Unterricht geht auch ohne Klassenzimmer - digitalisiert euch!

Aus der Corona-Krise lernen: Digitalisiert euch endlich!

Schulen unterrichten online, MusikerInnen senden Konzerte live auf Facebook, Video- und Skype-Konferenzen ersetzen Meetings. Innerhalb nicht einmal einer Woche haben Tausende Unternehmen ihre normalerweise ans Büro gefesselten Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt. Restaurants und Imbissbetriebe, die bisher vom Lieferservice nichts wissen wollen, bieten nun das Bestellen per Mail, Facebook oder Website. Die Bundesrepublik digitalisiert sich unter dem Druck der Corona-Krise und des dringenden Appells, jetzt zuhause zu bleiben. Vielleicht wird es das sein, was von diesem historischen Ereignis übrigbleibt, dass unnötige oder gar gefährliche Sozialkontakte durch die Digitalisierung und die Nutzung der Online-Kanäle reduziert werden können und dabei nicht gleich alles zum Stillstand kommt.

Dieser Tage erinnerte ich mich an ein Konzept aus Umweltschützerkreisen, indem der vehemente Ausbau digitaler Infrastrukturen gefordert wurde, weil dadurch die Dezentralisierung vieler Lebensbereiche erreicht werden könnte. Das Papier, das leider nicht mehr in meinem Archiv steckt, stammte aus den Jahren 2001 oder 2002. Also der Phase der Internet-Verbreitung, in der es vor allem um Bandbreiten ging. Den Ökoaktivisten – das zeigen meine Notizen zu dieser Sache – ging es vor allem um die Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs und besonders des Pendelverkehrs in die Großstädte.

Auch wenn man es damals noch nicht immer so nannte, wurde vorgeschlagen, so viele Verwaltungsjobs wie möglich ins Homeoffice zu verlagern. So würden Büroarbeitsplätze massenhaft aus den Metropolen in die Provinz verlagert. Um der möglichen Vereinsamung der Mitarbeiter vorzubeugen, schlugen die Verfasser dezentrale Bürohäuser auf dem platten Land vor, in denen die Angestellten verschiedener Unternehmen ihre Arbeitsplätze hätten – eine Vorwegnahme des Prinzips der Co-Working-Spaces. Man stelle sich vor, das Konzept hätte Anklang gefunden und wäre realisiert worden. Unsere Städte hätten nicht die Verkehrs- und Umweltprobleme, die sie heute haben.

Aber der Ansatz reicht weiter – was sich in diesen Wochen der schlimmen Krise immer wieder zeigt. So ist Schulunterricht ebenfalls dezentral und digital möglich. Dass Deutschland die Digitalisierung der Schulen aufs Schlimmste verpennt hat, ist eine Binsenweisheit. Aber seit rund zwei Wochen beweisen engagierte Lehrkräfte und Schüler an Schulen, die für dieses Thema offen sind, wie es geht. Aufgaben werden online gestellt, Lehrer und Lehrerinnen sind für ihre Schützlinge schnell per WhatsApp oder Skype zum Austausch erreichbar.

Nun kann man mit gutem Recht die Meinung vertreten, dass das Sozialleben doch fürchterlich verarmen würde, wenn die Menschen nicht mehr an Arbeits- und Ausbildungsplätzen zusammenkämen. Das Gegenteil könnte der Falls sein: Man trifft sich nicht mehr unter Anwesenheitszwang, sondern freiwillig und für Aktivitäten, die einem wichtig sind und Spaß machen. Es könnte paradiesisch sein.

[Bildnachweis – Titelbild: land.nrw]

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