Einer der neuen DVB-T2-Receiver

Was zur Hölle… der große DVB-T2-Schwindel

Als parallel zum Sterben des klassischen Antennenfernsehens DVB-T kam, atmeten viele Zuschauer auf: Digitales Fernsehen ohne Gebühren fürs Kabel und ohne hässliche Satellitenschüssel auf dem Dach. Die Receiver für das terrestrische System waren spottbillig, der Empfang meistens gut, und selbst die ollste Glotze zeigte das schöne, neue Fernsehen. Eigentlich waren alle zufrieden, bis irgendwer auf die verrückte Idee kam, man müsse per Antenne auch HD-Inhalte gucken können. Da jauchzte das Privatfernsehen auf, denn sofort sah man eine Chance, jetzt auch Kabel- und Satellit-Abstinenzler abzocken zu können. Und tatsächlich: Bei Licht betrachtet ist DVB-T2 nicht mehr als der Einstieg ins flächendeckende Pay-TV.

Die gute Nachricht: Die öffentlich-rechtlichen Sender von ARD und ZDF über die Dritten bis zu den Spartensendern ARTE, 3SAT, One etc. wird man auf jeden Fall und langfristig kostenlos genießen können. Wer aber partout Privatsender in HD schauen will, wird von Beginn an bezahlen müssen. Um die Kanäle der RTL-und Pro7Sat1-Familie empfangen zu können, werden 69 Euro pro Jahr und Empfangsgerät fällig. Außerdem muss natürlich ein passender DVB-T2-Receiver angeschafft werden, und wenn der alte Fernseher kein FullHD kann, muss ein neuer her.

Rein statistisch betrifft das aber nur rund 10 Prozent der deutschen Haushalte, weil der Rest eben per Kabel oder Satellit guckt. Tatsächlich werden aber vor allem Menschen zur Kasse gebeten, die aus guten Gründen bisher DVB-T nutzten. So finden sich in der Mehrheit der Wohnwagen und Reisemobile, in Tausenden Häuschen von Kleingärtnern und anderen temporären Wohnorten Empfänger für das kostenlose terrestrische Fernsehen. Die Dunkelziffer dürfte riesig sein, denn niemand kann genau sagen, wie viele Konsumenten bisher auf DVB-T gesetzt haben.

PayTV durch die Hintertür

Für die privaten Anbieter aber bietet sich mit dem kostenpflichtigen DVB-T2 eine gewaltige Chance. Sie können – praktisch durch die Hintertür und scheibchenweise – auf Pay-TV umstellen. Viele Experten erwarten nämlich, dass es UltraHD-Inhalte grundsätzlich nicht kostenfrei geben wird (außer beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen). Das wäre durch nichts gerechtfertigt außer dem starken Willen, Geld beim Zuschauer zu holen und nicht mehr von der Werbewirtschaft abhängig zu sein. Denn es ist weder teurer, in 4K-Qualität zu produzieren, noch entstehen den Sendern – im Vergleich zum alten DVB-T – neue Kosten, wenn sie per DVB-T2 ausstrahlen.

Hört man sich aber bei den Kunden um, dann könnte es sein, dass die Rechnung der Privatsender nicht aufgeht. Denn die bieten bisher (und vermutlich auch zukünftig) kaum Inhalte, die es Wert sind in HD-Qualität angeschaut zu werden. Möglicherweise verrechnen sich diese Anbieter sogar ganz gewaltig, indem sie darauf vertrauen, die Konsumenten werden ihr Angebot auch dann schlucken, wenn es etwas kostet.

Und dann lauert da natürlich noch das rasant wachsende Fernsehen per Streaming. Schon seit Langem wächst die Zahl der TV-Nutzer, die sich Sendungen nicht mehr live anschauen, sondern sie „on demand“ in den Mediatheken abrufen. Und je smarter die TV-Geräte werden, also je mehr Inhalte direkt aus dem Internet auf die Mattscheibe geholt werden können, desto weniger spielt der klassische Empfang übers Kabel, über den Satelliten oder eben per DVB-T2 eine Rolle.

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