IBM PC-Keyboard: Die ewige Traumtastatur

Kleine Weltgeschichte der Tastaturen – von der Klaviatur zum virtuellen Keyboard

Schon mal was von einem gewissen Herrn Ktesibios gehört? Nun, diesem Ingenieur aus dem 3. Jahrhundert v. Chr., verdanken wir die Taste. Nach allem, was bekannt ist, war er es, der die Idee hatte, dass ein Mensch mit dem Finger auf etwas draufdrückt und etwas geschieht. Bei ihm kam das Prinzip bei der Klaviatur seiner berühmten Wasserorgel zum Einsatz. Es dauerte aber fast 1.900 Jahre bis die Taste nicht mehr nur an Musikinstrumenten zum Einsatz kam, denn erst mit der zweiten Welle der Schreibmaschinenerfindungen wurde die Idee auf technische Geräte übertragen. Und damit war das Prinzip in der Welt, dass der Druck auf eine bestimmte Taste den gewünschten Buchstaben auslöst. Genial, oder?

Um 1970: Die Erfindung der elektronischen Tastatur

Die Wasserorgel – vermutlich das erste Ding mit einer Klaviatur
Jedenfalls für die ungefähr 150 Jahre währende Glanzzeit der Schreibmaschine. Denn Tasten gab es ab etwa 1900 nicht bloß an diesen Tippkisten, sondern an allen möglichen Maschinen. Vorher waren Hebel und Handräder die beliebtesten Bedienelemente von mechanischen Vorrichtungen. Die Taste machte also Karriere. Und als der Fernschreiber den Morse-Apparat ablöste, hatte sich das Prinzip vollends durchgesetzt. So kam es, dass bei allen frühen Rechenmaschinen und analogen Computern Tastaturen als Eingabegeräte gab. In der legendären Zeit der Selbstbaucomputer in den Siebzigerjahren waren es meist Telex-Tastaturen, die an die digitalen Kästen angeflanscht wurden, um Programme eintippen zu können.

Commodore PET - Komplettsystem mit integrierter Tastatur
Commodore PET – Komplettsystem mit integrierter Tastatur
Diese Keyboards funktionierten im Gegensatz zum Gros der Schreibmaschinen nicht mehr mechanisch (über Typenhebel), sondern elektrisch. Das heißt: Wird eine Taste gedrückt, schließt das einen Stromkreis; ein so geschlossener Stromkreis löst dann die gewünschte Reaktion aus. Der Schritt zur elektronischen Schreibmaschine erfolgte fast gleichzeitig mit den ersten Komplettcomputern à la Commodore PET, bei denen der Käufer nicht nur die Zentraleinheit bekam, sondern gleich einen fest installierten Bildschirm und eine integrierte Tastatur. Schreibmaschinen, die mit elektronischen Tastaturen ausgestattet waren, nannte man sinnigerweise Korrektur- oder Speicherschreibmaschinen, denn bei denen konnte eine gewisse Anzahl eingetippter Zeichen (anfangs maximal eine Zeile, dann 128 Zeichen und so weiter…) in einem internen Speicher abgelegt und zum Drucken wieder hervorgeholt werden.

Um 1980: Der IBM PC und seine Traumtastatur

IBM Selectric mit der Mutter aller IBM-Tastaturen
IBM Selectric mit der Mutter aller IBM-Tastaturen
Die Tastaturen der legendären IBM-Kugelkopfmaschinen kann man als die Urmütter aller Computertastaturen ansehen, weil sie bereits alle mechanischen und elektronischen Merkmale besaßen, die später Standard wurden. Wegen der hohen Verarbeitungsqualität und der enorm robusten Mechanik waren solche Tastaturen allerdings sehr teuer in der Herstellung. Also dachten sich die Macher der frühen Homecomputer – allen voran Sir Clive Sinclair – Alternativen aus und griffen dabei zum Beispiel auf die Eingabevorrichtungen von Billigtaschenrechnern zurück; das Prinzip der Chiclet-Tastatur war geboren. Nicht dass diese Keyboards aus Kaugummi gefertigt gewesen wären, aber weil sie aus einem Stück Gummi gefertigt waren, wobei die eigentlichen Tasten als erhabene Knöpfe hervorstanden, sahen sie im ausgebauten Zustand aus wie ein Riegel Chewing Gum.

Der Sinclair ZX81 - der Computer, der am TV hing
Der Sinclair ZX81 – der Computer, der am TV hing
Ja, man konnte mit den Tastaturen von ZX81 und Spectrum Texte eingeben, aber das war eine unschöne Angelegenheit, weil das Gummi sich a) anfühlte wie tote Haut und b) dieses Keyboard so gut wie keine haptische Rückmeldung erzeugte. Aber, es ging noch schlimmer: Die Folientastatur war und ist der Feind eines jeden ernsthaften Tippers. Bei diesen dünnen Plastikdingern sind die Tasten maximal in Form sanfter Hubbel zu spüren; im Grunde drückt man tatsächlich eine Leiterbahn auf eine andere. Zum Glück kamen diese furchtbaren Dinger nur sehr selten an Computer zum Einsatz.

Die Traumtastatur aller Tastenliebhaber aber ist bis auf den heutigen Tage das schwere, mit massivem Metallanteil hergestellte Keyboard des ursprünglichen IBM PC. Echte Fans haben solche Tastaturen am Leben erhalten und immer Wege gefunden, sie an ihrem jeweils aktuellen Desktop-Computer anzuschließen. Dieser Bugatti unter den Tastaturen sitzt auf einem Chassis aus Blech, es gibt echte Federn aus Metall, und die Tasten sind einzeln aus massivem und unverwüstlichem Kunststoff gegossen, das jeweilige Zeichen regelrecht eintätowiert. Dass es die IBM war, die ein solches Ding baute, nimmt nicht weiter wunder, den Tastaturen bauen, dass konnte der Büromaschinengigant.

Ab etwa 1990: Die Glanzzeit der Apple-Tastaturen

Apple Magic Keyboard - die Krone der Tastaturschöpfung
Apple Magic Keyboard – die Krone der Tastaturschöpfung
Um der Wahrheit die Ehre zu geben: Die Keyboards der Commodore-Business-Computer und auch die des Apple II standen denen von IBM nur wenig nach. Leider aber sparten alle ernsthaften Computerhersteller ab etwa Mitte der Achtzigerjahre ausgerechnet am wichtigsten Eingabegerät. Ja, IBM brachte es fertig, den IBM PC jr. mit einer Gummitastatur auszustatten – vielleicht der Grund für den gigantischen Misserfolg des Gerätes. Zum Glück setzte mit den Neunzigerjahren eine Welle an Innovationen auf diesem Gebiet ein; getrieben vor allem durch den rasch wachsenden Bedarf an vernünftigen, aber platzsparenden Tastaturen für die erste Generation Laptops.

Mit Steve Jobs’ Wiedereinstieg bei Apple setzte sich die Mac-Company sofort an die Spitze dieser Entwicklung – und blieb es bis heute. Fast jeder Fortschritt, ob nun in Sachen Mechanik, Elektronik, Design und Langlebigkeit, fand zuerst bei einer Apple-Tastatur statt. Währenddessen entkoppelte sich der Markt für Tastaturen bei den Desktop-Windows-Maschinen fast vollständig von den Computerherstellern – Keyboards als Zubehör waren das Gebot der Stunde, und die Firma Logitech, die schon bei den Mäusen zum Liebling der Massen geworden war, setzte sich an die Spitze dieser Bewegung. Dieses Unternehmen war es auch, dass die Verbreitung von drahtlosen Mäusen und Tastaturen vorantrieb.

Vom Wegwerf-Keyboard zur Bildschirmtastatur

Wireless Keyboard & Mouse von Logitech - das Convenience-Produkt
Wireless Keyboard & Mouse von Logitech – das Convenience-Produkt
Gleichzeitig warfen taiwanesische Kleinsthersteller Wegwerftastaturen zu unvorstellbar geringen Preisen auf den Markt. Kostete eine Original-Mac-Tastatur um 1995 um die 300 DM, konnte man ein PC-Keyboard mit separatem Ziffernblock bei den Chinesen schon für unter 20 DM bekommen. Vielschreiber lernten es schnell, dass die Billigdinger selten länger als ein halbes Jahr durchhielten. Und wenn es nicht die Mechanik war, die die Grätsche machte, dann waren es die langsam schwindenden Tastenbeschriftungen, die das Benutzen unmöglich machten. Heute sind elektronische Keyboards mit mechanischen Taten Convenience-Produkte, die von spezialisierten Firmen für die Hersteller von Notebooks entwickelt und gefertigt werden. Sie funktionieren durchweg nach denselben Prinzipien und unterscheiden sich letztlich nur in Nuancen, die außer Menschen, die täglich stundenlang tippen, niemand überhaupt wahrnimmt.

Bildschirmtastatur so schön wie ein "richtiges" Keyboard
Bildschirmtastatur so schön wie ein “richtiges” Keyboard
Die radikalste Neuerung auf dem Gebiet der Zeicheneingabe aber war die Erfindung der Bildschirmtastatur, auch On-Screen-Keyboard genannt, deren Anfänge in den Neunzigern zu suchen sind, als Hersteller von Infobildschirmen im öffentlichen Raum darüber nachdachten, ob man stör- und zerstöranfällige Tastaturen vermeiden könnte. Weil aber die Touch-Technik noch sehr in den Anfängen steckte, kamen erste Screen-Keyboards mit komplettem Zeichensatz an Automaten der Deutschen Bahn erst um 2000 herum zum Einsatz. Von da war der Schritt zur virtuellen Tastatur bei Apples iPhone nicht mehr weit.

Spracheingabe – die Alternative?

Wer ein iPad oder ein Android- oder Windows-Tablet besitzt und nutzt, weiß, dass man mehr als ein Suchwort über das Tippen auf dem Touchscreen kaum gern eingeben mag. Bei der virtuellen Tastatur fehlt naturgemäß die haptische Rückmeldung – das sanfte Vibrieren oder der Ton bei erfolgreichem Tippen reißt es da auch nicht raus. Andererseits ist in den letzten zehn Jahren eine Generation Smartphone- und Tablet-User entstanden, die in der Lage sind unter alleiniger Verwendung der beiden Daumen ratzfatz ganze Romane auf dem Touchscreen zu tippen.

Schon mehrfach wurde die Tastatur als Eingabegerät totgesagt. Die Spracheingabe sei das nächste große Ding, und irgendwann könnten die Maschinen die Gedanken lesen und in Text auf dem Display übersetzen. Aber obwohl sich gerade die Methoden der Spracherkennung in den vergangenen rund fünf Jahren dramatisch verbessert haben, setzen Journalist*innen und Schriftsteller*innen immer noch auf das gute, alte Keyboard. Obwohl: Der Verfasser dieses Artikels hat kürzlich eine komplette Kurzgeschichte in sein Smartphone diktiert, während der mit den Hund unterwegs war – hat gut funktioniert, und der Bedarf an Nacharbeit hielt sich in Grenzen.

[Bildnachweis: Titelbild – moparx via Wikimedia unter der Lizenz CC BY-SA 2.0; Wasserorgel – via Wikimedia, gemeinfrei; Commodore PET – Photograph by Rama via Wikimedia unter der Lizenz CC BY-SA 2.0 FR; IBM Selectric – Oliver Kurmis via Wikimedia unter der Lizenz CC BY 2.5; Apple Magic Keyboard – via microdream.co.uk; Logitech Wireless Keyboard & Mouse – via logitech.com; Bildschirmtastatur – via tutonaut.de]

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2 Gedanken zu „Kleine Weltgeschichte der Tastaturen – von der Klaviatur zum virtuellen Keyboard“

  1. Neben den Tastatur-“Convenience Produkten” gibt es auch noch sehr spezialisierte. Vorne dabei ist immer noch Cherry – die mit einem Satz MX-Tasten (Red, Blue, Brown, …) ganz unterschiedliche Tastaturtypen ansprechen. Das soll keine Werbung sein – aber ich persönlich habe noch nie eine angenehmere Tastatur als die Lioncast LK30 (mit Cherry MX-Blue) zum Arbeiten gehabt. Klappert zwar so schlimm wie die ältesten IBM-Tastaturen – ist aber irre präzise – und leider auch richtig ordentlich teuer (über 120 €). Also auch bei den Tastaturen ist IT noch lange nicht am Ende :-)

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