigeren Anbieters. Modellrechnungen ergeben, dass die im Beispiel angenommenen 10 Kilometer quasi den Horizont für ernsthaftes Spritkostensparen darstellen. Zumal die Unterschiede in einem Radius von etwa 20 Kilometern in den vergangenen Wochen selten mehr als 8 Cent ausmachten – wenn man einmal die ohnehin teureren Tankstellen an den Autobahnen außen vor lässt.

Schön und gut - die Clever-tanken-App (Screenhot)
Schön und gut – die Clever-tanken-App (Screenhot)
Ebenfalls aus Erfahrung lässt sich sagen: Der Spritkostenvergleich lohnt sich in genau zwei Fällen. Wer sich vorwiegend in einem Umkreis von 30 Kilometern um den eigenen Wohnort bewegt, also zum Beispiel als Pendler, tankt normalerweise, wenn der Tank schon fast leer ist, also große Mengen nachgetankt werden müssen. In diesem Fall lohnen sich Umwege von bis zu 15 Kilometern sicher. Zweitens: Wer auf der Langstrecke unterwegs ist, findet in den Tank-Apps wertvolle Hinweise auf die nächstgelegene günstige Tankstellen. Das ist hilfreich, weil sich die Preise für Kraftstoffe regional deutlich unterscheiden; bei Super E10 betrug die Differenz der Durchschnittspreise zwischen küsten- und grenznahen Tankstellen und eher im Landesinneren gelegenen Zapfstellen teilweise bis zu 20 Cent!

Empfehlenswert: die Website zapfpreis.de (Screenshot)
Empfehlenswert: die Website zapfpreis.de (Screenshot)

Und wie unterscheiden sich die Apps und Websites? Vor allem im Bedienkomfort und in der Geschwindigkeit. Die MTS-Kraftstoff hat insgesamt 49 dieser Informationsdienste getestet und zertifiziert; die HIER gelisteten Vergleichsportale zeigen also garantiert die dem Bundeskartellamt gemeldeten Preise an. 21 Anbieter stellen ihre Infos nur auf einer Websites zur Verfügung, alle anderen bieten Android- oder iOS-Apps an.

Bei den Apps sind die am brauchbarsten, die mit einem Routenplaner – zum Beispiel dem von Google Maps – verbunden sind, sodass der Autofahrer nach der Auswahl der gewünschten Tanke dorthin navigiert wird. Das gilt übrigens auch für die Websites, die ihre Auswahl auch auf einer Landkarte darstellen. Unsere Favoriten unter den Apps sind die des ADAC und Clever tanken – beide bieten die Apps für Android und iOS an. Bei den Websites überzeugten uns Tanke günstig und Zapfpreis. So richtig schlecht macht kein Anbieter.

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