Fast vergessen (7): Was wurde eigentlich aus Data Becker?

[Achtung: Langes Lesestück] Kürzlich stolperte ich über einen kleinen, gemeinen Artikel in der Rheinischen Post zum Ende von Data Becker. Der offensichtlich wenig fachkundige und dem Apple-Lager zuneigende Autor (der unter anderem die Erfindung der Maus seinem Lieblingscomputerhersteller zuordnet) äußert sich hämisch zu einem Unternehmen, das über Jahrzehnte die bundesdeutsche Branche der Heimcomputer auf die eine oder andere Weise anführte. Die steile These des Schreibers: Data Becker sei nie innovativ gewesen, sondern den Innovationen immer nur nachgerannt. Nun habe ich selbst eine Data-Becker-Vergangenheit: Von Anfang 1983 bis Mitte 1988 war ich für den Verlag als Chefredakteur der Zeitschriften sowie als Buchautor tätig. Der Kontakt zu den Kollegen riss nie ab, und 2011 zur Feier des 30-jährigen Firmenjubiläums eingeladen zu werden, war mir eine Ehre. Fast vergessen (7): Was wurde eigentlich aus Data Becker? weiterlesen

Praxis: Wie nützlich sind USB-Hubs und Dockingstations wirklich?

Böse Zungen behaupten, die Hersteller der aktuellen Notebooks würden ihren Flachmännern nur deshalb so wenige Anschlüsse spendieren, damit sie den willigen Kund:innen ihre sündhaft teuren Dockingstations verkaufen könnten. So kostet das schlichte Surface Dock 2 mit einem Display- und einem Audioausgang, einer Ethernet-Buchse und sechs USB-Anschlüsse, das als Netzteil dient, offiziell schlappe 300 Euro; im Online-Versandhandel gibt es das Kästchen allerdings schon für um die 200 Euro. Preislich liegen die Dockingstations für MacBooks, allerdings besser ausgestattet, etwas darunter. Auch andere Hersteller versprechen, mit einem solchen Wunderteil würde aus dem mobilen Maschinchen ein waschechter Desktop-PC. Fragt sich nur, wer diese Verwandlung will und warum. Praxis: Wie nützlich sind USB-Hubs und Dockingstations wirklich? weiterlesen

Was zur Hölle… soll ich wirklich Windows 11 wählen?

Seit der ersten Version 1.0 im Jahre 1985 (die bekanntlich praktisch niemand praktisch nutzte) ist Windows zum mit weitem Abstand am weitesten verbreiteten Betriebssystem auf persönlichen Computern geworden. Ja, Betriebssystem, denn eine reine Benutzeroberfläche war das Microsoft-Ding im Gegensatz zu manchen Konkurrenten jener Jahre nicht. Veteran:innen dieser OS-Welt erinnern sich noch gern an die Version 3.11 von 1994, die bekanntlich die erste in der Reihe der 16-Bit-Windows-Varianten war, die so richtig gut und stabil lief und eine Explosion bei den Windows-Anwendungsprogrammen auslöste. Nach den unglückseligen NT-Dingern arbeitete sich dann Windows XP wieder in die Herzen der User:innen. Windows 7 kam in ganz neuem Look und zählt auch zu den Versionen, die auf mehr oder weniger große Liebe stießen. Und dann eben Windows 10, das sich anfangs ungewohnt anfühlte und dank des eingebauten Update-Mechanismus nie zu everybody’s darling wurde.

Das führte dazu, dass besonders in Unternehmen selbst dann auch Windows 7 auf den Kisten lief, als dessen Ableben – sprich: Ende der offiziellen Unterstützung durch Microsoft – verkündet und sogar ausgeführt wurde. Diesen Ritt auf einer betriebssystemtechnischen Rasierklinge riskieren tatsächlich immer noch ultrakonservative Admins. Dabei steht doch schon seit einigen Monaten Windows 11 ins Haus. Es handelt sich seit Langem mal wieder um eine echte Neuentwicklung mit ganz viel frisch gebasteltem Code. Eben nicht nur um eine modernisierte Benutzeroberfläche, sondern eine Version, die angetreten ist, die Möglichkeiten aktueller Hardware auszureizen.

So wie es Apple seit Jahr und Tag mit seinen OS-Versionen im schönen Einklang mit der jeweils neuen Prozessorgeneration tut. Überhaupt: Sowohl draußen an Deck, als auch im Maschinenraum haben die Microsofties ganz viel Dinge eingebaut, die es im MacOS schon seit rund zehn, wenn nicht gar 15 Jahren gibt. Das muss ja nicht schlecht sein, denn Studien zeigen, dass die Bedienung eines Apple-Computers von Neulingen immer noch schneller erlernt, wird als dies bei Windows der Fall ist – von wegen „intuitiv“ und so.

Das neue Startmenü in Windows 11 über der zentrierten Taskleiste (Screenshot)
Das neue Startmenü in Windows 11 über der zentrierten Taskleiste (Screenshot)

In einem wesentlichen Punkt sind die Ingenieur:innen bei Microsoft dem Apple-Vorbild besonders intensiv gefolgt: Windows 11 läuft nur auf zertifizierter Hardware. Beim Versuch der Installation wird das TPM-2-Modul sowie der Secure Boot abgefragt. Ohne beides kein Windows 11. Schlimmer noch: Die Auswahl an CPUs, mit denen der Elfer zusammenarbeiten mag, ist so eingeschränkt, dass praktisch alle Desktops-PCs, Laptops und Notebooks mit einem Baujahr von vor etwa 2019 definitiv ausgeschlossen sind. Kann man so machen, macht Apple aber nicht so. Begründet wird diese rigorose Maßnahme mit Sicherheitsgründen; das ist ehrenhaft, aber bei genauerem Hinsehen ein schwaches Argument, weil das, was die 11er-Systemanforderungen verlangen, die Gesamtsicherheit nicht grundlegend verbessert.

Erkenntnis Nummer 1: Mit der Frage „Windows 11 oder nicht?“ müssen sich nur Besitzer:innen (relativ) aktueller Hardware auseinandersetzen. Seit etwa Sommer 2021 wirkt sich das stark auf neu anzuschaffende Maschinen aus; sind die 11-kompatibel, wird meist ein automatisches Update aufs neue Windows angeboten. Aber auch hier sind manche User:innen gekniffen, den nicht immer gibt’s die Pro-Version als Update, selbst wenn vorher Windows 10 in der Pro-Version installiert war. Darauf ist beim Kauf dringend zu achten!

Erkenntnis Nummer 2: Es hat sich ausgekachelt. Als Microsoft noch von einer OS-Allmacht quer über die Welt aus Smartphones, Tablets und PCs träumte, haben die Designer:innen voll auf die Kachel als schönes und nützliches Bedienelement gesetzt. Sagen wir so: Eine kleine radikale Minderheit mochte das. Im Windows-Startmenü aber schlagen sich bis heute Menschen damit herum. Zack, bei 11 sieht dieses Startmenü endlich modern aus … so ein bisschen appelig.

Überhaupt ist Windows 11, dessen GUI ziemlich an das ehemalige Einsteiger-Windows 10X erinnert, ziemlich hübsch geworden. Das zeigt sich im Gesamtbild und setzt sich bei der Ästhetik der Fenster, leisten und Buttons fort. Windows-Kenner:innen werden auf Anhieb zurechtkommen. Aber, denn es gibt immer ein Aber, die vielen Möglichkeiten, sich die Desktops selbst nach Lust und Laune zu gestalten, haben sich verringert, und übernehmen kann man das, was man bei Windows 10 angerichtet hat, nur sehr eingeschränkt.

Der Hammer - Android-Apps für Windows 11 (Screenshot)
Der Hammer – Android-Apps für Windows 11 (Screenshot)

Der größte Hammer aber ist, dass Leute, die ein Android-Smartphone nutzen, nun auch Android-Apps unter Windows 11 nutzen können; eine Auswahl ist bereits im Microsoft Store zum Download verfügbar. Weniger doll werden sich Besitzer:innen von ollen Tablets freuen, die dort mit Windows 10 arbeiten. Erstens weil außer den originären Windows-Tablets kaum Geräte 11er-fähig sind und zweitens, weil die neue Version eben ausschweifendere Ressourcen fordert. Man hört schon von Fricklern, die nun ein Linux aufs Tablet ziehen.

Erkenntnis Nummer 3: Der Drops mit neuen Treibern ist noch gar nicht gelutscht. Fein raus sind nur Käufer:innen von neuen PCs, die daran nur aktuelle Peripherie betreiben wollen. Wer aus nostalgischen Gründen olle Grafikkarten drin hat oder einen Drucker-Methusalem weiter nutzen will, könnte unerfreuliche Überraschungen erleben.

Das Fazit lautet daher: Wer jetzt oder in nächster Zeit einen neuen PC bzw. ein neues Notebook anschafft, sollte nach einer kurzen Gedenkphase das Angebot auf das Update in Richtung Windows 11 dann annehmen, wenn es verfügbar ist. Allen anderen ist anzuraten, beim guten, alten 10er-Windows zu bleiben, denn das wird ja nach geltenden Microsoft-regeln noch ein paar Jahre unterstützt werden.

Die Zukunft betrachtet mit dem Wissen der Vergangenheit. Die Vergangenheit betrachtet mit dem Blick auf die Zukunft.