Mein Amiga-Revival und warum es an der Floppy scheiterte

Ein Amiga-Revival sollte es werden. Doch es wurde zum Desaster. Digisaurier-Gastautor Sebastian Gerstl berichtet, wie er seinen Amiga 500 wieder in Gang bringen wollte und was dabei schief ging.

Sebastian_GerstlGastautor Sebastian Gerstl – als er noch noch etwas jünger war als der Nachbarsjunge der in seiner Geschichte eine Rolle spielt. Und heute… Und hier ist seine Geschichte.

Jäger des verlorenen Schatzes

Ich bin ein Veteran der 16-Bit-Kriege! Die Pausenhöfe meiner Schulzeit waren geprägt von den zwei großen Kampagnen der Konsolen und Computer der Motorola-68000-Ära. In den späten 80ern – zu meiner Grundschulzeit – verdiente ich mir erste Sporen unter den Kriegern der Commodores und ihrer Amiga-Rechner gegen die Horden der Atarianer und ihrer STs. Es war, wie es so schön heißt, der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Und als ich in den 90ern aufs Gymnasium wechselte, schloss ich mich den Sega-Rebellen an, die mit ihren Mega Drives die Konsolen-Dominanz der Nintendo-Fraktion herausforderten.

Mit zunehmendem Alter wurde ich gemäßigter, jedoch nicht weniger verspielt. Heute finden Atari und Commodore, Sega und Nintendo, ja sogar Sony einträchtig ihren Platz nebeneinander im Regal. Ich weiß auch nicht, wie ich es geschafft habe, meine Sammlung über die Jahre so anwachsen zu lassen, denn die meiste Zeit mussten die Maschinen in Kisten verpackt im Keller verbringen. Als ich Anfang diesen Jahres nach einem Umzug Platz für einen Hobbyraum hatte, wusste ich sofort, was zu tun war!

Meine Computer-und Konsolen-Sammlung: Alle Geräte sind permanent angeschlossen und auf Knopfdruck einsatzbereit. An der Röhre laufen die Maschinen vor 1998, am Flachbildfernseher diejenigen nach dieser Zeit.
Meine Computer-und Konsolen-Sammlung: Alle Geräte sind permanent angeschlossen und auf Knopfdruck einsatzbereit. An der Röhre laufen die Maschinen vor 1998, am Flachbildfernseher diejenigen nach dieser Zeit.

Doch die 16-Bit-Schlachten haben mich geprägt, und so hat neben dem Mega Drive vor allem meine „Freundin“, der Amiga 500, einen besonderen Platz in meinem Herzen. Ja, ich zähle mich zu denen, die originale Hardware gegenüber Emulatoren bevorzugen – Ladezeiten oder klobigen Netzsteckern zum Trotz!

Ein Schalter für jede Maschine: Manche alten Geräte brauchten mehr als eine Steckdose. Nicht gerade strom- oder platzsparend.
Ein Schalter für jede Maschine: Manche alten Geräte brauchten mehr als eine Steckdose. Nicht gerade strom- oder platzsparend.

Alleine das Rattern einer Floppy versetzt mich wieder in die sorglosen Kindheitstage zurück, wo die größte Streitfrage im Leben war, ob der Sound von Speedball II nun auf dem Amiga 500 oder dem Atari 1040 STFM besser war. Und was ein Emulator niemals nachahmen kann, ist das einzigartige Gefühl, das angenehme und geradezu spürbare Klicken, wenn man beim Spielen einen originalen Competition Pro in Händen hält.

„Das ist doch das Speichern-Symbol“

Ich hatte in den letzten Monaten ein paar Mal den alten Computer hervorgeholt und das eine oder andere Programm geladen, etwa um dem 13-jährigen Nachbarsjungen zu zeigen, worauf wir so gezockt haben, als ich in seinem Alter war. Die Reaktion, als er eine Amiga-Diskette das erste Mal sah, war richtig goldig: “Das kenn’ ich, das ist doch das Speichern-Symbol!”.

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So kam es also, dass ich eines schönen Tags im Mai – vielleicht zum Teil auch aufgestachelt durch Martin Goldmanns kleinen Shout-Out für Emulatoren – einige inzwischen 25 Jahre alte Original-Disketten herauskramte, um ein paar Runden in nostalgischen 16-Bit-Zeiten zu schwelgen. Ich ahnte ja nicht, was für eine Horror-Story mich erwartete, die die Beziehung zwischen mir und meiner Freundin Amiga nachhaltig belasten sollte.

Im Angesicht des Todes

Die Geräusche, die mir aus meinem Floppy-Laufwerk entgegenschlugen, brachten mein Herz zum Rasen. Da kam nicht das typische Rattern und Knattern, nicht das buntspechtartige mechanische Klopfen, das den Beginn des Ladevorgangs verkündete.

Das, was aus dem Motor des internen Disk Drives kam, klang so, als hätte jemand einen Becher Sand in das Laufwerk gekippt – ein hässliches Knirschen und Kratzen, das vielleicht zwei, drei Sekunden dauerte. Es muss an der Überraschung gelegen haben, dass ich nicht sofort den Ausfwurf-Knopf betätigt habe. Ich könnte mir heute noch für dieses Zögern in den Hintern treten.

Als der Lärm vorbei war, zeigte der Fernseher das vertraute Bild der Hand, die einen zum Einlegen einer Diskette aufforderte.

Obwohl eine Diskette im Laufwerk lag.

Obwohl das Laufwerk alle paar Sekunden das bekannte Knacken von sich gab, um zu prüfen, ob da eine Diskette im Laufwerk liegt.

Da war dieses Bild.

Und ging nicht mehr weg.

Und mir ging nur ein einziges Wort durch den Kopf: „Fuck!“

Der ikonische Startbildschirm des Amiga 500: Normalerweise ein freudiger Anblick, nun plötzlich Grund zur Panik.
Der ikonische Startbildschirm des Amiga 500: Normalerweise ein freudiger Anblick, nun plötzlich Grund zur Panik.

Ich weiß nicht, wie lange ich in Schockstarre vor dem Bildschirm saß. Dann entwickelte ich hektische Aktivität. Ich hatte doch den Amiga erst vor wenigen Tagen benutzt! Also legte ich Diskette um Diskette ein, Programme und Spiele, die ich erst vor kurzem noch auf diesem Laufwerk geladen hatte. Ein ums andere Mal mit demselben ernüchternden Ergebnis.

Das Bild mit der Diskette verschwindet. Es folgen ein, zwei, drei Ladegeräusche.

Und dann ist dasselbe Bild wieder da.

Was war passiert? Vielleicht war es Staub, oder Dreck auf der Diskette. Vielleicht hatte sich auch, nach all den Jahren, die Beschichtung von der Magnetscheibe gelöst und das Laufwerk verschmiert. Was immer es war, diese 25 Jahre alte Originaldiskette – von der ich nicht wusste, wann sie das letzte Mal im Einsatz war – hatte mein Diskettenlaufwerk getötet.

War der Laufwerksmotor kaputt?

War der Laufwerksmotor kaputt und kann noch repariert werden? War der Lesekopf – das Herzstück des Drives – komplett hinüber?

Halt nein, ganz tot war das Floppy-Laufwerk wohl noch nicht. Denn da war immer noch dieses leise, rhythmische Knacken. Das Laufwerk wollte noch Disketten lesen. Es konnte nur nicht mehr. Wenn ich vorsichtig die eingelegte Floppy mit dem Finger nach unten drückte, startete das Laufwerk auch sofort einen neuen Leseversuch.

Eine Recherche in einschlägigen Foren gab zwar keine konkreten Antworten, aber immerhin Grund zur Hoffnung: Vielleicht ist das Laufwerk ja gar nicht defekt. Vielleicht war nur der Lesekopf verdreckt. Man müsste dann das Laufwerk aufmachen, reinschauen und den Sensor mit etwas Reinigungsalkohol säubern.

Das wäre doch eine simple Lösung. Ich schraube schon seit über 20 Jahren an Computern und Konsolen verschiedener Art herum und hatte auch schon ein paar Mal in meinen Amiga geschaut. So schwierig konnte das also nicht sein.

Innenansicht meines Amigas: Die Aussparung für das Diskettenlaufwerk ist exakt bemessen - ein Umstand, der mir noch einiges Kopfzerbrechen bereiten sollte.
Innenansicht meines Amigas: Die Aussparung für das Diskettenlaufwerk ist exakt bemessen – ein Umstand, der mir noch einiges Kopfzerbrechen bereiten sollte.

Dachte ich jedenfalls.

Re-Animator

Laufwerke reinigen – ein echtes Relikt aus den ersten 20 Jahren der Heimcomputer. Ich frage mich, wann jemand, der sich in den letzten zehn Jahren einen PC oder Laptop gekauft hat, zuletzt selbst einmal ein Laufwerk von Hand gesäubert hat?

SD-Karten, SSDs, USB-Sticks – die generellen austauschbaren Datenträger der modernen Ära – kommen überwiegend ohne mechanische Teile aus, an denen etwas klemmen oder verkleben könnte. Aber eine dumme Staubflocke an der falschen Stelle eines alten mechanischen Laufwerks, und schon verweigert es den Dienst. Dann hilft nur eins: Werkzeugkoffer aufklappen und selbst Hand anlegen.

„Das mag schon sein“, sagte der alte Nostalgiker in mir. „Aber der Vorteil an mechanischen Laufwerken ist, dass man die noch selber reparieren kann! Wenn mal ein Teil kaputt ist, kann man es selbst richten oder ersetzen! Und in den 80ern und 90ern, da haben wir doch alle fleißig selbst am Rechner herum geschraubt, wenn es mal ein Problem gab! Du hast PCs zusammengebaut und Konsolen gemoddet, da hattest du noch nicht mal einen Führerschein!“

Das ist schon richtig, aber setzt vor allem eines voraus: Vernünftige Verarbeitung, die auch nach Jahrzehnten noch ordentlich hält.

Gescheiterter Versuch: Diese Gehäuseschraube widersetzte sich allen Öffnungsversuchen.
Gescheiterter Versuch: Diese Gehäuseschraube widersetzte sich allen Öffnungsversuchen.

Mit diesem Hindernis hatte ich nicht gerechnet: Um mir das Innenleben des Diskettenlaufwerks genauer anzusehen, musste ich drei Gehäuseschrauben öffnen. Die ersten beiden waren kein Problem. Die dritte wehrte sich: Sie war versenkt, so dass ich nicht vernünftig an sie herankam. Sie saß so fest, dass sie sich selbst mit dem Uhrmacherschraubenzieher nicht öffnen ließ. Zu allem Überfluss war der Schraubenkopf so weich, dass er sich schon nach wenigen Versuchen nicht mehr greifen ließ. Ein erneuter Blick in die Foren bestätigte meine Vermutung: Viele mussten sich damit behelfen, diese Schraube aufzubohren oder zu dremeln, um das Gehäuse aufzubekommen. Dafür hatte ich aber kein passendes Werkzeug zur Hand. Und ich werde garantiert nicht im Laufwerk herumfuhrwerken, wenn ich das, an dem ich arbeiten will, nicht sehen kann!

Das Isopropanol-Vlies

Nun gab es in den 80ern und 90ern ein paar Alternativen für diejenigen, die nicht am Rechner schrauben wollten (oder, wie ich in dieser Situation, tatsächlich physisch nicht konnten): Eine Reinigungsdiskette! Das war im Grunde nichts anderes als eine herkömmliche Floppy, nur ohne den Metallschlitten und ohne magnetisierte Datenscheibe. Statt dessen enthielt sie nur eine Art Vlies.

Die Idee dahinter: Etwas Isopropanol auf die Scheibe geben, Diskette ins Laufwerk schieben, und ein paar Lesezyklen laufen lassen. Nicht so effizient wie das Laufwerk auseinanderzunehmen und von Hand zu säubern, und obendrein auch nur für eine begrenzte Anzahl von Einsätzen geeignet. Aber dennoch als Produkt weit verbreitet: Sogar als ich mir Mitte der 90er mein erstes CD-Rom-Laufwerk zugelegt hatte, wurden dafür überall Reinigungs-Kits offeriert. Heutzutage, wo Laufwerke abseits der USB-Schnittstellen und SD-Kartenleser zunehmend aus der Mode geraten, sind diese allerdings kaum noch zu bekommen – vor allem für so etwas Archaisches wie ein Diskettenlaufwerk.

Eine Reinigungsdiskette: Archaisches Extra zu einem aus der Mode geratenen Accessoire.
Eine Reinigungsdiskette: Archaisches Extra zu einem aus der Mode geratenen Accessoire.

Auch hier hatte aber ein anderer versierter Retro-Schrauber einen Tipp zur Selbsthilfe parat: „ein paar Tropfen Reinigungsalkohol auf eine Diskettenscheibe tropfen und einlegen und auf formatieren klicken“ riet er mir. Das würde zwar die Disketten als Datenträger unbrauchbar machen, aber der Effekt wäre quasi der gleiche wie bei einer klassischen Reinigungsdisk.

Welche andere Wahl blieb mir denn?

Wie geht es weiter?

Wird die Reinigungsdisk funktionieren? Oder verabschiedet sich Sebastians Amiga-Laufwerk auf immer in die Hardware-Jagdgründe. Lest mehr im zweiten Teil der Amiga-Geschichte, bald hier auf Digisaurier.de.

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