Programmieren als Hobby mit allem Zipp und Zapp

Was zur Hölle… Programmieren als Hobby???

In den Zeiten, in den Menschen, die einen Rechner auf dem Schreibtisch hatten, Computerfreaks genannt wurden, konnte JEDER programmieren. Denn ohne ein Mindestmaß an Kenntnissen in BASIC konnte man die Dinger ja kaum benutzen. Heute ist es genau umgekehrt. Sagt jemand “Ja, Programmieren ist mein Hobby”, gucken ihn die Leute komisch an. Das liegt nicht nur an der Fülle der Anwendungsprogramme und Apps, die’s für lau gibt, sondern auch daran, dass Programmieren viel komplizierter geworden ist. Wir haben ein paar dieser merkwürdigen Menschen zu ihrem Hobby befragt.

Jürgen W.: Ich schreib mir meine Computerspiele selbst

Jürgen ist inzwischen großer Fan von Python
Jürgen ist inzwischen großer Fan von Python
Angefangen hat bei Jürgen alles in den Zeiten von Sprites und Peeks und Pokes. Schon in den Frühzeiten des C64 hat er den Ehrgeiz entwickelt, bekannte Spielideen in eigene Game-Kreationen umzusetzen; anfangs ganz konventionell in BASIC, nach kurzer Zeit dann direkt in Maschinensprache. Dabei hat er als gelernter Möbelschreiner, einem Beruf, den er sehr liebt, eigentlich nichts oder nur wenig mit Computern zu tun. Nach dem Commodore sind die kreativsten Kisten bei ihm ein und aus gegangen. So hat er gleichzeitig Spiele für den Atari ST – natürlich in GfA-BASIC – und den Amiga entwickelt. Auch ein Mac, dem er mit Hypercard das Spielen beigebogen hat, war kurz dabei.

Über die Jahre hat ihn die sich rasant entwickelnde Technologie des Programmierens fasziniert, entsprechend hat er jeden Trend mitgemacht und ist heute bei der Entwicklung von webbasierten Simulationen und auch Apps gelandet. Selbstverständlich hat er C++ drauf, ist auch den Umweg über PHP und Javascript gegangen, um schließlich bei den modernen Websprachen und den zugehörigen Open-Source-Frameworks zu landen. Sein aktuellstes Projekt ist eine in Python geschriebene Mars-Mission-Simulation, für die er von der NASA freigegebenes Daten-, Bild- und Videomaterial verwendet. Wenn sein “to-Mars-and-back” (kurz: 2m&b) fertig ist, wird man damit eine Reise zum roten Planeten am heimischen PC unternehmen können.

Holger W.: PHP und Javascript sind genau mein Ding

Dass Programmier-Freaks über PHP und Javascript heftig die Nase rümpfen, ist Holger egal – er ist Pragmatiker und erst dadurch zum Programmieren gekommen, weil er vor rund zwölf Jahren einen kleinen Webshop aufbauen wollte, ihm aber die vorhandenen Lösungen entweder zu komplex oder zu teuer waren. So hat er sich eben über ein halbes Jahr in PHP eingelesen und mit kleinen Progrämmchen ohne großen Nährwert begonnen. Nach neun Monaten war er so weit, sich einen maßgeschneiderten Webshop für seinen Handel mit Vintage-Comic-Heften basteln zu können.

“Bestimmt nicht elegant gecodet,” sagt er, “aber mit ziemlich guter Performance, weil ich den ganzen überflüssigen Kram, der in den diversen kommerziellen und kostenlosen Systemen steckt, einfach weggelassen habe.” Dementsprechend schlank ist die Lösung, die bis vor kurzem noch im Einsatz war. Die hat er über die Jahre immer mehr verfeinert, hat Ajax als brauchbare Methode entdeckt, aber aus Prinzip auf den Einbau fremder Module verzichtet. Auf die Frage, ob Programmieren sein Hobby ist, meint Holger nur: “Keine Ahnung. Hauptsache das Ding läuft.”

Bernd B.: Ich liebe das gute, alte BASIC

Auch damit hat Bernd gearbeitet: das Applesoft BASIC
Auch damit hat Bernd gearbeitet: das Applesoft BASIC
“Die erste Programmiersprache, die ich so richtig von Grund auf gelernt habe, war natürlich BASIC,” erzählt Bernd. Und zwar auf einem Sinclair ZX81. Als Ingenieur für Verfahrenstechnik gefiel ihm die straffe Logik, die sich in BASIC abbilden lässt, wenn, ja, wenn man diszipliniert programmiert. Auf dem PC hatten es ihm lange QuickBASIC und selbstverständlich auch VisualBASIC angetan, wobei VB ihm “nicht mehr BASIC genug” war. Irgendwann hatte er eine kleine Sammlung Berechnungsprogramme geschrieben, die er im Beruf regelmäßig nutzte.

Inzwischen ist Bernd bei FreeBASIC gelandet, einer Open-Source-Variante mit Compiler, die auch alten QuickBASIC-Code verarbeiten kann. Neben den Rechenprogrammen, die er über die Jahre immer mehr verfeinert und optimiert hat, schreibt er heutzutage ab und zu Programme für Aufgaben, die man natürlich auch mit irgendwelchen Apps oder mit Excel-Spreadsheets oder anderen Fix-und-fertig-Tools lösen könnte – u.a. eine Anwendung, mit der sich der Energieverbrauch im Eigenheim berechnen lässt. Das Besondere daran: “Ich kann beliebig viele Szenarien mit zig Parametern anlegen und vergleichen – natürlich in Echtzeit.”

Amir A.: Meine Apps gibt’s natürlich auch im Google-Play-Store

Screenshot: Amir benutzt das Android SDK
Screenshot: Amir benutzt das Android SDK
Es war ein Informatik-Lehrer, der Amir im Leistungskurs auf den Geschmack gebracht hat. “Das war so ein richtiger Programmierer alter Schule,” berichtet Amir, “der hat uns erstmal beigebracht, was Logik ist und was Algorithmen sind; und zwar ohne Programmiersprache.” Tatsächlich ist so Amirs tiefes Verständnis dafür entstanden, wie man ein Problem so definiert, dass sich eine Lösung programmieren lässt. “Ich fange gar nicht erst an, bevor ich kein sauberes Flussdiagramm haben, das die Programmlogik beschreibt.” Seit er von den Verwandten zum Abitur im Jahr 2013 ein iPhone der damals neusten Generation geschenkt bekam, ist er ein großer Fan von Apps. Inzwischen ist er bei Android gelandet und entwickelt Apps praktisch am Fließband.

“Wenn du das Grundverständnis hast, ist das Programmieren mit dem SDK eigentlich Kindergeburtstag,” sagt Amir mit einem breiten Grinsen. Dabei baut er sich Module, die es in der von ihm gewünschten Form nicht gibt, bei Bedarf selbst in Java. Eine seiner Vorzeige-Apps ist ein Routenplaner für Fußgänger in seiner Heimatstadt – den es auch im Play-Store gibt. Amir ist sicher, dass immer mehr KI-Methoden in die App-Entwicklung einfließen werden und ist bereits fleißig dabei, sich mit den entsprechenden Möglichkeiten zu befassen. So soll die Routenplaner-App der nächsten Generation bei den Vorschlägen Lieblingswege und -abkürzungen des Nutzers berücksichtigen, ohne dass dieser sie irgendwo eingeben muss.

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