John McAffee 2013 (Foto: Gage Skidmore via Wikimedia - siehe Bildnachweis unten)

Computerhelden (14): John McAfee – ein Leben wie ein Thriller

[Titelbild: John McAfee 2013 (Foto: Gage Skidmore via Wikimedia – siehe Bildnachweis unten)] McAfee ein Held? Willst du mich veräppeln? Bevor wir die Frage aufrollen, was genau denn einen Helden ausmacht, sei über den notorischen John gesagt: Ja, er war der erste, der sich ernsthaft mit der Gegenwehr gegen Computerviren befasst hat. Weil er aber ganz offensichtlich ein äußerst unsteter Charakter ist, sehen viele den Helden hinter seiner Schurkenseite nicht. Ganz wie manchmal der Cop im Film scheinbar korrupt ist, sich aber doch einmal heldenhaft benimmt.

Wo Nachwuchsjournalisten in fachfremden Medien ihre Sensationsgier beim Besuch von McAfee in Südfrankreich befriedigen, fragen wir in Ehren ergrauten Digisaurier uns: Was genau ist mit dem ollen John schiefgelaufen? Der mag schon immer eine schillernde Persönlichkeit gewesen sein, mag nach eigenem Bekunden jede Menge Drogen konsumiert und auch damit gehandelt haben und ein bekennender Waffennarr sein, hat aber in der Geschichte der persönlichen Computer eine wichtige Rolle gespielt.

Und trotzdem ist irgendetwas schiefgelaufen. In einem hervorragenden Online-Video-Interview (siehe unten) von 2015 spricht er über seine Zeit beim Rüstungskonzern Lockheed Martin, wo er, so seine Aussage, an einem geheimen Projekt arbeitete, dass so geheim war, dass er bis heute nicht darüber sprechen darf. Wie es der Zufall will, gründete er noch während dieses Jobs seine Virensoftwareschmiede – offiziell mit der Begründung, dass sein persönlicher PC vom (c)Brain befallen war und er die Kiste davon befreien wollte. Nun zählt(e) Lockheed zum industriell-militärischen Komplex der USA, was auch heißt: Man hat da nicht nur Flugzeuge und Waffensysteme entwickelt – vielleicht auch bereits Dinge für einen Cyberwar?

So gefällt sich der gute John... (Abb.: Screenshot aus dem unten eingefügten Video)
So gefällt sich der gute John… (Abb.: Screenshot aus dem unten eingefügten Video)
Und an wen verkauft John McAfee seine Firma schon 1997? Ausgerechnet an den aus mehreren Unternehmen der Computersicherheits- und Netzwerktechnikbranche per Zwangsfusion entstandenen Network-Associates-Konzern NA). Sagen wir so: NA war damals ein wichtiger Dienstleister der NSA. Aus heutiger Sicht können wir davon ausgehen, dass die heute bekannte Ausspionierinfrastruktur der NSA auf die eine oder andere Art und natürlich streng geheim von NA aufgebaut wurde. Möglicherweise hat sich der wilde John doch ein bisschen zu tief mit den US-Geheimdiensten eingelassen. Und viele Geschichten, die ab etwa 2009 die Sensationsgazetten füllten, könnten ihren Ursprung darin haben, dass er dem Teufel seine Seele verkauft hat.

Aber das ist alles Spekulation, und mit John McAfees wildem Leben der vergangenen rund zwölf Jahre wollen wir uns auch nicht weiter beschäftigen. Interessanter ist die Frage, ob er das Prinzip der Antiviren-Software tatsächlich erfunden hat. Entsprechende Patente gibt es nicht – die wurden erst viel später auf konkrete Algorithmen erteilt. Ebenfalls im Unklaren bewegt sich die Geschichte von den Entwicklern, die letztlich die Antiviren-Software für ihn schrieben. Denn auch wenn er gelernter Programmierer ist, hat er nach eigenen Aussagen in seinem Leben nicht besonders viel Code geschrieben.

Die heutige Firma mcaffee.com hat mit dem guten John nichts mehr zu tun (Abb.: Screenshot)
Die heutige Firma mcafee.com hat mit dem guten John nichts mehr zu tun (Abb.: Screenshot)
Jedenfalls gab’s ab etwa 1988 einen Virenkiller, den McAfee in Form von Shareware unter das Computervolk brachte. Viel Geld wird er damit nicht verdient haben. Das kam aber durch maßgeschneiderte Sicherheitssystem für Unternehmen rein, wobei die nicht nur vor Viren schützten, sondern ganz generell vor Datendiebstahl durch Hacker. Nach seinem Ausstieg 1997 dürfte John 100 Millionen US-Dollar schwer gewesen sein. Heute ist er nach eigenem Bekunden immer noch Millionär, hat aber, auch das erzählt er freimütig, den allergrößten Teil seines Vermögens während er Finanzkrise 2008/09 verloren. Seitdem irrlichtert er durch die Welt, ist immer noch in einen ungeklärten Mordfall verwickelt, verbreitet Verschwörungsmythen und kündigt regelmäßig an, für das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten zu kandidieren.

Besonders die Ereignisse in den Jahren 2012 bis 2014 um sein Anwesen in Belize liefern ausreichend Stoff für einen Politthriller erster Güte. Und so wie der John aktuell aussieht, müsste er zwingend von Al Pacino verkörpert werden.

[Bildnachweise – Titelbild: Gage Skidmore via Wikimedia unter der Lizenz CC BY-SA 3.0]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.