So präsentiert sich die biddz-App (Screenshot)

biddz: Musiker fördern und daran verdienen – eine außergewöhnliche NFT-Idee

Wir Digisaurier, das sagt schon unser Motto, sind keine reinen Nostalgiker mit Schwerpunkt auf ollen Homecomputern. Wir sind auch keine Hardtüftler oder Programmierer. Wir leben in der digitalen Welt und verfolgen mit Interesse, was sich so tut. Wie es aussieht, steht das, was wir ziemlich grobschlächtig „Internet“ vor gewaltigen Veränderungen. Das betrifft weniger die Technik, als die Anwendung, und das Thema „Blockchain“ spielt dabei die führende Rolle. Das in Berlin beheimtate Start-up-Unternehmen mit dem lustigen Namen biddz.io hat eine Idee in die Praxis umgesetzt, die viele dieser Themen berührt. Zum Beispiel die schreiende Ungerechtigkeit gegenüber Musikern und Musikerinnen, die durch den Erfolg von Streaming-Diensten wie Spotify entstanden sind.

Das Problem für die Künstler:innen in dürren Worten: Je mehr ihre Songs gestreamt werden, desto weniger Tonträger verkaufen sie (in der Regel), desto geringer sind die Einnahmen. Weil aber auch die Produzenten von Tonträger viel, viel kleinere Stückzahlen loswerden und so weniger Umsatz generieren, sind auch die Beträge, die für Verträge, die zwischen Labels und Musiker:innen geschlossen werden, um ein Vielfaches geringer. Das Musik-Business hat aber lange so funktioniert, dass diese Verträge den Bands und Singer-Songwriter:innen den finanziellen Spielraum boten, neue Songs zu schreiben und neue Platten aufzunehmen.

Die biddz-Gründer Michael Höweler und Alexander Franck (Foto: biddz)
Die biddz-Gründer Michael Höweler und Alexander Franck (Foto: biddz)

Und da hatten Alexander Franck und Michael Höweler eine Idee; letzter hat übrigens seinen Job bei Amazon Music gekündigt, um das Projekt biddz voranzutreiben. Es geht um das Verhältnis zwischen Künstler:innen und ihren Fans, die einen großen Teil des Marketings für einen Song oder ein Album übernehmen und gleichzeitig für die finanzielle Grundlage der musikalischen Arbeit sorgen sollen. Das geht so: Auf der Plattform bieten Artists einen Song zum Kauf an; wer mitmacht kann eine beliebige Menge von je 10.000 biddz (So der Name der Verrechnungseinheit) kaufen und ist an den Streaming-Erlösen im entsprechenden Maße beteiligt. Damit diese Erlöse möglichst groß werden, macht der:die Käufer:in dann Reklame für den Song – durch Liken, Teilen usw.

Jedes biddz eines Songs – und jetzt kommt’s – ist ein NFT (Non-Fugible Token) und wird in einer Blockchain mit der Person fest verknüpft, die sich beteiligt hat. Die Sammlung aller NFTs wird in die NFT-Wallet der:des Besitzer:in transferiert. Was aber auch bedeutet: Mit biddz-NFTs kann gehandelt werden. Scheint ein Song durch die Decke zu gehen, könnte es vorkommen, dass jemand scharf auf zugehörige biddz und bereit ist, dafür mehr zu zahlen als den Nennwert.

Abgesehen von der klasse Idee, musikalische Künsterl:innen unabhängiger von Labels und Streaming-Diensten zu machen, stellt biddz.io ein geradezu idealtyisches Anwendungsbeispiel für die Blockchain-Philosophie dar, denn das Konzept auf klassischem Weg umzusetzen, würde enorme Anforderungen an die Technik stellen und müsste über hohe rechtliche Hürden springen.

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