Facebook: Trau keiner Statistik, die du...

5 Facebook-Mythen, die Seitenbetreiber verunsichern könnten

Jeder nutzt Facebook, und jeder zweite ist Facebook-Experte. Also so ähnlich wie beim Fußball, wo mindestens 50 Prozent der Fans Bundestrainer sind. Und weil Otto Normluser vor allem glaubt, was er sieht, haben sich eine ganze Reihe von Mythen rund um Facebook in die Anwenderhirne geschlichen, von denen einige gar nicht und manche nur teilweise stimmen. Das trifft besinders für Facebook-Seiten und ihre Betreiber zu, die ja eigentlich ihr Marketing damit betreiben wollen. Falsche Annahmen können kontraproduktiv wirken. Hinterfragen wir einige der oft gehörten Mythen einmal kritisch.

1. Mythos: Facebook sieht überall gleich aus

Und so sieht Facebook in der Windows-App aus...
Und so sieht Facebook in der Windows-App aus…
Falsch, falsch, falsch. Je nachdem, ob man Facebook stationär oder mobil, per Browser oder App, mit diesem oder jenem Browser auf diesem oder jenem Endgerät aufruft, wird es immer ein bisschen anders aussehen. Der krasseste Unterschied besteht eindeutig zwischen der Darstellung im Chrome-Browser auf einem Windows-Computer und der in der Facebook-App für Android. Das betrifft aber nicht nur das Vorhandensein und die Anordnung von Menüs und Funktionen, sondern auch die Frage, welche Meldungen angezeigt werden, ob und welche gesponserten Meldungen zu sehen sind sowie die Anzeige und Darstellung von Fotos und Videos.

Das bedeutet im Umkehrschluss, dass ein Facebook-User, stärker noch der Betreiber einer Facebook-Seite nicht wissen KANN, ob und wie sein Content bei seinen Freunden und Fans angezeigt wird.

2. Mythos: Erreichte Personen lesen die Beiträge einer Facebook-Seite

Facebook gibt an: "erreichte Personen"
Facebook gibt an: “erreichte Personen”
Vielleicht der größte Mythos ist der über die Reichweite bei Facebook. Dass es einen gibt, daran trägt Facebook selbst mit wechselnden Erklärungen und Verwendung häufig wechselnder Begriffe die Schuld. Jedenfalls sehen Seitenbetreiber unter jedem Beitrag die Angabe „XXX erreichte Personen“. Dann freuen sie sich, weil sie glauben, XXX Personen hätten diesen Beitrag gelesen. Weit gefehlt! Die Zahl gibt an, wie viele Facebook-Nutzer die betreffende Meldung THEORETISCH haben sehen können.

Wann wo und wie sehen Nutzer überhaupt Meldungen von Seiten? Da gibt es mehrere Möglichkeiten:
a) Wer die Seite geliked UND abonniert hat, sieht die Meldung mit einiger Wahrscheinlichkeit auf der eigenen Startseite.
b) Wurde die Seite ODER der Beitrag beworben, erscheint die Meldung auf den Startseiten von Anwendern, die ähnliche Seite liken und/oder sich stark für das Thema der Seite interessieren.
c) Hat jemand, der die Seite liked, den Beitrag geliked, KANN er mit dem Hinweis „XXX hat XXX mit ‚Gefällt mir’markiert“ auf den Startseiten seiner Freunde auftauchen.
d) wie c) bloß beim Teilen.

Die Personen, auf die a), b), c) und/oder d) zutrifft können einen Seitenbeitrag auf ihrer Startseite sehen. Das heißt noch lange nicht, dass sie ihn auch lesen.

3. Mythos: Facebook entscheidet, was wem angezeigt wird

Der Facebook-Algorithmus (Bild: Techcrunch)
Der Facebook-Algorithmus (Bild: Techcrunch)
Dies ist eine klassische Halbwahrheit. Um zu verstehen, was passiert, muss man ein bisschen in der Facebook-Historie zurückgehen. Anfangs gab es keine Milliarden FB-User, und kaum ein User hatte mehr als 100 „Freunde“. Zudem gab es nur sehr wenige Seiten. Damals wurde jedem Nutzer JEDES Posting eines Freundes und JEDE Meldung einer Seite, deren Fan er war, ausgeliefert. Wer schon länger dabei ist, kann sich vielleicht noch daran erinnern, dass die Postings nur so durchflutschten. Gegen 2009 zog Facebook die Bremse und setzte zum ersten Mal einen Algorithmus ein, der bestimmte, was ein User zu sehen bekam. Anfangs waren die persönlichen Einstellungen entscheidend dafür, ob man überhaupt etwas auf der Startseite fand, dass NICHT explizit von einem Freund (bzw. dem Freund eines Freundes) oder von einer gelikeden Seite stammte.

Dann begann Facebook mit der Werbung und im Zuge dessen mit der Auswertung der Interessen und Vorlieben seiner Nutzer. Inzwischen beobachtet Facebook sehr genau, was sich jemand angesehen hat und welche Seiten ihm gefallen. Daraus entstehen Interessenprofile, die stark darüber entscheiden, welche Werbung („Sponsored“ oder Anzeigen) auf der Startseite angezeigt wird. Wie wir bei Mythos 2 gesehen haben, geht der Algorithmus mittlerweile noch weiter und bezieht die Interessen der Freunde mit ein.

Kurz und gut: Facebook entscheidet weitgehend, was einem angezeigt wird. Man kann den Algorithmus aber durch verschiedene Maßnahmen beeinflussen. Wichtig ist beispielsweise das rigorose Wegklicken von Empfehlungen, Einladungen und Anzeigen, von denen man nicht möchte, dass sie den Algorithmus beeinflussen. Außerdem kann man bei den Privatsphäre-Einstellungen auch bestimmten, was man gar nicht sehen will.

4. Mythos: Fans kommen regelmäßig auf von ihnen gelikede Seite

Da hat eine Band beispielsweise über 20.000 Fans und bis zu 40.000 erreichte Personen pro Woche, aber Beiträge werden nicht oft geliked, geteilt oder kommentiert. Da macht sich der FB-Verantwortliche Gedanken darüber, ob er was am Profil- oder Titelbild ändern oder einen bestimmten Beitrag oben fixieren soll. Sorry, aber das ist völlig unnötig, weil diese Maßnahme davon ausgeht, dass Fans eine Facebook-Seite explizit ansteuern. Das tun sie nur zu einem sehr, sehr kleinen Prozentsatz. Was man an der Seitenstatistik prima ablesen kann. Da gibt es einen Wert namens „Seitenaufrufe“, der exakt zeigt, wie viele Personen die Facebook-Seite im eingestellten Zeitraum AKTIV geöffnet haben. Grob geschätzt sind dies in den meisten Fällen nicht mehr 0,5 Prozent der Liker pro Woche.

Wichtig ist also, Content auf einer Seite zu präsentieren, der möglichst viel geliked, geteilt und kommentiert wird.

5. Mythos: Auf Facebook kann man Geld verdienen

Nein. Kann man nicht. Die einzige Instanz, die mit Facebook Geld verdient, ist Facebook.

[Abbildung “Facebook-Algorithmus” by Techcrunch]

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