Für wenig Geld zehn NFC-Aufkleber (eigenes Foto)

Was zur Hölle… bringt es, selbst NFC-Tags zu programmieren?

Die NFC-Technologie zeigt sich immer wieder als kaum bekannte Schönheit, wird ignoriert, unterschätzt und nicht selten missverstanden. Dabei hat sie sich spätestens seit 2015 als alltagstaugliche Lösung durchgesetzt – vor allem beim kontaktlosen Zahlen mit dem Smartphone. Die Schönheit liegt hier – wie so oft – im Schlichten. Das beginnt schon beim Namen: Near Field Communication – nix da mit irgendwelchen Wikingerkönigen oder Anklängen an High Fidelity, sondern einfach ausgedrückt, was es ist. Und so wurde NFC auch von Beginn an präsentiert – zum Beispiel in einem grandiosen Vortrag auf der Google I/O im Jahr 2011 (siehe Videoclip ganz unten im Text). Und doch ist diese Schönheit eine den Anwendern kaum bekannt. Wer weiß beispielsweise, dass man NFC-Tags mühelos selbst programmieren kann? Und genau darum geht es im folgenden Text.

1. Gastzugang fürs heimische Wlan
Dies ist die hippe Antwort auf die Frage: “Gibst du mir mal dein Wlan-Passwort?” Man legt eine neue Aufgabe an und nennt sie beispielsweise “Wlan-Gast”. In der Kategorie “WLAN & Netzwerke” aktiviert man die Option “Wlan-Verbindung”. Bei “SSID” gibt man den Namen des Gäste-Wlan ein, wählt die Form der Authentifizierung aus und trägt auch das Passwort ein. Im nächsten Screen tippt man auf “Fertig”. Nun legt man das Smartphone mit dem NFC-Chip auf einen leeren NFC-Tag – die Aufgabe wird geschrieben. Den Tag klebt man an einer Stelle auf, an der Gäste beim Besuch vorbeikommen. Die müssen dann nur ihr Smartphone an den NFC-Tag halten und werden automatisch mit dem Gäste-Wlan verbunden.

NFC-Chip auf einem Aufkleber (eigenes Foto)
NFC-Chip auf einem Aufkleber (eigenes Foto)
Das Prinzip hinter der NFC ist die berührungslose Kommunikation per Induktion, etwas, das digital Interessierte spätestens seit dem Thema RFID kennen. Ein – dieses Mal im wörtlichen Sinn – winziger Chip geringer Komplexität kann als Sender und Empfänger wirken und sendet oder empfängt, wenn er einem anderen NFC-Chip nahe kommt, ganz automatisch. Weil die Sache induktiv abläuft, wird eine Stromquelle nicht gebraucht. Übrigens: Das führt dazu, dass der NFC-Chip im Handy auch dann sendet oder empfängt, wenn das Gerät gar nicht eingeschaltet ist. Der eigentliche Clou ist die genannte Automatik. Die Annäherung an einen anderen NFC-Chip triggert das, was auf dem eigenen NFC-Chip gespeichert ist.

2. Smartphone am Arbeitsplatz stummschalten
Dieses Mal lautet die Kategorie “Töne & Lautstärke”, und die Option “Ton-Profil” muss ausgewählt werden. Im nächsten Schritt wählt man das Profil “Stumm” oder “Vibrieren” aus. Damit an mit demselben NFC-Tag das Klingeln wieder einschalten kann, wählt man das “+” bei “Switch-Aufgaben” und fügt die entsprechende Aktion zum Laustellen des Smartphones hinzu. Die beiden Aufgaben sind verbunden; das bedeutet: Ist die eine ausgeführt und man berührt den NFC-Tag, wird die jeweils andere ausgeführt. So kann man bei Arbeitsbeginn über den Aufkleber auf leise und bei Feierabend wieder auf laut stellen.

Screenshot: Eine Aktion mit Trigger konfigurieren
Screenshot: Eine Aktion mit Trigger konfigurieren
Ursprünglich gedacht bzw. praktisch eingesetzt wurde die NFC-Technik auf Nokia-Handys zur Datenübertragung, vor allem dazu, Kontaktdaten von Handy A auf Handy B zu übertragen. Heute dienen die NFC-Chips in den Smartphones für jede Form von indirekter Datenübertragung. Beim kontaktlosen Bezahlen am Kassenterminal im Supermarkt werden nämlich keine Daten ausgetauscht, sondern per NFC-Annäherung eine Datenverbindung zwischen der Geld sendenden und der Geld empfangenden Instanz hergestellt. Das ist weniger komplex als es sich anhört. Auch nicht besonders kompliziert ist das Konfigurieren von Datenverbindungen zwischen zwei Geräten per NFC – zum Beispiel das Koppeln und/oder das Verbinden von Bluetooth-Devices. Immer mehr Hersteller von Maschinen der Unterhaltungselektronik integrieren NFC-Chips, sodass man mit einer passenden App von einem NFC-fähigen Smartphone aus die Konfiguration vornehmen kann.

3. Smartphone per Bluetooth mit der AV-Anlage verbinden
Auch dies ist wieder eine Switch-Aufgabe, die aus dem Verbinden und dem Trennen besteht. Voraussetzung ist, dass das Smartphone mit der AV-Anlage per Bluetooth gekoppelt ist. Diese Vorgänge mit einem NFC-Tag zu erledigen kann sehr nützlich sein, wenn das Smartphone mit mehreren Empfänger zum Abspielen von Medien gekoppelt ist und man das automatische Verbinden übergehen will. Die Kategorie ist “Bluetooth”, die Aktion “Verbinden Sie ein Gerät”. Das wird im nächsten Schritt und festgelegt, ob nur Medien oder auch Telefontöne übertragen werden sollen. Bei der zweiten Aufgabe wählt man dann “Verbindung zu einem Gerät trennen”. Der Aufkleber kann zum Beispiel auf der Rückseite der AVR-Fernbedienung angebracht werden.

Screenshot: Aufgabe mit Trigger auf den NFC-Chip schreiben
Screenshot: Aufgabe mit Trigger auf den NFC-Chip schreiben
Noch nicht so richtig durchgesetzt hat sich die Integration von NFC-Tags in Druckerzeugnissen wie Poster, Tickets und Visitenkarten. Als einige Anbieter der Außenwerbung solche NFC-Tags mit Zusatzinformationen in ihre Großplakate integrierten, wurde das von den Usern schlicht nicht angenommen – ganz im Gegensatz übrigens zu aufgedruckten QR-Codes. Aber das kann sich ändern. So wie das kontaktlose Bezahlen die Gemeinde der Nutzer daran gewöhnt hat, das Smartphone an eine markierte Stelle zu halten, um etwas auszulösen. So verbreiten sich NFC-gesteuerte Einlasskontrollsysteme und Bezahlautomaten für Fahrscheine und Parktickets gerade mit rasanter Geschwindigkeit.

4. Inhalt von Kramkisten anzeigenDiese Aufgabe betrifft Menschen, die ihren Kram in Kisten, Kästen und Schubladen aufbewahren. Das Prinzip ist simpel: Für jede Kramkiste wird ein Aufkleber programmiert, der den Inhalt in Form einer Textnachricht anzeigt – denn das geht auch. Die Kategorie ist “Nachrichten”, die Aktion “Text anzeigen”, den man im folgenden Pop-up eingibt. Fährt man mit dem Smartphone über den Aufkleber, wird der eingegebene Text als Fensterchen auf dem Smartphone-Display angezeigt.

NFC-Tag auf der Fernbedienung des AV-Receivers (eigenes Foto)
NFC-Tag auf der Fernbedienung des AV-Receivers (eigenes Foto)
Und weil die Softwareseite der NFC-Technologie so erfrischend simpel ist, kann jeder selbst NFC-Tags programmieren – in Sekunden! Was ist überhaupt mit einem NFC-Tag gemeint? So werden Dinge genannt, die einen NFC-Chip enthalten, der für eine bestimmte Aufgabe programmiert wurde. NFC-Tags gibt es als Schlüsselanhänger, als flache Kästchen, integriert in Kugelschreiber und zum Glück auch als Aufkleber für sehr, sehr kleines Geld. Gerade letztere sind nicht nur perfekte Übungsfelder, sondern auch ungemein praktisch, wenn man sie richtig einsetzt. So ein Päckchen mit zehn Aufklebern ist im Versandhandel schon für weniger als sieben Euro zu haben. Und die passende Android-App namens Trigger ist (nach einer kostenlosen Testphase) für knapp 2,20 Euro zu haben. Ebenfalls empfehlenswert ist die App NFC Tools, die es sowohl für Android, als auch für iOS gibt.

5. Smartphone als Wecker automatisierenDie einfachste Variante besteht darin, durch Berühren des NFC-Tags am Nachtkasten die Wecker-App des Vertrauens zu aktivieren. Die Kategorie heißt “Anwendungen & Shortcuts”, die Aktion “Anwendung”, die anschließend auszuwählen ist. Natürlich muss die App auf die gewünschte Weckzeit eingestellt sein. Hier kommen auch die sogenannten “Restrictions”, die immer am Anfang des Anlegens einer neuen Aufgabe abgefragt werden, ins Spiel, denn hier kann man bestimmten, dass die Aufgabe nur an Werktagen ausgeführt wird. Komfortabler wird die Sache, wenn man weitere Aktionen hinzufügt – zum Beispiel das Stummschalten des Smartphones. Und natürlich kann man eine Switch-Aufgabe beifügen, die den Wecker stoppt und die Klingeltöne wieder aktiviert. Alternativ lässt sich das Wecken auch über die Kategorie “Alarm”, die Trigger anbietet, programmieren.

Das Programmieren (wir zeigen es am Beispiel der Trigger-App für Android) ist denkbar einfach. Man legt eine neue Aufgabe an, wählt den gewünschten Auslöser (Trigger) und anschließend die auszuführende Aktion. Handelt es sich um eine sogenannte “Switch-Aufgabe” (= Ein- und Ausschalten), muss eine zweite Aktion definiert werden. So programmierte Aufgaben kann man dann speichern und natürlich auf einen NFC-Chip schreiben. Übrigens: Der Inhalt eines beschriebenen Chips kann auch wieder gelöscht, das Ding erneut beschrieben werden – das soll nach Herstellerangaben einige hundert- bis tausendmal funktionieren. In diesen Beitrag haben wir fünf Beispiele für ganz konkrete NFC-Tag-Anwendungen integriert. Also, NFC-Aufkleber kaufen, NFC-App installieren und loslegen.

Das ultimative Video zum Thema (ca. eine Stunde Laufzeit):

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