Warum ich Software-Abos nicht mag und trotzdem Office 365 gemietet habe

Zwei meiner vielen Office-Packages. Das ist jetzt Vergangenheit.
Zwei meiner vielen Office-Packages. Das ist jetzt Vergangenheit.

Mit dem Alter wird man konservativ. Nein, nicht politisch, sondern wenn es darum geht, Software zu kaufen. Ich überlege es mir sehr gut, bevor ich Geld für ein Programm in die Hand nehme. Es ist ein Investment, meist ein überschaubares, aber auch das muss sich bezahlt machen.

Und jetzt soll ich ein Abo abschließen? Für Office?

Ich weiß nicht, wie viele Office-Pakete ich in meinem Leben schon gekauft habe. Vier, fünf, acht? Seit gut einem Jahr läuft ein Office 2011 auf meinem Mac. Für meine Windows-Rechner ist noch ein Office 2010 da. Alles brav bezahlt. Und jetzt soll ich so ein Abo abschließen, mit dem ich dann noch einmal ein Office 2011 für den Mac bekomme? Für 99 Euro – also nur unbedeutend weniger als die 2011er-Kaufversion hat? Zwei mal für dieselbe Software zahlen? Und dann jedes Jahr noch einmal 99 Euro? Wer kommt denn auf so eine Idee?

Warum zum Donner will mich Microsoft in ein Abo zwingen?

14 Jahre dieselbe Software – das ist nicht gut für Hersteller

Ich vermute, Microsoft hat ein Trauma. Denn Software-Käufe sind zwar schön für den Kunden, aber eine grausame Vorstellung für die Hersteller. Man stelle sich vor: Jemand hätte im Jahr 2000 ein Betriebssystem gekauft und es 14 Jahre lang in Betrieb gehabt. Horror!

Oh, Moment mal, genau das hat Microsoft gerade hinter sich. Mit Windows XP. Darauf liefen Office 2000 und ähnlich olle Kamellen prima und ewig lang. Wer einmal XP und ein altes Office gekauft hatte, brauchte 14 Jahre nichts mehr investieren.

Gut für den Kunden. Aber damit so etwas nie mehr passiert hat sich Microsoft umgeschaut und ein verheißungsvolles Geschäftsmodell gefunden: Das Abo. Adobe macht es vor mit seiner Creative Cloud.

Doch Adobe hat andere Voraussetzungen: Filmemacher und Fotografen warten auf neue Features von Photoshop und Premiere, auf neue, effektivere Codierungsverfahren, neue Filter und und und. Bei der Fotobearbeitung, beim Videoschnitt und bei Spezialeffekten ist noch so viel Raum für Innovation. Die Kundschaft lechzt nach Updates und zahlt für schnelle Neuerungen gerne einen Abo-Preis.

Winword 2.0 reicht eigentlich als Textverarbeitung, oder?
Winword 2.0 reicht eigentlich als Textverarbeitung, oder?

Bei Office lechzt man… nach garnix. Ehrlich gesagt war mein Bedarf an Text-Funktionen schon mit Word für Windows 2.0 gesättigt. Und auch da hatte ich mir den Umstieg von Word für DOS schon eine ganze Weile überlegt.

Das ist das Dilemma von Microsoft: Richtige Innovationen sind bei Office-Programmen nicht notwendig. Es gibt keine raffinierten Filterfunktionen, die einen Text kühler wirken lassen oder aus einem farblosen Memo ein prächtig coloriertes Poem zaubern. Auch an der Rechenzeit muss man nicht groß optimieren. Die Computer sind heute schnell genug für Texte.

Was war denn der letzte große, technologische Wurf bei den Textverarbeitungen? Sagt jetzt bitte nicht: „Die Grammatikprüfung“.

Mietzwang statt Kauffreude

Es spricht also alles gegen das Abo und nichts dafür. Oder? Ok, ich bekomme auch ein Office für das iPad und bis zu fünf Lizenzen für meine Windows- und Mac-Rechner.

Und da ist noch etwas, nämlich die Dreingaben zu Office 365. Da gibt es für jeden Kunden 1 TByte Cloud-Speicher obendrauf. Und für bis zu fünf Familienmitglieder nochmals je ein TByte. Damit kann ich eine ganz andere Rechnung aufmachen:

Ich habe nämlich einen Dropbox-Account mit einem TByte Speicher für 99 Euro pro Jahr. Bei Microsoft bekomme ich Office 365 mit einem einjährigen Abo des Cloud-Speichers Onedrive für denselben Preis: 99 Euro pro Jahr. Also: Dropbox weg, Onedrive her und Office 365 bekomme ich oben drauf. So herum gesehen rechnet sich das Investment dann doch wieder – auch für konservative Software-Kunden.

2 Gedanken zu „Warum ich Software-Abos nicht mag und trotzdem Office 365 gemietet habe“

  1. Auch wenn ich Dir zustimme, dass die Funktionen des ersten Office für fast alle ausreichend sind: es sind doch einige kleine, aber feine Änderungen in den Jahren dazugekommen. Nehmen wir die bessere Stabilität der Programme (kein Absturz mehr nach 100 Seiten oder so), die andere (bessere?) Bedienungsoberfläche, die Zusammenarbeit mit Onlinespeichern, das Speichern im PDF-Format, das Öffnen und Bearbeiten von PDFs und und und. Für mich wichtigster Grund für Office 365 war aber Outlook. Ich will nicht mehr PST-Dateien von einem Rechner auf den anderen schaufeln, wenn sich mal die Hardware ändert oder ich in Urlaub fahre. Und wenn man mal die Kosten für einen Exchange-Onlineaccount gegen Office365 rechnet, ist der Extra-Onlinespeicher nicht das gewichtigste (aber durchaus zählendes) Kostenargument. Mal sehen, wie die Abojahre ins Land gehen….

  2. Stimmt – die höhere Stabilität war mir schon ein paar Updates wert ;) Das mit PDF habe ich gar nicht mitbekommen, auf dem Mac ist PDF-Ausgabe eh in der Druckfunktion integriert.
    Was mir noch ganz gut gefällt ist die Zusammenarbeit über das Onedrive. Auf dem Mac noch ein bissl holperig über das Web-Interface, aber allemal praktisch. Dann kann man sich das ewige hin- und herschicken von Dokumenten nämlich sparen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.