Der Vobis Colani-PC: Biomorpher Rechner - so einen hatte ich zwischendurch auch mal (Foto: Vobis)

Alle meine Computer – Phase IV (1994 – heute)

Wie jetzt – nachdem wir anfangs immer nur über drei, vier, fünf Jahre gesprochen haben, sollen jetzt 27 Jahre am Stück abgehandelt werden? Ja, so ist es, denn Mitte der Neunzigerjahre war es mit den ganz großen Innovationen in Sachen Computerhardware weitestgehend vorbei. Jedenfalls, was mein digitales Leben angeht. Ab 1996 wurde das Internet wichtiger als jede Kiste, und mit der Ankunft des Smartphones war auch die ewige Suche nach dem ultimativen Handheld vorbei. Eigentlich hätte die Phase IV auch nur die Jahre von 1994 bis 2007 umfassen können, denn danach waren die Rechner an sich nur noch Convenience. Aber, greifen wir nicht vor, sondern beginnen wir mit meinem langsamen Abschied von der Firma Apple.

Der große, schöne Mac II tat übrigens fast acht Jahr treu und brav seinen Dienst als reine DTP-Maschine und machte sich so bezahlt. Bei meiner journalistischen Tätigkeit aber brachten mich die Apple-Alleingänge immer öfter in Schwierigkeiten. Die Auftraggeber lebten in der Windows-Welt und verlangten nach Winword-Dateien, und immer öfter gab es Kompatibilitätsprobleme. Also musste ein PC her; der nächste stammte wieder von Vobis. Anlässlich eines Besuchs im “Werk” in Würselen, wo die Highscreen-Kisten zusammengebastelt wurden, ließ mir Janet Spacey-Rennings, die damalige Pressesprecherin, ein State-of-the-Art-Maschinchen für mich schneidern, dass ich in meiner Eigenschaft als Journalist als Dauerleihgabe erhielt – das war damals so üblich.

Damals eine Design-Sensation: Der schwarze ESCOM-PC; davon hatte ich mal einen (Foto: ESCOM)
Damals eine Design-Sensation: Der schwarze ESCOM-PC; davon hatte ich mal einen (Foto: ESCOM)

Darin war dann schon eine Pentium-CPU verbaut, und das machte den Rechner – für damalige Verhältnisse, also 1994/95 – sauschnell. Dazu eine gigantisch große Festplatte mit, ich glaube 40 MB! Und eine superduper Grafikkarte, und was das PC-Nutzerherz sonst noch so erfreute. Der Highscreen kam ins Büro nach Köln, denn gegen jede Wahrscheinlichkeit war ich im Frühjahr 1994 Mieter im dortigen Mediapark geworden, in einem Gründerzentrum namens Leonardo. Die Belegschaft zerfiel in die Kreativen, die natürlich allesamt Apple-Fanboys und -girls waren, und die mehr so Bodenständigen, die wie ich mit Windows-Rechnern arbeiteten.

Apple Powerbook 170 - samt schicker Original-Designer-Tasche (eigenes Foto)
Apple Powerbook 170 – samt schicker Original-Designer-Tasche (eigenes Foto)

Aber so ganz hatte ich mich noch nicht von seiner Jobness gelöst. Nachdem ich mit Laptops bis dahin nie wirklich glücklich geworden war, leistete ich mir 1995 ein Powerbook 170, eines dieser dumpfgrauen schweren Dinger mit dem markanten Trackball unterhalb der Tasten, der beim Tippen immer irgendwie im Weg war. Wie alles von Apple war das Powerbook doppelt so teuer. Und um meine Verbundheit mit dem Obstladen zu signalisieren, leistete ich mir die passende Tasche dazu – die war kunterbunt, und darauf wurde ich dauernd angesprochen. Auch dieses Appelchen funktionierte gut zehn Jahre – leider hatte ich die Festplatte mit einem Komprimierungsprogramm traktiert, was man angesichts der schlappen 10 MB gern tat, und irgendwann hatte ich keinen Zugriff mehr auf die gespeicherten Daten. Kein Backup, kein Mitleid.

So schleppte ich mich durch die Neunzigerjahre und verlor jedes Interesse an Hardware und Betriebssystemen – musste halt funktionieren. Viel wichtiger war der Zugang zum Internet, der selbst in der zweiten Hälfte der Neunziger nicht immer trivial herzustellen war. Im Rahmen eines HTML-Projekts der Gesellschaft für Mathematik und Datentechnik (GMD), das wir zu dritt 1994 stemmten, bekam ich meine erste echte Mailadresse – am CERN in Genf, also an der Quelle. Außerdem schaffte es die Telekom tatsächlich, uns im Kölner Gründerzentrum mit dem breitbandigsten Internet zu versorgen, das es damals gab. Wie gesagt: Die Computer spielten eine Nebenrolle. Und das sollte mit Ausnahmen auch so bleiben.

Sony Vaio PCG-505 - für kurze Zeit ein Kultcomputerchen (Foto: Sony)
Sony Vaio PCG-505 – für kurze Zeit ein Kultcomputerchen (Foto: Sony)

Denn im Jahr 2000, ich war bei einer PR-Agentur gelandet, die Kunden aus der IT fangen wollte, verliebte ich mich ein letztes Mal in einen Computer. Genauer: in eine Marke. Sony Vaio hieß die neue Liebschaft, und unter diese Sigel gab es ein superleichtes 10-Zoll-Notebook, dessen Äußeres ästhetisch gut mit den Apple-Geräten mithalten konnte. Das Gehäuse bestand aus bläulich schimmerndem Leichtmetall und war bei Meetings der absolute Blickfang. Technisch war das Ding nichts Besonderes, dafür aber teuer – nicht ganz so wie ein Apple, aber beinahe. Leider rauchte mein erstes Vaio-Notebook nach dem nicht fachgerechten Einbau von mehr Speicher bei einem “Experten” final ab – ein Versicherungsschaden.

Nachdem der mächtige Highscreen-PC für fast alles, was an einem Computer zu tun war, zu langsam geworden war, ließ ich mich auf ein großes Abenteuer ein: ich baute mir meinen erste (und einzigen) Rechner eigenhändig zusammen – with a little help from my chinese hardware expert von um die Ecke. Der Tower war ein Monster: irre viel RAM, übertakteter Pentium, zwei GB-Festplatten und und und. Immer mal ging was kaputt, dann taperte ich zu Phong, der gar kein Chinese war, sondern Vietnamese, fachsimpelte und nahm die Ersatzteile zum Selbsteinbau mit. Dieser PC Marke Eigenbau lebte von 2003 bis 2015; irgendwann ging mir das Lüftergeräusch auf den Zwirn, und ich fand einen Abnehmer, der gern selbst daran weiter basteln wollte. In Sachen Notebook kam alle zwei Jahre ein neuer Vaio ins Haus.

Süß! Das winzige Display des Asus Eee PC (eigenes Foto)
Süß! Das winzige Display des Asus Eee PC (eigenes Foto)

Bis ich Ende 2007 von diesem kleinen, billigen Linux-Computerchen von Asus las. EeePC hieß der, und auf krummen Wegen hielt ich schon im Januar 2008 solch ein Unikum in den Händen. Mir gefiel die Idee, einen 7-Zoll-Rechner zu haben, der einfach nur funktionierte. Ich stürzte mich auf Linux, und ich schrieb ganz schnell ein Buch über den EeePC, das sogar ein Verkaufserfolg wurde. Um ehrlich zu sein: Ernsthaft als Arbeitsgerät habe ich den Winzling nie eingesetzt. Ja, und das war sie auch schon fast, die Geschichte der Computer meines Lebens. Seit 2016 dient ein Terra-PC-Notebook von Wortmann Dienst als Hauptrechner – per Docking-Station ist die übliche Peripherie angebunden; bewegt wird er eher selten. Und langsam kommt er in die Jahre. Für den mobilen Einsatz verlasse ich mich auf ein Windows-Tablet, ebenfalls von Wortmann. Mein Laserdrucker stammt von Brother und wurde 2008(!) angeschafft.

Das 2-in-1-Notebook als klassischer Laptop - hier mein Terra PC von Wortmann (eigenes Foto)
Das 2-in-1-Notebook als klassischer Laptop – hier mein Terra PC von Wortmann (eigenes Foto)

Wo sie alle geblieben sind, meine Computer? Unterschiedlich: Es waren eine Menge Dauerleihgaben von Herstellern darunter, die ich irgendwann zurückgeben musste oder zum Zwecke der Entsorgung retour schicken durfte. Für die abgelegten Vaios fand ich durchweg Käufer auf eBay. Den einen oder anderen PC erbte eines meiner Kinder. Etliche Macs und PCs wurden fachgerecht entsorgt. Komischerweise ist das erwähnte Powerbook in der Quietschbunttasche der einzige alte Computer, den ich bis heute besitze – auch wenn er nur noch als Schmuckstück im Büro dient. Und, nicht verraten, manchmal liebäugle ich doch noch mit einem Apple; kann gut sein, dass ich mir irgendwann mal wenigstens einen Mac Mini zulege…

[Bildnachweis – alles eigene Fotos außer – Titelbild: Vobis; Escom: ESCOM; Vaio: Sony]

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